Interview mit Bill - Deutsche Version

(Silverstein)

13.05.2009 von Melanie Schupp

Vor dem Konzert im Hamburger Grünspan bot sich uns die Gelegenheit Bill Hamilton von Silverstein für ein kurzes Interview zur Seite zu nehmen. In dem sehr kleinen und gemütlichen Backstageraum legte er sogleich sein Laptop beiseite und gab zuvorkommend Antwort zu jeder einzelnen Frage.

Verliefen eure Arbeiten an “A Shipwreck In The Sand” normal oder ist währenddessen etwas außergewöhnliches passiert?

Bill: Ich denke es war dahingehend außergewöhnlich, dass alles einfach gut funktioniert hat. Es hat großen Spaß gemacht und war perfekt. Wir haben sehr hart gearbeitet und hatten trotzdem unseren Spaß. Es tat gut, dass wir zu Hause aufnehmen konnten. Zu der Zeit war es sehr kalt also blieben wir im Studio und hatten keine Unterbrechungen. Zuvor hatten wir ein Album in Kalifornien aufgenommen und da gab es zuviel Ablenkung – Hollywood, Konzerte, Parties, Bars, Freunde und trinken. Zu Hause konnten wir ein wenig zur Ruhe kommen.

Da waren aber sicherlich auch oft Freunde um euch herum?

Bill: Das schon, aber es war okay da wir bereits eine Weile zu Hause waren. Auch im Studio war es gut Freunde um uns herum zu haben, die uns Kritik und Input geben konnten. Oder sie kamen uns sangen etwas für unser Album ein.

Dies ist euer erstes Konzeptalbum. Wie kam es dazu? War alles ins Detail geplant oder kamen die Kapitel zufällig zustande?

Bill: Nein es war auf jeden Fall geplant. Bevor wir damit anfingen die Musik zu schreiben hatte Shane die Idee ein Konzept zu verfassen. Die vollständigen Lyrics standen zwar noch nicht, aber die Story an sich und wie der Spannungsbogen aufgebaut sein sollte. Und dann passten wir die Musik dementsprechend an. Wir bestimmten ‚Ok dies ist der fröhliche Song, das der wütende,…’ – so nahm das Album nach und nach immer mehr Gestalt an und die Kapitel entwickelten sich daraus.

Beschreibt das Album in irgendeiner Form eine persönliche Geschichte?

Bill: Nein es hat nichts mit uns zu tun. Die Geschichte hat Shane erfunden und handelt von einer Familie und einem Mann, der mit persönlichen Problemen mit seiner Familie, seinen Freunden, seinem Land und seiner Gesellschaft kämpft. Es sind natürlich schon Dinge, die wir oft sehen, aber nichts aus unserem persönlichen Leben.

All eure anderen Cover bezogen sich bis jetzt direkt auf den Albumtitel. Warum zeigt das Album kein Schiffswrack im Sand?

Bill: Ja. Es sind zwei Stories auf dem Album. Die Hauptgeschichte handelt von dem Mann, seiner Familie und dem Hause. Darum ist das brennende Haus auf dem Cover – der erste Song handelt von dem Feuer im Haus. Das Schiffswrack ist eine andere Geschichte des Albums und zieht sich nur durch diesen einen Song. Denn all die Songs auf dem Album gehören zu einer Gesamtgeschichte und dieser eine Song “A Shipwreck In The Sand” ist ein einzelner, der die Geschichte erklärt. Er handelt von einem Schiff und seinem Kapitän – und das stellt metaphorisch den Mann und seine Familie dar. Er geht voran in seinem Leben und versucht seinen Amerikanischen Traum zu verwirklichen. Er versucht so etwas zu finden wie damals, als die Leute von Europa Amerika für sich entdeckten. Amerika präsentiert stets Freiheit und weiße Häuser mit Gartenzäunen davor. Doch das ist es nicht – diese Vorstellungen sind einfach naiv. Davon handelt “A Shipwreck In The Sand”.

Ihr habt einige Gastmusiker auf eurem Album. Wie kam es dazu?

Bill: Ein paar Freunde von uns haben vorbeigeschaut. Als wir den Song “Vices” aufgenommen haben sang zuerst Shane den Part, den nun Liam von den “Cancer Bats” singt. Als wir es uns anhörten waren wir uns alle einig, dass es sich besser anhören würde wenn Liam es singen würde. Also haben wir ihn angerufen.

Dasselbe passierte mit Scott Wade bei “Born Dead” – er ist mein Mitbewohner. Wir hatten also diesen Song und wollten die Vocals abwechslungsreich gestalten. Wir wussten, dass dies ein schneller Punk-Hardcore Song werden sollte und wir wollten dass Scott mitsang, da er eine so unterschiedliche Stimme zu Shanes hat. Also haben wir ihn darum gebeten.

Und der letzte Song… ich bin nun seit über einem Jahr mit “Lights” befreundet. Sie hat eine Show mit einer befreundeten Band “Protest The Hero” in Toronto gespielt. Wir alle waren dort, auch unser Produzent Cameron. Lights war Support und es war eine merkwürdige Show für sie, da die Hauptband eine Metalband war. Manche Zuschauer warfen Sachen nach ihr und riefen dazwischen, doch wir alle waren sehr beeindruckt von ihrer Stimme. Also habe ich mich nach der Show bei ihr vorgestellt.

Am nächsten Tag kam ich ins Studio und alle redeten von Lights und wie gut sie war. Und ich sagte “Na los, ich hab ihre Nummer. Lass uns anrufen und sie ins Studio holen!”

Wie gefiel ihr das Ergebnis?

Bill: Sie hat sich sehr darüber gefreut. Und ich glaube, dass sie schon seit langem ein geheimer Silverstein-Fan war. Sie war ziemlich nervös als wir sie fragten, ob sie kommen möchte. Und dann haben sie alle wie einen großen Star behandelt… sie war total verwirrt.

Wie stehts um eure Arbeitsgewohnheiten… konzentriert ihr euch jetzt, wo das neue Album raus ist, ausschließlich auf das Promoten und die Konzerte oder sitzt ihr bereits an neuen Songs? Geht der Schreibprozess kontinuierlich weiter?

Bill: Normalerweise machen wir ein Album fertig und dann promoten wir es und denken ans touren. Aber ich bin sicher, dass ein paar der Jungs – unsere Gitarristen zum Beispiel – bereits kleinere Ideen haben an denen sie arbeiten. Aber mit der Band zusammen haben wir noch keine neuen Ideen ausgearbeitet, wir konzentrieren uns erstmal auf die Tour und dann werden wir etwas Zeit mit unseren Familien verbringen.

Ihr habt über die Jahre schon einige Konzerte in Deutschland gespielt. Inwiefern hat sich das Publikum verändert / entwickelt?

Bill: Es ist merkwürdig in Deutschland… wir haben hier so viele unterschiedliche Touren hinter uns. Wir hatten Headliner-Touren, waren auf Festivals und einmal mit Simple Plan. Wir haben einiges in Deutschland gemacht und es scheint zu funktionieren. Ich denke eine Silversteinshow in Deutschland ist nicht anders als sonstwo. Doch die Shows waren auf jeden Fall immer sehr cool. Wir haben bis jetzt zwei Shows auf dieser Tour in Deutschland gespielt und es war um einiges besser als die Shows in Amerika. Wir kommen sehr gerne hierher.

Erinnere dich mal zurück an die alten Schulzeiten. In jeder Klassenstufe gab es verschiedene Charaktere wie den Klassenclown, den Sportlichen usw. Was hattest du für eine Rolle?

Bill: Ich war das fette Kind. Ich wurde viel gehänselt. Und dann war ich einer von denen, die Punkmusik hörten, bevor die anderen überhaupt wussten was das war. Also wurde ich öfters verdroschen. Und einige Jahre später kamen sie an ‘Oh hey ich habe auch eine Band, können wir nicht mal mit euch spielen?’ und ich dachte mir nur ‘Warte mal eine Sekunde… du hast ich verhauen, bevor ich in dieser Band war!’

Es gibt mittlerweile viele Bands, die ähnliche Musik machen wie ihr es tut. Die meisten kommen und gehen, aber ihr scheint ein festes Standbein zu haben. Was ist euer Geheimnis?

Bill: Wir haben nie auf Teufel komm raus versucht mit dieser Band so bekannt zu werden. Wir sind kein Fake, wir sind reale Leute und ebenso unsere Songs sind echt. Wir wissen wo unsere Wurzeln sind. Und ich glaube es kommt auch daher, dass wir schon immer die Art von Band waren, die ihre Freundschaften zu schätzen weiß und pflegt. Wir sind nett und zuvorkommend. Wir hatten niemals einen zu hohen Stolz oder waren eingebildet. Ich denke das hat einiges damit zu tun.

Was war das Übelste zu Beginn oder gibt es gar etwas, das du mittlerweile vermisst?

Bill: Ich versuche immer nicht in dieser Weise zurückzuschauen. Denn ich bin der Meinung, dass jede Lebesphase dich darauf vorbereitet was als nächstes kommen wird. Wenn man Fehler macht, gibt es Lektionen die an daraus lernt. Und ich bin froh über die Lektionen, die ich in meinem Leben gelernt habe.

Euer Bandname kommt ja von der Person Shel Silverstein. Habt ihr jemals daran gedacht einen kompletten Song aus einem seiner Werke zu machen?

Bill: Das haben wir bereits in gewissem Sinne… aber es war mehr ein Gedicht in einem unserer ersten Songs. Wir haben gerade geprobt und Shane hat das Buch genommen und angefangen daraus vorzusingen. Einer unserer alten Songs, noch vor “When Broken Is Easily Fixed” hieß “Forever And A Day” und Shane liest darin ein Gedicht vor. Ich weiß nicht ob wir das irgendwann wiederholen werden. Vielleicht eher nicht. Wahrscheinlich eher einen Song von Johnny Cash. Aber wir haben noch nicht konkret darüber nachgedacht.

Shel Silverstein hat ja eine Weil in der Playboy Mansion gewohnt. Könntest du dir vorstellen dort für eine Zeit zu wohnen?

Bill: Ich glaube das wäre ganz schön stressig. Zu viele gutaussehende Mädchen!

Wie stehts mit dem allerersten Song, den ihr jemals geschrieben habt? Wurde der veröffentlicht?

Bill: Ja, er nennt sich “Waiting For Years” und war zwar nicht auf “When Broken Is Easily Fixed” aber wir haben ihn später auf “18 Candles” rausgebracht.

Und weißt du was? Der Song “The End”, bei dem Lights mitsingt, ist ein sehr alter Song. Er ist ungefähr 10 Jahre alt. Wir wollten ihn ursprünglich auf “When Broken Is Easily Fixed” rausbringen, haben ihn aber nicht rechtzeitig fertig bekommen. Wir haben ihn vergessen und jetzt für das neue Album wieder ausgegraben. Die Musik hat ursprünglich Richard – unser erster Gitarrist, der nun in Australien lebt – geschrieben. Er hat den Song vor ca. 10 Jahren verfasst!

Also wird er jetzt abkassieren…?

Bill (lacht): Vielleicht. Er kann sich das Geld von Victory Records abholen. Er ist immer noch ein guter Freund von uns und er liebt den Song.

Was verbindest du mit Deutschland?

Bill: Ich liebe das Brot. Deutschland hat das beste Brot! So gut! Jedesmal wenn wir hierher kommen: das Brot ist das beste!

Was ist das erste, das du tun wirst wenn du zu Hause bist… und wann wird das überhaupt sein?

Bill: Zum Ende der Tour werden wir zurück fahren… das wird glaub am 30. Mai sein. Dann haben wir 3 Wochen zu Hause bevor die nächste Tour beginnt. Ich werde höchstwahrscheinlich mein Fahrrad schnappen und etwas Essen besorgen. Mit Freunden abhängen und den Sommer in Toronto genießen. Vielleicht ein Baseballspiel ansehen. Unser Baseballteam ist wirklich gut dieses Jahr…

…und dann startet ein kurzes Geplauder über Baseball und Hockey, bevor die Interviewzeit abgelaufen ist.

Wir bedanken uns herzlich bei Bill für das nette Gespräch. Ebenso gebührt unser Dank Dagmar von Gordeon Music, die dieses Interview ermöglicht hat.

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