Interview mit Hanno Klänhardt von Sixxxten

(Sixxxten)

17.11.2011 von Thomas Kröll

Vier Jahre existieren Sixxxten nun schon. 2009 erschien beim Hamburger Traditionslabel Bitzcore (Turbonegro, Turbo AC´s, ZSK) mit "Jugend Violencia" ihr von der Presse für sehr gut oder auch für sehr schlecht (dazwischen wenig) befundenes Debütalbum. Nach zahllosen Konzerten und Basisarbeit auf jedem Acker, reichlich dekadenter Pose und über 40000 Myspace-Freunden, die gar keine sind, veröffentlichte der Vierer aus Hamburg/Bremen Mitte November dann endlich ein neues Werk namens "Automat Supérieur" (hier findet ihr unser Review). Grund genug für Musicheadquarter-Chefredakteur Thomas Kröll dem Gründer der - nach eigenem Selbstverständnis - "ungemütlichen" Band Hanno Klänhardt mal etwas näher auf den Zahn zu fühlen.

ROCKMUSIK SOLLTE GEFÄHRLICH BLEIBEN!

Euer Bandname bezieht sich nicht etwa auf die englische Zahl, sondern auf den skandinavischen Jungennamen. Den schreibt man aber nur mit einem "x". Warum habt ihr gleich drei daraus gemacht? War Alkohol im Spiel?

Hanno: Ich habe früher bereits vor der jetzigen Konstellation der Band alleine unter dem Namen Musik gemacht. Sixten war und ist eben mein Spitzname. Es ging dann irgendwann darum klarzustellen, das es sich um eine wirkliche Band handelt und eben nicht mehr um mich allein. Die drei X waren die schnellste und albernste Lösung. Eine bessere ist mir und uns jedoch damals nicht eingefallen. Alkohol war wahrscheinlich im Spiel. Passiert ja dann doch häufig.

Kannst du uns die Band kurz vorstellen?

Hanno: Sixxxten sind ein Bremer/Hamburger Konstrukt. Baujahr 06/07. Im Sommer 2009 erstes Album namens "Jugend Violencia". Viel Hass, viel Liebe. Dazwischen jeden Acker beackert und neue Songs geschrieben, verworfen, Neues erfunden. Im Winter letzten Jahres dann unter Führung von Gregor Hennig in sein kleines Studio in Hamburg / Altona gegangen um "Automat Supèrieur" live und analog einzukloppen. Gute Entscheidung. Wir sind vier mehr oder weniger junge Männer. Mit unterschiedlichen Namen und Narben.

Wie würdest du eure Musik beschreiben? Wenn ich mir zum Beispiel den Titelsong eures aktuellen Albums anhöre, dann erkenne ich darin Anleihen von Punk, Rock, Pop und Neuer Deutscher Welle.

Hanno: Der Sound ist kryptisch, leicht stressig und hat immer einen Hang zur Nervosität. Manchmal gern schwer überladen mit viel zu vielen Ideen gleichzeitig, aber das ist bei der neuen Platte besser geworden. Der Produzent hat uns viel weggenommen dieses Mal. Das war eine gute Idee. Den Sound einem bestimmten bestehenden Musikstil zuzuordnen ist nicht ganz einfach. Merkst du ja selber. Ich denke es wird wohl Rock-Musik sein, mit all ihren Stärken und Schwächen. Bei uns natürlich mehr Stärken, da wir versuchen Schwäche zu vermeiden (lacht). Es ist in der Tat so, dass ich als Hauptsongwriter sehr sehr viel unterschiedlichste Musik höre und Musik einfach generell genreübergreifend sehr mag. Es würde mich nicht wirklich glücklich machen gewisse Einflüsse auszuklammern aufgrund eines albernes Details wie "Szenezugehörigkeit" oder sonstigem Ego-Quatsch. All die von dir genannten Stile sind sicherlich vorhanden ja. Allerdings ist es doch so, dass ich und die Band schon einen ganz klaren Punkbackground haben. Was immer Punkrock im Jahr 2011 sein soll.

Hast du musikalische Vorbilder?

Hanno: Nein. Aber tausende Leute die ich schwer verehre. Namen würden hier sicherlich aber den Rahmen sprengen. Ich mag Musik. Wie bereits erwähnt. Es gibt nichts was ähnliche Gefühle in mir auslöst. Außer Bier (lacht).

Nach eigener Aussage wolltet ihr kein "gemütliches" Album machen. Ist euch das aus deiner Sicht gelungen?

Hanno: Sehr wohl. Weißt du, ich höre meine eigenen Alben nicht. Ich fühle mich dann manchmal unwohl. Es dauert eine Zeit bis ich mich daran wage. Das habe ich jetzt jüngst getan und mir fällt auf, dass ich genau das Album gemacht habe, welches ich machen wollte. Das freut mich. Gregor, der Produzent, hat unsere Ideen geteilt und hervorragend umgesetzt. Es ist in der Tat recht ungemütlich geworden. Es schielt niemals auf die perfekte Hookline, oder versucht Melodien für Millionen zu erzeugen. Im Gegenteil. Es ist oft verstörend und immer unklar. Das schätze ich. Alles sollte so unrein wie möglich sein. Immer.

Zum Release von "Automat Supérieur" habt ihr eine witzige Promoaktion gestartet. Für jedes geklaute Exemplar erhält der Dieb fünf Euro von euch. Ich kriege es nicht mehr zusammen. Ist meine Erinnerung richtig?

Hanno: Nein nicht ganz. In jeder fünften Vinyl stecken fünf Euro, da wir uns das Geld für das Mastering gespart haben. Die Aufnahmen klangen so geil, dass es überflüssig war und wir sie einfach nur laut machen mussten. Das Geld war ja so oder so weg beziehungsweise verplant, somit können wir es dem werten Konsumenten auch direkt wieder zurück geben. Wir verdienen eh keinen Pfennig mit der Musik. Bei dem Dieb gilt aber auch mein Wort: Wer mir beweisen kann, dass er/sie ein Album bei Saturn oder ähnlichen geklaut hat, bekommt ein zweites umsonst. Man sollte jedoch nicht versuchen ein Album bei einer unserer Shows am Merchstand zu stehlen. Das könnte ungemütlich werden.

"Automat Supérieur" ist der Nachfolger eures Debüts "Jugend Violencia" von 2009. Wie du schon sagtest, habt ihr die Songs diesmal komplett live und analog aufgenommen. Warum das?

Hanno: "Jugend Violencia" war sehr fett produziert. Bewusst überladen und eigentlich immer "an" und laut. Viel Soundspielereien und Selbstverliebtheit. Ich mochte und mag das, jedoch ist das neue Album wesentlich gewagter. Es gibt kein Netz und doppelten Boden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Alles was du hörst kommt so von der Band, es gibt keine gedoppelten Gitarren und 100 Vocal Spuren und übertrieben gecuttete Takes. Alles ist sehr rustikal und "live". Das steht den Songs sehr gut. Schon der Prozess sie zu schreiben war komplett anderes als beim ersten Album. Sie waren etwa 24 Stunden vor Studio-Antritt "einigermaßen" fertig. Die Songs zum ersten Album waren teilweise mehrere Jahre alt. Ich mag den spontanen Charakter von "Automat Supérieur". Eigentlich hat nur der STOP-Knopf der Bandmaschine bestimmt, wann ein Song wirklich fertig war. Und das haben wir dann eben so akzeptiert. Wir wollten uns eben bewusst limitieren. Das schafft gute Energie und Kraft.

Du bist auch der Chef-Texter der Band. Ich musste bei vielen erst dreimal um die Ecke denken, bevor ich sie verstanden habe. Leicht machst du es den Leuten nicht gerade. Aber ich nehme an, genau das ist auch nicht deine Absicht, oder?

Hanno: Es ehrt dich, dass du dir überhaupt die Mühe machst. Freut mich zu hören und ich hoffe es geht anderen auch so. Es ist einfach so: Vieles versteh ich in dem Moment wo ich es schreibe auch nicht sofort. Ich mag dann den Klang der Worte, die Bilder die die Sätze malen. Ich mag das Gefühl was die Worte in Kombination mit anderen und mit dem Klang der Musik vermitteln. Es muss nicht immer alles klar sein. Manchmal reicht es das Grundgefühl zu verstehen. Aber ja, es ist richtig, Texte sind für mich ungemein wichtig. Oft stehen sie bevor die Musik fertig ist.

Hast du nie darüber nachgedacht auf Englisch zu singen?

Hanno: Nein.

Im Labelinfo ist von "Hamburger Musikklischees" die Rede, die ihr mit "Automat Supérieur" unbedingt vermeiden wolltet. Was muß ich mir unter diesen Klischees vorstellen?

Hanno: Es gibt sie halt einfach die Hamburger Musikklischees. Zum Beispiel wird dieser Stadt immer ein sehr guter Geschmack unterstellt wenn es um Musik geht. Das zum Beispiel ist völliger Blödsinn. Manches tut einfach nur weh. Aber sowas hat man ja in jeder Stadt. Das Problem ist aber tatsächlich, dass Hamburg einen Ruf genießt "ganz supi-geile Sachen" hervorzubringen. Das stimmt teilweise auch, allerdings erweckt es bei seinen Einwohnern und Statisten eben auch ein Klima des sich "Auf die Schulter klopfen" und einer Gemütlichkeit und Selbstherrlichkeit, die einfach zum Kotzen ist. Ich denke wir müssen hier keine Namen nennen... Vieles ist großartig, aber jede Art von Szene, Anspruch an ein Trademark oder Gruppenzugehörigkeit macht genauso viel kaputt wie es Gutes hervorbringt. Man darf einfach nicht zu gemütlich werden und versuchen mit glorreichen Momenten anderer selber zu punkten. Ein gewisser Einfluss bleibt sicher nicht aus, ist auch okay, aber ich finde Rockmusik sollte gefährlich bleiben.

Vier Jahre gibt es Sixxxten nun. Was wollt ihr mit der Band noch erreichen? Du hast drei Wünsche frei.

Hanno: Erstens: Am 10. Dezember im Hafenklang eine geile Record Release Party spielen. Zweitens: Mehr live spielen als jetzt. Und drittens: Weiterhin Alben machen die uns selber herausfordern.

Apropos: Kürzlich hieß es, für den Winter sei eine Deutschland Tour geplant. Gibt es da inzwischen schon Konkreteres zu vermelden?

Hanno: Es geht wohl erst ab März los. Die ersten Daten sammeln sich aber langsam. So viel weiß ich bis jetzt. Das Booking ist immer nicht ganz einfach. Schließlich will man nicht noch drauf zahlen wenn man losfährt. Plus/Minus Null wäre also fein. Und somit müssen wir als Underground Band natürlich genau gucken wie man das regelt. Aber auch das Angebot steht: Wenn ihr wollt, dass wir bei euch in der Stadt Musik machen, stellt was auf die Beine. Gebt uns Benzinkohle und einen Platz zum Schlafen. Wir sehen uns dann dort...

Das ist doch mal ein Angebot! Kontaktmöglichkeiten bestehen ja über eure Webseite (http://www.sixxxten.com/). Wir behalten euch im Auge. Bis dahin erstmal vielen Dank für das Interview, Hanno!

Hanno: Ich habe zu danken. Danke für deine Zeit.

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