Interview mit Slayer-Gitarrist Kerry King in Köln

(Slayer)

14.06.2010 von Marc Brüser

Man kann über Kerry King sagen, was man will. Ich habe von einigen gehört, dass der Slayer-Gitarrist nicht einmal in der Lage wäre, ein vernünftiges e-moll greifen zu können oder einer der prolligsten und unsympathischsten Menschen auf diesem Planeten sei. Ersteres kann ich weder bestätigen noch widerlegen, da ich keine Ahnung habe wie fit Mr. King an der Gitarre ist im Vergleich zu anderen seines Genres. Jedoch erlebe ich an diesem sonnigen Montagnachmittag in Köln einen gut gelaunten Kerry King, welcher durchweg sympathisch und witzig rüberkommt.

Musicheadquarter-Redakteur Marc Brüser traf sich mit Kerry King backstage in der Kölner Live Music Hall.

Kerry, wie verläuft die Tour bis jetzt so? Habt ihr diesmal keinen Ärger?

Kerry: Wir mussten eine Show in Bochum absagen. Tom’s Stimme hat einfach nicht mitgemacht. Dummerweise war das erst beim Soundcheck klar. Ich hatte mich eigentlich echt gefreut da aufzutreten. Naja, kann man nichts machen.

Ich habe euch letzte Woche bei Rock am Ring gesehen.

Kerry: Meine Gitarre hört sich jetzt wesentlich besser an. Ich hatte keine Ahnung was da das genaue Problem war, aber jetzt ist es weg.

Ja, das hat man sogar gemerkt. Ich war relativ weit vorne und habe gesehen, dass du die ganze Zeit an deiner Gitarre rumgefummelt hast.

Kerry: Ja, außerdem war sie einfach viel zu leise. Heute wird der Sound euch die Ohren weghauen (lacht).

Gibt es eigentlich einen besonderen Unterschied zwischen Festival-Gigs und "normalen" Konzerten?

Kerry: Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass auf Festival Shows der Sound immer viel, viel schlechter ist als auf Konzerten. Und man bekommt keine Soundchecks. Aber wir hatten auch speziell bei Rock am Ring Probleme mit unseren Verstärkern, alles musste neu eingestellt werden. Hat auf jeden Fall genervt.

Was ich merkwürdig fand: Ihr habt nur drei oder vier Songs von eurem neuesten Album "World Painted Blood" bei Rock am Ring gespielt…

Kerry: Wir haben auch ein kürzeres Set gespielt (Anm.d.Red.: Gerade mal drei Songs weniger).

Ja, ich habe die Setlist gesehen. Die Zugabe war nicht dabei.

Kerry: Zurück zu deiner Frage: Wir lernen momentan "Snuff", aber sind noch nicht komplett fertig damit. Ansonsten spielen wir von den neuen Sachen das Übliche.

Spielt ihr heute Abend vielleicht "Bloodline"?

Kerry: Nein. Wir haben es rausgenommen.

Schade. Warum?

Kerry: Ich hab darüber nachgedacht, aber es hat ein anderes Tuning, man spielt den Song auf C. Normalerweise haben wir zwei bis drei Drop C Songs in der Setlist. "Bloodline" hat es diesmal einfach nicht geschafft. Dafür haben wir diesmal Songs wie "Agressive Perfector" mit dabei, was wir mindestens (denkt nach)... 15 Jahre nicht mehr gespielt haben. Man kann halt nicht alle Wünsche erfüllen.

Verständlich bei einem Repertoire von sagen wir zehn Alben?

Kerry: Mindestens.

Wer erstellt bei euch eigentlich die Setlist für das jeweilige Konzert?

Kerry: Ich mache das seit... keine Ahnung, seit der Entstehung der Band eigentlich.

Die anderen haben aber schon ein gewisses Mitbestimmungsrecht, oder?

Kerry: Ach, die geben da normalerweise einen Scheiß drauf (lacht). Sie wollen nicht damit belastet werden.

Hast du irgendwelche Songs, die du am liebsten live spielst?

Kerry: Definitiv "Raining Blood". Es macht einfach richtig Spaß zu spielen. Man merkt wie die Crowd darauf abgeht. Klar haben wir eine Menge Songs worauf sich die Leute freuen, aber die meisten Resonanzen sind bei "Raining Blood" zu merken.

"Stillleben" an der Aussenfassade der Live Music Hall.

Habe ich bei Rock am Ring gemerkt. Leute, die bis dahin nur herumstanden fingen zu moshen, crowdsurfen… Sieht man eigentlich von der Bühne, wie sich die Leute während eures Konzerts verhalten?

Kerry: Nur wenn das Licht auf sie scheint.

Kennst du eigentlich irgendwelche deutschen Metalbands? Ich meine, ihr tourt ja relativ häufig in Deutschland herum, da lernt man ja einiges an Kapellen kennen.

Kerry: Nur die alten Bands wie Sodom oder Kreator.

Zu etwas anderem: Eine Biographie im Internet hat mir verraten, dass es dir mehr Spaß macht über Satan als über Gott zu schreiben. Warum ist das so?

Kerry: Ach, weißt du, ich habe über die ganzen Jahre eine Menge Metal Bands sagen hören, dass sie das krasse Gegenteil von uns sind und für was wir stehen. Ich persönlich habe einfach keinen Grund über Gott oder Jesus irgendetwas mitzuteilen (lacht). Er war ja anscheinend kein sonderlich aggressiver und wütender Mensch und für mich ist unsere Musik mit seiner Lebensart nicht kompatibel.

Stimmt. Ihr habt ja auch keine Balladen.

Kerry: Eben.

Ich habe in der Biographie auch gelesen, dass du auf Horror Filme stehst. Kannst du ein paar empfehlen?

Kerry: Lass mich mal nachdenken... ich hab einige gute in letzter Zeit gesehen. "Drag Me To Hell" war cool. Und "Legend" war absolut genial. Da geht’s darum, dass Gott seine Engel zur Erde schickt, um die Menschheit auszulöschen. Der ist echt geil, weil vor allem die Engel komplett unerwartet in gewissen Szenen handeln.

Ich muss zugeben, dass ich nicht so unglaublich im Horror Genre interessiert bin. Aber "Constantine", welcher auch die Thematik von Gott und Satan aufgreift, fand ich zum Beispiel richtig gut.

Kerry: "Constantine"... Ich hab den Film echt anfangs gehasst. Aber als ich mir ihn noch ein zweites Mal anschaute, habe ich auch ein paar ganz gute Stellen gefunden. Die Darstellung vom Teufel ist zum Beispiel super.

Ja, finde ich auch. Zurück zur Band: Nächstes Jahr feiert ihr euer 30-jähriges Bestehen. Ist da irgendwas Spezielles geplant?

Kerry: Ganz ehrlich, uns interessiert das einen Scheiß (lacht). Die Journalisten fragen immer nur danach.

Wie kommt es, dass ihr nach all den Jahren immer noch zusammen seid? Zwar wurde Dave Lombardo, ich glaube das war 1992, aus der Band geschmissen, aber auch er ist seit acht Jahren wieder dabei.

Kerry: Nun, ich glaube, dass es gut war, dass wir einige Zeit Abstand von Dave hatten. Jetzt ist es absolut klar, dass er der Mann fürs Schlagzeug bei uns ist. Wir haben die Band ja auch schließlich zusammen gestartet. Klar, wir hatten Probleme miteinander, aber haben sie nun überwunden. Ich könnte mir jetzt auch echt schwer einen anderen Schlagzeuger als ihn in der Band vorstellen.

Unsere Zeit ist auch leider schon um. Ein paar letzte Worte an die Fans?

Kerry: Auf dieser Tour spielen wir in kleinen Hallen, was wir bestimmt seit 15 oder 20 Jahren nicht mehr gemacht haben. Also wenn ihr nicht die Chance wahrnehmt uns auf dieser Tour live zu erleben, probiert es bei der nächsten Tour. Nur die wird wieder in größere Hallen oder Arenen verlegt werden.

Kerry, wir danken vielmals für das Interview!

Mit freundlicher Unterstützung von Juliane Lüthy (Sony Music). Dafür vielen Dank!

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