(Spock's Beard)
Nach Erscheinen des neuen Albums hatten wir die Gelegenheit, per Mail einige Fragen an die Band zu stellen. Herzlichen Dank an Detlev Schmidt von InsideOut für die Vermittlung und an Alan Morse, der sich die Zeit nahm, uns zu antworten. Die Fragen wurden gestellt von Andreas Weist.
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album. Über die letzten drei Alben hat eine stetige Weiterentwicklung stattgefunden. In „Feel Euphoria“ wart ihr noch sehr auf der Suche, „Octane“ zeigte schon in eine bestimmte musikalische Richtung und mit „Spock´s Beard“ scheint ihr euren neuen Stil gefunden zu haben, der eine hohe musikalische Bandbreite aufweist. Es ist meiner Ansicht nach euer bestes Album seit „V“. Wie steht ihr selbst dazu?
Alan Morse: Ich mag es wirklich. Es ist sehr vielseitig und deckt eine große stilistische Vielfalt ab. Es macht Spaß, bietet hammermäßigen Prog und auch echten Rock’n’Roll. Allerdings mag ich „Feel Euphoria“ und „Octane“ auch sehr...
Was ich vermisse, sind die reinen A-cappella-Passagen, wie z.B. im Mittelteil von „At The End Of The Days“ oder ganz ausgeprägt in „Sid´s Boys Choir“. In den letzten beiden Alben gab es diese nicht mehr. Müssen wir in Zukunft darauf verzichten? Für mich waren sie immer das Salz in der Suppe eurer Alben.
Alan Morse: Vielleicht ist es an der Zeit, dahin zurückzukehren. Wir sind davon abgekommen, weil es sich wie ein kleines Klischee entwickelt hat, dass ein A cappella-Part auf jedem Album sein musste. Aber wenn es vielleicht zur Stimmung des nächsten Albums passt, werden wir es wieder tun. Hängt davon ab, in welche Richtung uns das neue Material führt.
InsideOut machen einen hervorragenden Job, vor allem was Aufmachung und Ausstattung der Alben angeht (ich denke da z.B. an die Digipacks zu „Snow“ und „Feel Euphoria“). Was jetzt noch fehlt, ist eine ordentliche DVD-Veröffentlichung. Wie sieht´s aus?
Alan Morse: Zur Zeit wird über eine DVD gesprochen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es dazu kommt. Die Leute fragen danach. Ich denke, es wäre cool.
Ich bin guter Hoffnung, dass ihr im nächsten Jahr auf eine Tour nach Europa kommt. Wie sehen die Pläne aus?
Alan Morse: Wir kommen im Mai, also halt dich bereit. Wir werden das Rock Hard-Festival und eine Reihe weiterer Daten in Europa spielen. Schau einfach mal auf die Website. Ich weiß nicht, wie es danach weitergeht. Wir müssen abwarten.
Eine Liveumsetzung wird sicher den Schwerpunkt auf das neue Album legen. Habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht, welche Klassiker den Set ergänzen könnten?
Alan Morse: Ja, wir denken an “Walking on the Wind” und anderen coolen alten Stoff, den wir lange nicht gespielt haben. Das wird Spaß machen.
Besonders auffällig finde ich die stimmliche Vielfalt, die Nick momentan beweist. Die hohen Töne in „With Your Kiss“ und die Musicalstimme in „Hereafter“ zeigen das Potential, das in seiner Stimme steckt. Sicher werden einige Zuhörer davon überrascht sein.
Alan Morse: Er überrascht mich immer wieder. Ich frage mich, ob es irgendetwas gibt, das er nicht singen kann! Nick, Ryo und ich hatten einen Gig im „Hollywood House of Blues“ mit Chris Squire, schon vor einiger Zeit. Nick kam an mit einer so starken Erkältung, dass er kaum sprechen konnte. Aber er hat eine Menge „Yes“-Songs gesungen – und Schlagzeug gespielt – und das unglaublich gut.
Kritiker werfen euch vor, dass in der Mischung aus Prog, Mainstream, Hardrock und Balladen keine musikalische Linie zu finden ist. Was denkt ihr selbst darüber?
Alan Morse: Naja, wenn wir beständiger wären, würden die Leute sich beklagen, dass sich alles gleich anhört! Vielleicht können wir uns beim nächsten Mal wieder mehr auf einen Bereich konzentrieren. Wir versuchen nur immer, das beste Album zu machen, das in einer bestimmten Zeit möglich ist.
„As Far As The Mind Can See“ erzählt die Geschichte eines verlorenen Sohns („prodigal son“) und behandelt damit auch ein biblisches Motiv. Könnt ihr mehr über die Idee erzählen, die dahinter steckt?
Alan Morse: Tatsächlich? Ehrlich gesagt bin ich nicht wirklich sicher, was es bedeutet. Aber es klingt cool!
„Rearranged“ behandelt die Thematik Ruhm („fame“) und das Ankommen an einem Punkt, an den man nicht unbedingt hinwollte. Geschrieben von Nick scheint es ein sehr persönlicher Song zu sein, der auch auf eindringliche Weise vorgetragen wird. Wie sind diese Aussagen zu deuten?
Alan Morse: Ich denke, es handelt von der Liebe zur Musik im Gegensatz zum Musikbusiness. Manchmal bist du wie verloren und fragst dich, warum du das tust. Du hast so viel zu tun in diesem ganzen Geschäft. Du musst an dir arbeiten, um die Liebe zur Musik nicht zu verlieren. Deshalb muss sie immer an erster Stelle stehen.
Vielen Dank für das Interview und viel Glück mit dem neuen Album!