Staind und das Songwriting: ItÂ’s about serving the Song!

(Staind)

17.10.2011 von Daniel Kunkel

Staind fahren mit schweren Geschützen auf: Das neue self-titled Album, das vor kurzem erschienen ist, fällt wieder deutlich härter aus als die Vorgänger. Und auch wenn mit "Something To Remind You" wieder ein ruhiger, von Sänger Aaron unglaublich gefühlvoll interpretierter Song dabei ist, staune ich nicht schlecht, als ich mir die Platte zu Gemüte führe. Es knallt ordentlich und die Stimme röhrt nicht zu knapp. Wer Staind mit Nummern wie "Outside" kennengelernt hat, wird nicht schlecht staunen, was die Herren hier vom Leder lassen. Trotz der Herausforderung während den Studioaufnahmen einen neuen Drummer etablieren zu müssen, werden hier astreine Songs abgeliefert.

Wir treffen uns vor dem Konzert in der Live Music Hall in Köln mit dem Herzstück der Band zum Interview. Mike Mushok, seines Zeichens Gitarrist und Songwriter der Band, setzt sich mit uns zusammen, um über das neue Album, die Produktion, sein Songwriting und sein Equipment zu plaudern. Wir staunen nicht schlecht, was der ruhige, sehr besonnene Mike so alles aus dem Nähkästchen plaudert. Plus einer sehr soliden Grundeinstellung zu Songschreibereien. Aber lest selbst...

Musicheadquarter-Redakteur Daniel Kunkel im Gespräch mit Staind-Gitarrist Mike Mushok (alle Fotos: Rainer Keuenhof).

Mike, was bedeutet dir Staind?

Mike: Es ist meine Karriere. Etwas für das ich und die anderen sehr hart gearbeitet haben um dahinzukommen. Es ist viel passiert seit unserer ersten Zusammenkunft damals. Das war im Januar 1995.

Erzähl mir etwas über dich, über die Person Mike. Ich weiss nicht viel mehr, als dass du Gitarre bei Staind spielst.

Mike: Überwiegend verbringe ich die meiste Zeit eigentlich mit meiner Familie. Ich habe Zwillinge, die werden fünf Jahre alt. Das nimmt wirklich die meiste Zeit ein, da bleibt nicht mehr viel übrig für anderes.

Bekommst du das gut mit den ganzen Tourneen vereinbart? Verbringt ihr viel Zeit miteinander?

Mike: Soviel wie ich kann. Nach dieser Tour bin ich erstmal für einen ganzen Monat zuhause und das full-time insofern, es funktioniert gut, kann man so sagen.

Wo nimmst du deine Inspiration her? Welche Gitarristen beeinflussen dich am meisten?

Mike: Oh, das sind wahnsinnig viele natürlich. Meine Eltern haben früher viel Singer/Songwriter Zeug gehört. Sowas wie James Taylor zum Beispiel. Ich habe sechs Jahre Akkustik Gitarre gespielt, bevor ich eine elektrische besessen habe. Dann habe ich angefangen die Klassiker zu hören: Led Zeppelin, Van Halen. Und dann war da dieser Gitarrenlehrer aus Springfield, bei dem ich Unterricht hatte. Seitdem hat sich viel geändert, vor allem wie ich ans Spielen und Üben herangegangen bin. Ich habe viel mehr Zeit investiert und habe teilweise bis zu zehn Stunden pro Tag geübt. Aber es gibt so viele unglaublich gute Gitarristen, man kann sie kaum aufzählen (schaut dabei auf mein Dimebag T-Shirt).

Dimebag Darrell zum Beispiel? Ich habe dich und Aaron öfter bei "Ride For Dime" und ähnlichen Tribute Veranstaltungen auftreten sehen. Kannst du etwas darüber erzählen? Wie kam es dazu?

Mike: Wir wurden gefragt, ob wir dort mitspielen wollen. Wie du sicher weisst, finden die Veranstaltungen jedes Jahr statt und wir hatten Zeit. Also war es eine Ehre dort teilzunehmen. Ich muss ehrlich sagen, Dimebags Musik zu spielen und Pantera Songs zu covern, hat sicherlich dazu beigetragen, dass wir wieder eine härtere Platte aufnehmen wollten. Wir haben Corey von Slipknot dort getroffen und er hat einige Pantera Songs gesungen und wir haben die Instrumente gespielt. Es war ein großartiges Event und hat wirklich Spaß gemacht.

Würdest du sagen, dass dich Dimebag beeinflusst hat?

Mike: Oh ja, ganz sicher. Wir haben mit Staind richtig viele Pantera Songs gecovert. Natürlich spielen wir schon immer unser eigenes Zeug, aber bei uns in Springfield war es eine gute Sache, weil man so einfacher an Gigs kam, was in unserer Anfangszeit enorm wichtig war. Wir haben mit unserer Band schon immer gerne die originalen Songs gespielt. Es ist legendär gute Musik mit einzigartigen Riffs.

Mike Mushok hinter der Backline vor dem Konzert in der Kölner Live Music Hall...

Ihr habt eine Nummer auf dem neuen Album, die mich persönlich sehr beeindruckt hat: "Failing". Erzähl ein bisschen was über den Song!

Mike: Der Song hat ein ziemlich fettes Riff und ich wollte mit der Harmonie irgendwie einen Kontrast zu dem Rest des Songs herstellen. Also habe ich rumprobiert und das was dabei herauskam, ist nun auf der Platte zu hören (grinst). Gut, und als Aaron dann noch seine Lyrics darüber gesetzt hat, war der Song perfekt.

Ihr habt auch auf dem neuen Album auch wieder diese unglaublich schönen Harmonien, die sich in die harten Riffs einschleichen. Kommen die mehr von dir oder ist das Aarons Werk?

Mike: Grundsätzlich von uns beiden. Ich schreibe die ganze Musik auf denen die Songs aufbauen und Aaron schreibt die Texte dazu. Da ergänzen wir uns eigentlich perfekt. Erst kommt meine Musik, dann seine Texte. So entstehen die Staind Songs in den meisten Fällen.

Also bist du der hauptsächliche Songwriter?

Mike: Was die reine Musik ohne Texte angeht, ja kann man so sagen. Die Texte kommen wie gesagt komplett von Aaron.

Erzähl uns etwas zum Aufnahmeprozess des Albums. Und auch etwas zu deinem Equipment, dem wir den Staind-Sound zu verdanken haben.

Mike: Wir haben mitlerweile unser eigenes Studio in dem wir aufnehmen. Wir haben die letzten drei Alben fast vollständig zuhause aufgenommen, wenn du so willst. Zwischen unserem Proberaum und einer Bar, die Aaron gehört, liegt das Studio. Wir haben das ganze Aufnahme-Equipment selbst zusammengemietet. Die Gitarren nehme ich nach wie vor im Proberaum auf, weil es einfach näher und einfacher ist da hinzukommen, von da wo ich wohne. Eigentlich kannst du sagen, dass wir zwei Studios auf einmal laufen haben, da der Proberaum auch gleichzeitig als Studio genutzt werden kann. Als Hauptverstärker benutze ich einen Diezel VH4. Den habe ich eigentlich die ganze Zeit im Einsatz. Den benutze ich auch live. Und Marshall, zwei JMP-1 Pre-Amps mit zwei EL 34 100/100 Endstufen. Die Amps sind mit einem Fusspedal verschaltet, so kann ich immer den anwählen, den ich für meine Sounds gerade brauche und haben will. Im Studio stehen auch noch einige Amps von Bogner, die ich für die Aufnahmen nehme. Meine Hauptgitarre is meine PRS Barritone Gitarre. Davon habe ich viele verschiedene für die Aufnahmen benutzt.

Du hast auch immer unzählige Gitarren auf Tour dabei, wie mir zu Ohren gekommen ist!

Mike: Stimmt. Lauter PRS (grinst). Da ich so viele verschiedene Stimmungen habe für die ganzen Songs, macht es einfach Sinn, soviele unterschiedlich vorgestimmte Gitarren einzupacken. Wobei ich die Barritone am liebsten spiele. Das ist mein Model, die rockt einfach.

Wie sieht es mit deinen Effekten aus?

Mike: Ein Haufen Pedale im Studio. Live benutze ich ältere Lexington 21" Effect Einheiten. Im Studio nehmen Johnny, Aaron und ich viele Distortion Pedals. Auch Flanger und alles mögliche. Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich mir das manchmal gar nicht genau merke und wenn es Richtung Tour geht, nochmal versuche rauszufinden, was ich da überhaupt alles benutzt habe und den Sound auch möglichst originalgetreu live hinzubekommen (lacht).

Staind hat diese zwei Gesichter. Die harten Songs und ruhige Sachen wie auf den vergangenen Alben zu hören. Woher kommt das?

Mike: Wie ich schon sagte, wir haben sehr weitreichende Einflüsse. Die ganz ruhigen Nummern wie zum Beispiel "Outside" hat Aaron geschrieben. Er spielt auch überwiegend Akkustik Gitarre. Unsere Band ist einfach fähig beides auszuspielen, also warum nicht auch machen. Wir probieren während unserer ganzen Entwicklungsphase schon immer gerne viel aus und das ist auf den Alben zu hören. Der Vorgänger zu "Staind" hat sich einfach anders angefühlt zum Beispiel. Die Wahl der Instrumentierung war teilweise anders, ruhiger usw. Und diesmal haben wir uns auf unsere Wurzeln besonnen. Wir haben einfach gesagt: Lass’ uns damit weitermachen, wo wir angefangen haben und aggressive Musik schreiben! Auf dem Satz baut quasi das ganze Album auf.

Hörst du daheim viel Musik?

Mike: Du wirst lachen, aber nein. Eigentlich überhaupt nicht. Nicht einmal im Auto. Ich höre mir lieber Sportnachrichten an und was da so abgeht. Ich höre mir die ganze Zeit Howard Stern und so ein Zeug an.

Bist du mehr der Football- oder mehr der Baseball-Typ?

Mike: Eigentlich beides. Ich sitze auch auf Tour ständig im Hotelzimmer und glotze die ganze Zeit Baseball und Football (lacht).

...und live auf der Bühne.

Wenn wir gerade beim Touren sind: Hast du eine lustige Tour-Story auf Lager, die dir mit Staind passiert ist?

Mike: Sicher. Also was mir spontan einfällt, ist eine Situation, die schon einige Jahre her ist. Wir haben ein Festival in Washington D.C. gefilmt und so ein Typ kam als Dildo verkleidet auf die Bühne gesprungen. Und der Kerl mit der Kamera hat das gefilmt während wir auf der Bühne standen und es wurde auf die Leinwände übertragen. Das war recht durchgeknallt und ich musste mich echt wegschmeißen vor Lachen (Gelächter).

Empfehle uns deinen Lieblingssong auf der neuen Platte.

Mike: Also wenn ich spontan einen nennen soll, der die Platte am besten zusammenfasst, würde ich sagen: "Eyes Wide Open" ist der, der mir am besten gefällt. Aber eigentlich musst du die Songs alle mögen, wenn du ein Album aufnimmst. Es soll schließlich eine Platte sein, die man sich von Anfang bis Ende anhören möchte. Aber bei dem genannten Song bin ich sehr stolz, wie er sich entwickelt hat und schlussendlich klingt.

Ihr habt für den Song "Wannabe" auch eine Version mit Snoop Dog aufgenommen. Sehr ungewöhnlich für Staind, findest du nicht?

Mike: Richtig, ja (lacht). Es gibt eine Version mit ihm, aber die wurde nicht mehr rechtzeitig fertig für die CD. Das auf der Platte ist Aaron. Es hat halt gerade gepasst, wir waren selbst etwas überrascht, da sich sicher niemand vorstellen konnte, dass Staind mal einen Song macht in dem irgendetwas vorkommt, was auch nur im entferntesten mit Rap zu tun hat. Also haben wir mal freundlich nachgefragt, und Snoop fand, dass es eine witzige Idee ist, also hat er es gemacht. Die Version kommt echt ganz cool rüber. Auch wenn es etwas ungewohnt ist für Staind (lacht).

Ist er jetzt Staind-Fan?

Mike: (lacht) Nein, ich glaube nicht! Er hatte nur einfach Bock drauf, für den Moment eben. Für ihn war es ja auch recht komisch, da es nicht sein Genre ist. Mal sehn, was wir mit dem Song machen.

Ich lese selbst jobbedingt recht viel Musikpresse und habe zuletzt ein Statement gehört: "Staind schreibt von den Arrangements her die schönsten Songs!". Wie stehst du dazu?

Mike: Oh, wirklich? Das ist ein schöner Satz, einfach als Kompliment. Wir versuchen einfach das Beste zu geben. Ob das wirklich bei anderen so ankommt, kann man selbst gar nicht wirklich entscheiden. Ich versuche einfach nur als Songwriter besser zu werden von Platte zu Platte. Grundsätzlich schreibe ich so, dass die Arrangements zum Song passen. Es muss dem Song einfach dienlich sein, was nicht heißt, dass es kompliziert sein muss. Es gibt ja auch hier und da ein Solo auf den Platten. Wir hatten für den Song "Not Again", welcher die erste Single/Videoauskopplung der Platte war, einen Contest ausgeschrieben. Die Leute sollten ein Solo einspielen, das wir mit auf die Platte packen. Es wurde wirklich richtig viel abgegeben und ich bekam einige Aufnahmen geschickt, da ich entscheiden sollte welches genommen wird, was recht offensichtlich ist, da ich der Gitarrist bin. Da gab es technisch hoch versierte Aufnahmen. Man hörte richtig, dass die Typen unendlich gut waren und richtig viel übten. Aber das Solo hat einfach nicht reingepasst. Es ist dem Thema des Songs nicht so richtig gefolgt. Es gab ein Ranking für die Soli, das vorab erstellt wurde, bevor ich die Soli bekommen habe. Am Ende habe ich den Typen auf Platz 116 genommen, weil sein Solo einfach von Anfang bis Ende in den Song gepasst hat. Es geht eben nicht immer darum: Wie viele Noten kann man spielen und wie schnell!

Kannst du aber auch wenn du willst, oder? Ich habe dich Van Halen nachspielen sehen. Meine Fresse, das war schnell (lacht)!

Mike: Hab’ dich verstanden (lacht). Aber das ist einfach Übung. Ich habe die Zeit dafür investiert, weil ich es wollte. Was viel wichtiger ist, passend zum Song zu spielen oder den Song entsprechend zu arrangieren und eben nicht die ganze Zeit zeigen zu müssen, was man alles kann und wie gut man ist. So entstehen auch die Staind-Songs.

Ein schönes Schlusswort. Mike, vielen Dank für das Interview!

Mike: Danke dir für deine Zeit.

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
The Love Bülow