Interview mit Stoneman im K17 Berlin

(Stoneman)

31.10.2006 von Melanie Schupp

Halloween im K17 Berlin sieht folgendermaßen aus: man hole eine Band wie die Deathstars aus Schweden, dazu noch etwas Stoneman aus der Schweiz und dann wird gerockt! Guter Plan fanden wir und nutzten die Gelegenheit uns Stoneman sogleich zum Interview abzufangen.
Nachdem die erstklassigen Konzerte beider Bands zu Ende waren versammelten sich die vier Jungs, wie verabredet, um einen Tisch beim Merchandise-Stand. Löblich, löblich, es ist wunderbar wenn vereinbarte Termine so genau eingehalten werden. Danke erstmal hierfür.

Nach einer kleinen Begrüßung für mein Diktiergerät (die man leider nicht wörtlich wiedergeben kann, aber ich versuche es mal: „grrrruunnnnz, grööööööhl“) und dem Ausfüllen der Shortcuts waren Sänger Mikki Chixx, Gitarrist Mr. Fly, Drummer Rico H. und Keyboarder Dave Snow bereit mir Rede und Antwort zu stehen.

Ich komme ja aus der Nähe von Basel und muss sagen, dass ich damals nicht viel von der schwarzen Szene mitbekommen habe. Inwieweit ist die schwarze Szene in der Schweiz verbreitet?

Mikki: Was meinst du mit damals?

Vor ca. 15 Jahren. Ist es nun immer mehr im Kommen, entwickelt es sich immer mehr?

Dave: Also ich denke die Schweiz hat eine extrem große und wachsende schwarze Szene. Im Vergleich zu anderen LändernÂ…

Mikki: Sprichst du über Haschisch?

Dave: Ja vor allem bei der Drogenkultur ist die Schweiz natürlich ganz vorne mit dabei. Nee die Schweiz hat eine recht ansehnliche Black- und Deathmetalszene.

Mikki: Gehören wir nicht dazu, aber ein bisschen fühlen wir uns da schon heimisch.

Denkt ihr dass sich dies in Zukunft weiter ausbreiten wird?

Rico: Ist mir eigentlich scheißegal! Es ist mir eigentlich scheißegal was die anderen machen, HauptsacheÂ…

Rico wird von Mikki unterbrochen

Mikki: Wir haben auch nicht diesen Schweizer-Stempel drauf. Denn aus der Schweiz kommen hauptsächlich diese Bands im True und Para-Metal-Bereich, da gehören wir nicht dazu. Wir mögen die auch alle supergerne, das sind auch Freunde von uns aber wenn die wachsen profitieren wir nicht davon. Insofern ist uns das ziemlich egal.

Dave: Wir sind die Vorreiter!

Mikki: Jaja, jetzt aberÂ…

Soll ich das auch abtippen?

Mikki: Was immer du willstÂ…

Okay. Ihr seid ja nun mit den Schweden unterwegs. Wie würdet ihr den Jungs eure Heimat beschreiben?

Dave: Naaa, da ich Schweden nicht kenneÂ… keine Ahnung. Käse, Schokolade und Berge.

Mikki: Ne mal ehrlich. Es ist supergeil Schweizer zu sein. Es ist fast schon ein Privileg, denn wenn du aus einem Land kommst, in dem es 99% der Menschen gut geht, das ist schon schön.

Genau, das wirkt sich auch auf die Grundstimmung eines Landes aus.
Wie läuft denn eure Tour bis jetzt?

Mikki: Heute ist Show 21.

(mit Roboterstimme) Show 21

Mikki: Ja ne es ist so „Show 21 – zack, abhakenÂ…“

Hattet ihr bis jetzt Spaß oder ist es eher anstrengend und geht an die Substanz?

Mikki: Das Spielen geht nicht an die Substanz aber das drum herum. Wir fühlen uns so wohl auf der Bühne, das sind die 45 Minuten am Tag für die wir leben und die restlichen 23 StundenÂ… naja da müssen wir halt durch. Wir sind der Support. Du verstehst was ich meine.

Wie kamt ihr denn beim Publikum an? Kannten euch vielleicht schon ein paar Leute?

Mikki: Unser Album ist ja nun seit 11 Tagen draußen. Und natürlich in Ländern wie Balkan oder in den Ostblockländern haben sich die Leute das ganze Zeug schon runtergeladen und singen die Songs mit. Das verstehen wir auch nicht ganz. Wir sind unglaublich zufrieden um ehrlich zu sein. Es ist Wahnsinn!

Dave: Das Feedback des Publikums ist unerwartet.

Mikki: Sonst würden wir uns das auch gar nicht antun.

Dave: Sonst wären wir schon wieder zu Hause.

Ihr habt ja auch einen Gig in ZürichÂ…

Mikki: Nein in Basel.

Dave: In Basel meine Liebe. In Pratteln im Z7, in deiner Heimat. Gut vorbereitet ;p

(okay mein Fehler, ich gestehe)

Dann haben die Deathstars alleine einen Gig in Zürich.

Mikki: Ja mit Cradle of Filth, da spielen wir aber auch.

Na alsoÂ…

Dave: Ja aber es gehört nicht zu dieser Tour.

Mikki: Da sind wir Local Support.

Habt ihr dort schon eine große Anhängerschaft?

Mikki: Ja es hat ein bisschen so ausgesehen, als wir in der Schweiz gespielt haben. Uuh das warÂ… ja! Neben Kroatien und Serbien wo die Leute so richtig ausgehungert sind nach Musik war es das Allerschönste, in der Heimat zu spielen.

Dave: Es war ein geiler Gig. Super!

Ihr habt ja nun bereits gesagt, dass ihr schon außerhalb der Schweiz/Deutschland gespielt habt.

Dave: Im Osten haben wir schon viel gespielt auf Festivals die letzten zwei Sommer.

Mikki: Wir waren ja schon im Mai auf Tour 3 Wochen. Durch 10 Länder, da haben wir auch schon was sehen dürfen.

Was war da besonders einprägsam?

Mikki: Für uns war das – ganz klar – Balkan. Kroatien, Serbien das war der absolute Oberhammer. Jetzt wissen wir auch wie sich Tokyo Hotel fühlen müssen. Es macht viel Spaß, ganz große Klasse!

Als die Deathstars 2003 in Zürich gespielt haben, habt ihr sie da live gesehen?

Mikki: Nein.

Dave: Ich kannte sie nicht vor dieser Tour.

Mikki: Wir haben vor der Tour keinen Song gehört auch nur ein Video gesehen und haben gedacht, das passt doch. Wir sind auch sehr gerne mit ihnen, das mal so nebenbei. Das passt gut.

Ist nun vielleicht auch ne Tour durch Schweden geplant?

Mikki (leise): Besser nicht.

Gelächter
Warum?

Mikki: Weiß ich doch nicht!

Also im Moment nicht?

Mikki: Skandinavien ist noch ein bisschen außen vor.

Habt ihr vielleicht auch eine Cooperation geplant?

Dave (ganz schnell): Ne!

Mikki: Ne das stimmt nicht ganz. Für die letzte Show in England haben wir ein bisschen was bereit. Aber ich weiß ja nicht wann dieses Interview rauskommt, alsoÂ…

Dave: Das steht noch in den Sternen.

Lassen wir uns überraschen. Ist die Band euer Hauptberuf oder macht ihr noch etwas nebenher?

Mikki: Wenn wir zurückkommen machen wir erstmal nichts nebenbei. Wir wurden rausgeschmissen von unseren Arbeitgebern, da wir nun 10 Wochen auf Tour sind. Erst im Mai 4 Wochen und jetzt 6. Naa dann mal gucken nach Straßenbahn, weiß auch noch nicht.

Rico: T-Shirts verkaufen, ZuckerwatteÂ…

Mikki: Zuckerwatte, EiscremeÂ…

Dave: Also ich  mache erstmal gar nichts. Wir müssen ja neue Songs schreiben. Da bleibt nicht viel Zeit.

Das stimmt. Ist da denn bereits was in Vorbereitung, das ihr während der Tour so schreibt?

Dave: Ja Ideen sind da aber das kommt erst nach der Tour.

Rico: Die Aggression ist schon mal hier.

Dave: Sicher, beim Touren holst du dir Inspiration für neue Sachen, aber wir recorden noch nicht.

Mikki: Wie gesagt, seit 10 Tagen ist das Teil draußen und...

Dave: Wenn wir zurückkommen schauen wir mal.

Mikki: Mal sehen ob überhaupt noch jemand was hören will. Sonst gehen wir halt zu IKEA ins Lager oder so.

Was hat euch denn zu dem Song „Devil in a Gucci dress“ inspiriert?

Mikki: Also ehrlich gesagt habe ich überhaupt keine Lust über Songs zu sprechen.

Dave holt Bier

Rico: Bring mir bitte auch eines mit, dann machts mir vielleicht mehr Spaß.

Du musst nicht hier bleiben, ich kann das Interview auch nur mit einer Person führen. Ich brauchte euch nur alle, damit ihr die Shortcuts ausfüllt.

Dave: Das war doch gut oder?

Die Shortcuts? Die muss ich mir zu Hause noch genauer angucken.

Mikki: Naja aber so wie du heute aufgemacht bist, bleibe ich noch 10-20 Minuten länger.

Das ist ja nett, auf jeden Fall muss ich nachher noch Fotos von euch machen.
Ist euch denn bis jetzt auf Tour irgendeine spezielle Geschichte passiert?

Mikki (lacht): Auf was spielst du an? Auf Drogen oder auf Mädchen?

Dave: Beides super.

Nein egal was, ich habe schon die haarsträubendsten Geschichten gehört. Vielleicht etwas AußergewöhnlichesÂ…

Dave: Also wenn du dir mal die Mühe machst, das Tourbuch zu lesenÂ…

Alle lachen schelmisch.

Mikki: Es passiert jeden Tag soviel und die Dinge glaubt dir keine Sau.

Dave: Ja das meiste ist sicher unglaubwürdig. Aber es ist alles war. Und das ist nur 10-20% was so passiert.

Also verweisen wir auf das Tourbuch an dieser Stelle.

Dave: Ja bitte.

Aber was ist mit den restlichen Prozent, die nicht darin stehen.

Dave: Also was nicht da drin steht können wir nicht ausplaudern ;)

Was hat euch früher und jetzt zum Musik machen inspiriert.

Mikki: Naja das hätte ich vielleicht bei den „Guilty Pleasures“ schreiben sollen.

Als da wäre?

Mikki: Ganz ehrlich diese Europe-Geschichte Anfang der 80er Jahre.

Also die 80er sind ja auch mal geil!

Mikki: Das war schon so ein bisschen der Push für mich. Eigentlich viel schöner als jetzt selbst Musik zu machen.

Dave: Wie es halt so ist. Als kleiner Junge gehst du ins Geschäft und kaufst dir das Album mit dem wüstesten Cover. Bei mir war es Iron Maiden live mit dem Eddi drauf. Und ich kannte die Scheibe zuvor nicht und fand es super und dann nahm das so seinen Lauf.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Sabine Dünser?

Mikki: Ums kurz zu machen. Sie ist einfach die beste Sängerin in diesem Geschäft. Wir haben sie einfach angerufen und sie ist gekommen. Wir hatten Spaß. Wir waren Fans von ihr.

Was hat das Coverartwork zu bedeuten?

Mikki: Naja in England räumen sie das Teil ja schon wieder aus den Läden raus. Nun, es ist wie mit Musik es ist Kunst und es ist Mühsam über Kunst zu sprechen. Aber dieses Cover bedarf auf jeden Fall ein paar Sätze. Es ist einfach soÂ… (ruft plötzlich laut) Du sprichst die Ku-Klux-Klan Mützen an denke ich?

Ich habe nichts gesagtÂ…

Mikki: Wir distanzieren uns jetzt hier in aller Form davon. Es ist mehr, dass wir die Leute wach rütteln wollten, sich eine eigene Meinung zu bilden und seine eigenen Grenzen zu hinterfragen. Und nicht irgendwelchen Idolen nachzueifern, sei es Jesus, Buddha oder irgend so was. In unserer heutigen Zeit in Zeiten von Konflikten und Krieg ist es umso wichtiger sich eine eigene Meinung zu bilden. Religion, egal was und Götzenbilder - das ist der Faschismus unserer Zeit.

Dave: Das schafft Kriege, das schafft Hass.

Mikki: Darum tragen die Götzenbilder auf dem Cover auch die KKK Mützen. Und es ist somit das Gegenteil, als was man auf den ersten Blick vermuten möchte.

Dann sollte ich das Interview noch in englisch übersetzen, damit sie die CDs wieder in die Regale räumen.

Dave: Dazu gab es auch schon Statements.

Mikki: Es ist auch nicht in erster Linie der Sinn gewesen zu provozieren, sondern einfach um wach zu rütteln. Es passiert zur Zeit soviel Mist auf der Welt und 90% tragen ihren Ursprung in der Religion.

Ihr seht nun nicht so aus als würdet ihr was drauf geben, aber was halten eure Eltern von eurem musikalischen Treiben?

Mikki: Sie sind stolz auf uns

Dave: Ja meine unterstützen mich von jeher.

Mikki: Sie sind stolz vor allem wenn wir anrufen und sie um Geld bitten.

Dave: Das haben sie besonders gerne!

Mikki: Alle 2-3 Tage.

Mel: Wenn ihr einen Preis gewinnen würde, was dürfte in eurer Rede nicht fehlen?

Mikki: Sex.Drugs.Murder.

Nicht Rock n Roll?

Dave: Das sind wir schon genug.

Wo seht ihr euch in 5 Jahren?

Mikki: Hier mit dir auf jeden Fall, aber alleine dann.

In 5 Jahren werd ich drauf zurückkommen.
Mit welchem Künstler würdet ihr gerne zusammen arbeiten? Egal ob aus der Musikbranche oder aus sonst einer Branche.

Dave: SicherÂ… aus der ganzen Pornoszene.

Mikki: Ja da gibt es viele die uns wahnsinnig interessieren würden.

Fly: Björn. Der Typ vom Merchandising vielleicht.

Mikki: Ich würde sehr gerne mit Jamie Cullum zusammen arbeiten, der mit Björk gearbeitet hat. Nicht unbedingt dass er ein Video für uns dreht sondern einfach zusammen arbeiten.

Dave: Es gäbe da ewig vielÂ… wenn du da z.B. Trent Reznor nimmst.

Zustimmendes Seufzen von Seiten der Interviewerinnen.

Das war´s. Fehlt noch was?

Mikki: Vielleicht ein KüsschenÂ…

Ob es das Küsschen gab bleibt offen. Jedenfalls herzlichen Dank an die sympathischen Stoneman die geduldig alle Fragen beantwortet haben und vor allem auch Dagmar und Gordeon Music, die uns das Interview ermöglicht haben.

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