Interview mit Jussi69 am Ankkarock Festival 2007 - Deutsche Version

(The 69 Eyes)

05.08.2007 von Ron Moger

Das Jahr 2007 war bislang wohl das turbulenteste für die Gothrocker von The 69 Eyes. Mit Touren quer durch Europa und Amerika und einem neuen Album, das es vielerorts in die Charts geschafft hat.
Beim Ankkarock Festival haben wir die Gelegenheit ein Interview mit Drummer Jussi69 zu führen.

Ihr kommt gerade aus Litauen. Wie lief die Tour soweit? Was wollt ihr erreichen? Promoted ihr lediglich euer aktuelles Album „Angels“ oder steckt mehr dahinter?

Jussi 69: Nun die Festivalsaison hat nun begonnen und jetzt haben wir mehr zu tun und die ganzen Umstände ändern sich. Denn wenn wir eine eigene Headliner Tour machen, dauern unsere Show 1 ½ Stunden mit vielen Songs des aktuellen Albums „Angels“ natürlich. Bei den Festival spielen wir mehr eine Art „Best Of“ oder „Greatest Hits“ und bei der heutigen Show werden wir etwa eine Stunde Spielzeit haben also werden wir die Singles von „Angels“ spielen wie „Never Say Die“, ich denke noch „Rocker“ und natürlich „Angels“.
Ich mag Festivals, du hast jedesmal die Gelegenheit deine gesamte Energie in diese eine Stunde zu stecken. Wenn du allerdings an mehr und mehr Festivals spielst sehnst du dich auch irgendwann danach mehr zu spielen wie zum Beipspeil „Song Nummer 8“ von „Blessed Be“ oder ein paar langsamere Stücke.

Wie haltet ihr das ganze spannend und originell?

J69: Wir versuchen unser Set zu variieren und zu ändern. Naja, natürlich nicht jede Nacht, aber einfach um uns selbst einen Gefallen zu tun. Manchmal möchtest du das Set sowieso beibehalten wie es ist wenn du denkst es wäre die perfekte Reihenfolge. Ich würde es nicht Routine nennen, alles läuft recht reibungslos und du weißt „Okay dieser Song funktioniert so und Bazie wird wahrscheinlich eine bestimmte Bewegung machen nach dem Song und so werden wir erkennen, dass es jetzt Zeit für den nächsten Song ist. Ich würde es nicht Routine nennen, als wären wir wie Maschinen, die immer und immer wieder dasselbe machen. Ich mag es zwar wenn alles so glatt läuft, doch nach einer Weile muss man echt etwas ändern, besonders wenn dieselben Leute zu unseren Shows kommen. Egal in welchem Land wir spielen, die Leute würden sich irgendwann langweilen und genau wissen was als nächstes käme. Doch die heutige Show wird sich von der in Litauen unterscheiden.

Ihr spielt heute in eurer Heimat, worin besteht da der Unterschied hinsichtlich des Publikums?

J69: Dieses Jahr haben wir bereits and die 100 Shows gespielt doch nur 3 in Finnland. Es ist toll hier zu spielen, besonders da wir nur 30 Minuten von Helsinki entfernt sind. Hier sind viele Freunde und auch etwas Bammel. Ich bin nicht nervös wenn ich vor 70000 Leuten spiele, oder wenn es sich um eine live TV Show in Hollywood handelt. Aber wenn deine Freunde zusehen denkst du „Oh da ist Nico. Ich sollte besser keinen Fehler machen, denn er sieht zu!“. Ich mag dieses Gefühl. Es ist ein bißchen wie Nervösität, aber auf die gute Art. Es veranlasst dich besser aufzupassen und auch anzugeben um ihnen zu zeigen „Wir rocken wirklich!“

Was passiert bei euch derzeit Soundtechnisch? Eure Musik ist weniger Gothic als die vorangehenden aber andererseits tourt ihr bald mit Within Temptation und zuvor mit Cradle Of Filth. Was ist der Hintergrund von alledem?

J69: Mit „Angels“ sind wir mehr zurück zu unseren Wurzeln gegangen. Mit diesem 80er Jahre Hardrock Zeug. Doch wenn du heutzutage an Hardrock Bands denkst, verbindest du das wahrscheinlich eher mit Billy Talent oder den Foo Fighters. Wir sind aber nicht die Foo Fighters, sondern näher an Bands wie Within Temptation dran. Wir würden auch gerne mit Bands wie Billy Idol touren, aber er tourt nicht viel. Die Within Temptation Shows werden in UK und Deutschland sein und ich schätze unser Publikum wird mehr von der Gothicseite sein, als Foo Fighters.

Moving on to the UK specifically, are you happy now that it’s all at last picked up for you?

J69: yeah nun du musst wissen, dass wir damals 1996 dort in einem Van tourten und vor ungefähr 12 Leuten jede Nacht spielten. Wir haben ein wenig rumprobiert. Wir waren schon vor über 10 Jahren dort unterwegs und nun passiert endlich etwas. Wahrscheinlich versteht das niemand so richtig wiesehr wir das zu schätzen wissen. So lange haben wir es versucht und nach all der Arbeit und der vielen Jahre in der Band ist das endlich ein willkommener Lohn unserer Mühen.

Verkompliziert das einiges für euch? Ich meine, zeitgleich zu den Erfolgen in England kommt der Stein auch in Amerika zum rollen.

J69: Naja vielleicht sieht es von außen her betrachtet danach aus. Aber wir schlagen in Amerika nicht ein wie eine Bombe. Wir haben da keinen Nr. 1 Hit oder Ähnliches. Es bot sich lediglich die Gelegenheit dort zu touren, was toll ist, aber das bedeutet nicht, dass wir den Rest der Welt außer Acht lassen nur weil USA so ein riesiges Land ist. Ich meine schau uns an, wir sind hier in Korso nahe Helsinki und die Show davor war in Litauen. Es heißt also nicht, dass wir nach Amerika gehen werden um den Rest zu vergessen.

Werdet ihr euch weiterhin darauf konzentrieren, dass Europa eure Heimat bleibt?

J69: Wir versuchen alles so zu planen, dass wir überall hingehen, so wie wir es dieses Jahr auch getan haben. Bis auf ein paar Shows zu Beginn des Jahres, die gecanelled werden mussten, da Jyrki krank war. Aber es ist schon komisch für uns, wenn wir Leute sagen hören „denen sind wir egal, denn sie sind jetzt so erfolgreich in Amerika.“. Wir waren dieses Jahr in so vielen neuen Ländern wie Kroatien und ähnliche Orte, die wir jetzt mehr und mehr einbeziehen möchten. Und natürlich England mehr als zuvor, wir möchten einfach sicher gehen, dass wir zu allen Orten gehen, wo wir eingeladen werden. Und wenn nicht? Dann gehen wir einfach trotzdem hin!
Wir hoffen einmal in Australien zu spielen. Dort waren noch nie. Und wir waren erst in all den Osteuropäischen Ländern, in denen wir noch nie waren. Und auch England ist ein Ort an dem wir zuvor noch nicht allzu oft waren, ich denke wir werden dieses Jahr zum dritten mal dort spielen. Nach der Within Temptation Tour möchten wir dort vielleicht auch ein paar Headliner Shows spielen.

Wie sehen eure Pläne für das nächste Album aus? Wie wird sich euer Sound entwickeln?

J69: die Sache bei uns ist, dass man nie sagen kann was passieren wird. Würde ich sagen, dass wir zurück zu unseren Wurzeln gehen werden, bedeutet das nicht, dass wir  Â„Wrap Your Troubles In Dreams“ neu aufnehmen werden. Man kann natürlich die Einflüsse raushören, aber gleichzeitig lernen wir ständig, Jahr für Jahr, hinzu was das Songwriting betrifft. Nur weil wir auf ein paar alte Songs zurück greifen bedeutet das nicht, dass wir plötzlich wieder wie 19jährige Jungs sind, die keine Songs schreiben können.

Denkst du ihr werdet das auch noch mit 100 Jahren machen, wie die Rolling Stones?

J69: Ich habe die Stones letztens live gesehen und dachte mir es muss verdammt cool sein wenn du 65 bist und – ich meine Mick Jagger rannte besser auf der Bühne rum als Jyrki es jemals bei unseren Shows tat (lacht). Und ich denke die Stones hatten schon immer mehr Energie bei ihren Shows als wir. Es ist eine HerausforderungÂ… wir werden sehenÂ…
Aber du weißt ja wie es so ist. Wenn du irgendwann gelangweilt sein solltest, dann solltest du auch aufhören und das ist auch was ich tun würde. Ich sage damit jetzt nicht, dass ich nächstes Jahr aufhören werde oder wenn ich 65 bin. Mal sehen wie alles läuft. Vielleicht werden wir 2026 in Kroatien „Gothic Girl“ wieder und wieder spielen.

So lange es Spaß macht, werdet ihr weitermachenÂ…

J69: Ja und momentan ist es so. Es war aufregend und cool als ich 17 war. Ich war 17 als ich in die Band kam und irgendwie wird es immer aufregender im Laufe der Jahre, das ist toll. Ich weiß nicht warum das so ist. Aber wir haben jährlich mehr zum spielen. Wie jetzt zum Beispiel in England, und wir gehen in neue Länder und das hält das Ganze spannend.
Man sollte auch nie vergessen, dass ich niemals in meinem Leben etwas anderes tun wollte, als Drummer in einer Rockband zu sein und auf Tour zu gehen.
Als ich klein war wollte ich nicht Batman sein oder ein Polizist oder Rennfahrer. Ich wollte Schlagzeug spielen. Ich hatte so viele Freunde die Rennfahrer oder Batman sein wollten und ich kenne keinen der zu Batman wurde. Aber ich mache wovon ich schon immer träumte, ich bin wirklich glücklich...

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