(The Ark)
Bereits zum fünften Male beehrten die Schweden von The Ark den Prime Club in Köln. Somit wurde es auch einmal Zeit für uns, ein Interview zu führen! Sichtlich müde und oft ein Gähnen unterdrückend, trafen wir Ola und Leari im Tourbus. Trotz eines erschöpfenden Interviewmarathons vorweg (ich war die Zweitletzte auf einer scheinbar endlosen Liste) waren die beiden sehr freundlich, aufgeschlossen und bemüht mir alle Fragen innerhalb der kurzen 15 Minuten ausführlich zu beantworten.
Ihr seid ja nun schon eine Weile auf Tour und Oskar Humlebo hat die Gitarre übernommen seit Jepson entschieden hat bis zur Geburt seines Kindes zu Hause in Schweden zu bleiben. Wie macht sich Oskar?
Leari: Ja Oskar ist derzeit an der Gitarre. Er ist ein Freund von uns und ein guter Gitarrist.
Gab es dabei irgendwelche Startschwierigkeiten?
Leari: Nein. Natürlich war es komisch als Jepson bei den ersten Proben nicht dabei war. Aber Oskar ist wirklich gut. Vielleicht ist es auch eine gute Erfahrung für uns. Etwas neues, das frische Luft reinbringt. Wir warten aber alle auf Jepsons Kind…
Das Geburtsdatum ist vorassichtlich im November, oder?
Ola: Ja. Es ist ein wenig leer ohne Jepson, aber wir haben Spaß und haben uns schon gut unterhalten. Wir rufen Jepson regelmäßig an und schreiben ihm Postkarten, damit er die Tour ein wenig mit verfolgen kann.
Wann wird Jepson wieder am Start sein?
Ola: Nun ja nach dieser Tour ist erstmal nichts weiteres geplant. Ich denke also wenn wir nach Neujahr wieder anfangen Musik zu machen wird er wieder dabei sein… so im Januar / Februar…
Ihr habt auch am Eurovision Song Contest teilgenommen. Hat sich aufgrund dessen etwas im Publikum geändert?
Leari: Wir haben festgestellt, dass sehr junge Leute als auch ältere Leute viel offener gegenüber The Ark reagieren.
Ola: Aber im Prinzip hat sich jetzt speziell in Deutschland nichts geändert. Es ist fast genauso wie es zuvor war. Vielleicht ein paar neue Gesichter hier und da, aber eigentlich größtenteils bekannte Gesicher. Ich denke wir haben also niemanden mit unserem Eurovision Auftritt vergrault.
Leari: Es hat Spaß gemacht ein paar neue Erfahrungen zu sammeln. Und es war natürlich eine großartige Sache für uns vor einem so großen Publikum aufzutreten.
Ich habe mal gehört, dass Finnen und Schweden nicht allzu gut miteinander auskommen. Ist da was dran?
Ola: Nein. Ich denke dass wir uns gut verstehen. Wir hatten nie ein Problem mit finnischen Leuten. Und die Finnen schätzten unsere Band schon immer und wir sind immer gerne nach Finnland gegangen. Vielleicht kann ich jetzt nicht für das Verhältnis zwischen Schweden und Finnen im Allgemeinen sprechen. Aber die Beziehung zwischen uns – unserer Band – und den Finnen war immer sehr warm. Ich war schon immer ein Fan von Finnland, dessen Architektur, der guten Musik – besonders Orchestermusik. Und ich mag die Finnen. Die sind super… wenn auch etwas merkwürdig auf gewisse Weise – aber ich mag das.
Wie lange dauerten die Aufnahmen für euer Album „Prayer For The Weekend“?
Ola: Es waren die kürzesten Aufnahmen, die wir je hatten. Wir hatten das Album innerhalb eines halben Jahres fertig. Davon verbrachten wir 2 ½ Monate im Studio und währenddessen haben wir auch noch am Eurovision Song Contest teil genommen und viele andere Dinge nebenher gemacht. Es war also eine sehr intensive als auch effektive Aufnahmephase.
Ist während der Aufnahmen irgendetwas Außergewöhnliches geschehen?
Leari: Ja wir haben ein paar außergewöhnlich gute Songs aufgenommen.
(Gelächter)
Ola: Wir hatten diesesmal eine ausgesprochen gute Arbeitsmoral.
Leari: Das lustige war, dass wir bevor das Album in den Läden erhältlich war, bereits Platin in Schweden erhielten. Wir haben schon für frühere Alben Platin bekommen, aber nie schon vorweg beim Vorverkauf.
Ola: Das Album erhielt also gleich am ersten Tag seiner Veröffentlichung Platin.
Leari: Ja das war wirklich ein guter Start. Das war gut für uns und unser Vertrauen in das Album bevor wir die Tour starteten.
Warum wurde „Uriel“ erst viele Jahre nachdem der Song geschrieben wurde veröffentlicht?
Ola: Nun, ich dachte schon immer, dass dies einer der besten Songs war, den ich jemals schrieb. Ich habe ihn mit 16 Jahren geschrieben. Der Song musste in einem guten Kontext zu dem restlichen Album stehen. Auf einem Album, bei dem der Song gut mit den anderen harmonieren würde. Und bis jetzt fand ich nie, dass er auf eines der früheren Alben passte. Ich habe es also für den richtigen Moment aufgehoben. Und nun, bei diesem Album… du weißt ja, dass wir immer ein oder zwei langsamere Songs auf unseren Alben haben und diesesmal hatte ich die Idee einen wirklich minimalistischen Song mit aufzunehmen. Nur mit Gitarre und Piano, denn das restliche Album war wirklich schon bombastisch genug. Die Zeit für „Uriel“ war also gekommen.
Es gab da sonst keinen anderen Grund, wirklich. Ich denke das Album bot die beste Grundlage für den Song.
Hat es euch früher geärgert wenn die Leute die Art eurer Band, euer extravagantes Auftreten nicht verstanden haben?
Ola: Nein, ich denke einer der Gründe weshalb wir immer schon so extravagant waren war mitunter, dass wir es liebten heiß zu sein und das was als der allgemein gültige Geschmack bezeichnet wurde, zu provozieren. Wir wollten nämlich nie dem allgemeinen Geschmack oder der allgemeinen Meinung untergeordnet werden. Wir wollten dem Allem trotzen und provozieren.
Aber natürlich, besonders in den ersten neun Jahren bevor wir unser erstes Album rausbrachten – bevor wir also die ersten größeren Erfolge hatten – denke ich war es oft etwas irritierend, dass die Leute nicht verstanden um was es sich bei uns drehte. Aber das änderte sich alles schlagartig nach unserem Durchbruch im Jahr 2000. Die Leute erkannten, dass wir die extravagante Art und den spektakulären Zirkus um uns herum benötigten… und es war schließlich auch mit guten Songs kombiniert.
Du bist ja in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen. Hatte das irgendwelche Einflüsse auf deine Musik?
Ola: Absolut. Kirchenmusik hat zwei verschiedene Wirkungen. Auf einer Seite dient es der Besinnung und auf der anderen Seite der Andacht. Ich denke diese beiden Dinge sind wichtig für mich und mein Songwriting. Und ich möchte auch, dass die Songs entweder mit Besinnung oder Andacht gefüllt sind. Oder Aufmunternd und lobpreisend. Ich denke allerdings ich habe eine total andere Ansicht was Religion betrifft, als meine Eltern. Ich bezeichne mich selbst als sehr gläubige Person aber ich habe meine persönliche Ansicht von Religion.
Ich verwende auch eine Menge religiöser Metaphern beim Songwriting. Ich beziehe mich oft auf die Religion und das Christentum. Zum Beispiel bei Paraphrasen wie “In Lust We Trust” oder “Deliver Us From Free Will”. Ich versuche mein Wissen zu nutzen und etwas eigenes daraus zu erschaffen.
Habt ihr jemals daran gedacht ein Musical zu machen?
Ola: Ja.
Ein Musical schreiben, darin mitzuwirken oder gar beides?
Ola: Ich habe schonmal in einem Musical mitgewirkt. Ich war früher ein Darsteller im Musical. Aber darüber hinaus… wenn ich jemals wieder ein Darsteller in einem Musical sein sollte, dann in einem das ich selbst geschrieben habe.
Aber eigentlich fühlt es sich sowieso schon als als würden wir uns in einem Musical befinden. Unser Leben ist eine Mischung aus Reality Show und Oper.
Wo ist eure größte Anhängerschaft außerhalb Schwedens?
Ola: Finnland. Italien.
Was denkst du, warum gerade Italien?
Ola: Unsere Musik hört sich wie eine Pizza an.
(Gelächer)
Ola: Nein. Wir sind der Oper am nächsten im Popbusiness. Und die Italiener sind nicht sehr leicht zu beeindrucken mit Popmusik aus Europa oder Amerika. Sie haben ihre eingene Musik. Aber sie mochten uns und ich denke das liegt daran, da wir so etwas wie eine theatralische Dramatik besitzen. Das sind Eigenschaften, die sie mögen.
Was war das Peinlichste, das euch jemals auf der Bühne passiert ist?
Leari: Das Peinlichste? Ich habe keine Ahnung.
Ola: Bei unserer Show geht es eigentlich eher darum peinliche Situationen zu erschaffen. Ich denke also wenn etwas wirklich peinlich ist, haben wir unsere Aufgabe erfüllt. Peinliche Situationen sind wirklich interssant… wenn du dich der Situation annimmst und über der Peinlichkeit stehst kann das sehr spannend sein. Es ist hart eine Situation raus zu picken.
In jeder Show gibt es mindestens einen peinlichen Moment. Ich liebe Situationen in denen ich zum Beispiel den Text vergesse und nicht mehr weiß was ich singe. Die Situation spitzt sich immer mehr zu und wenn das Publikum anfängt zu glauben, wir würden die Situation nicht mehr retten können, greifen wir den Song wieder auf und machen weiter. Die Peinlichkeit enthüllt somit die Professionalität und seine Auswirkung was geschieht wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Ich denke es ist sehr wichtig dass eine Show sehr gut ist. Aber sie kann nicht ausschließlich gut sein… es muss auch ein klein wenig etwas Schlechtes mit bei sein.
Leari: Ja auf jeden Fall. Es ist nicht so wichtig darüber nachzudenken was schief gehen könnte. Man muss gegenüber diesen Dingen aufgeschlossener sein. Wenn auf der Bühne ein Missgeschick passiert, wird man daran nicht sterben. Falls du dich verspielst, oder etwas in der Art, kannst du es immer noch besser machen. Du kannst das Blatt wenden und in eine dramatische oder energiegeladene Situation verwandeln.
Du kannst also aus einer schlechten Situation immer etwas besseres machen.
Genau… mache das Beste aus einer peinlichen Situation.
Danach füllt Leari seinen Shortcut aus, bevor wir zum Ende kommen müssen. 15 Minuten vergingen wie im Flug im Interview mit den netten Jungs von The Ark.
Wir möchten uns bei Ola Salo und Leari recht herzlich dafür bedanken, dass sie uns ihre Zeit geopfert haben. Ebenso danken wir dem Netinfect Team, das uns dieses Interview ermöglicht hat.