(The Birthday Massacre)
An ihrem letzten Tourtag in Deutschland trafen wir Chibi von The Birthday Massacre vor ihrer Show im Backstage Bereich des Musikzentrums Hannover, um sie in einem kleinen Interview zu befragen. In dem Raum, in dem es aussah als hätte eine Horde Hottentotten zuvor gespeist, suchten wir uns einen Tisch, an dem noch eine kleine Ecke frei von dem Chaos geblieben war.
Chibi’s sympathisches und offenes Wesen nahm uns vom ersten Augenblick an jegliche Hemmungen und gestaltete das Interview als reinstes Vergnügen.
Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit mit Dave Oglivie für euer aktuelles Album?
Chibi: Ja Dave produzierte das Album. Wir bewunderten schon immer die Arbeit, die er mit Bands wie Nine Inch Nails, Marilyn Manson und Skinny Puppy geleistet hat… all diese unglaublichen Künstler!
Er ist also jemand, von dem wir schon seit langem gehört hatten und wir schätzten stets seine Arbeit. Dann war er plötzlich daran interessiert mit uns zu arbeiten. Das war sehr aufregend für uns, da wir auch viele der Bands, die mit ihm gearbeitet hatten, mögen. Wir waren sehr erfreut darüber, dass er bei dem neuen Album mit uns zusammen arbeiten wollte. Und er lebt auch in Kanada, somit war es kein Problem für ihn nach Toronto zu kommen um mit uns zu arbeiten.
Wie verlief das erste Zusammentreffen?
Chibi: Ich könnte nicht sagen, was ich von ihm erwartete. Wir hatten soviel von ihm gehört ohne ihn zu kennen. Doch er hat einen tollen Sinn für Humor und er ist einfach lustig. Er wusste Unmengen and interssanten Geschichten über viele unterschiedliche Musiker, mit denen er zusammen gearbeitet hat. Wir waren wirklich froh, dass er so einfach im Umgang und so lustig drauf war.
Lief alles glatt von Anbeginn?
Chibi: Ja. Ich war wahrscheinlich diejenige, die am engsten mit ihm zusammen arbeitete, da wir all die Gesangsparts im Studio aufgenommen haben. Tagsüber waren die Gitarren dran und in der Nacht haben wir stundenlang and den Vocals gearbeitet. Alles lief richtig gut und es gab keinerlei Probleme.
Wie lange dauerten die Aufnahmen und ist irgendetwas Außergewöhnliches passiert?
Chibi: Nun, wir haben all die vorangegangenen Sachen hauptsächlich selbst aufgenommen zu Hause. Und nun, bei “Walking With Strangers” war es fast dasselbe. Wir nahmen es zu Hause auf und hatten danach eine Woche im Studio. Eigentlich eine kurze Zeit. Wir machten die Vocals und ein paar wichtige Gitarrenaufnahmen im Studio. Es lief somit halb zu Hause und halb im Studio. Es gab keine Probleme, denn wir waren darauf eingestellt, dass uns nur eine kurze Zeit im Studio blieb.
Und fühltest du dich in irgendeiner Hinsicht unter Druck gesetzt?
Chibi: Nein. Ich war nervös, als wir zu “Violet” ins Studio gingen. Dazu nahmen wir die Vocals auch im Studio auf und ich war zuvor noch nie in einem Studio gewesen. Damals war ich nervös und dieses mal vielleicht ein wenig, doch als ich ins Studio ging kannte ich all die Songs bereits… (unterbricht, da ein Handy unablässig auf dem Holztisch vibriert). Diese Handygeräusch nervt.
Aber ja… ins Studio zu gehen ist so… “ooh DAS STUDIO”, du hast das Mikrofon montiert und die Kopfhörer. Das fühlt sich alles ein wenig komisch an. Aber als ich dieses mal mit Dave im Studio war, war es anders. Wir kamen in den Raum und da waren ein paar Kerze und es war alles so friedlich und einfach gut. Ich war überhaupt nicht gestresst.
Wie ist das Feedback?
Chibi: Wir hören viel Positives, worüber wir sehr dankbar sind. Wir haben ein paar Songs in den USA gespielt, noch bevor das Album veröffentlicht war. Wir spielten also die neuen Sachen von einer Scheibe, die das Publikum noch nicht besaß. Doch sie hatten die Songs bereits im Internet gehört. Es war also für uns wie “Ohje wir spielen die Songs und wahrscheinlich kennen die Leute sie gar nicht.”. Doch das Publikum kannte sie doch und sangen sogar mit! Es kam also alles sehr gut an und alle scheinen es zu mögen.
Gibt es eine andere Band oder einen Künstler mit dem ihr gerne zusammen arbeiten würdet?
Chibi: Ach je! Es gibt da eine Menge Bands, die ich gerne treffen würde oder mit denen ich gerne eine Show machen würde. Nun, jeder einzelne der Band würde wahrscheinlich etwas anderes antworten. Meine Lieblingsband ist “Concrete Blonde”, die haben eine weibliche Sängerin, die ich wirklich respektiere und bewundere. Für mich wäre wahrscheinlich sie die Person mit der ich gerne zusammen arbeiten würde. Oder Johnette Napolitano. Sie ist eine visuelle Künstlerin und sehr kreativ. Das wäre cool… wir alle sind auch große Fans der Nine Inch Nails.
Nun ich habe gehört, Trent Reznor möchte sich von seiner derzeitigen Band trennen…
Chibi: Hey vielleicht können die Jungs ja Nine Inch Nails beitreten. (Gelächter)
Zu Beginn wuchs euer Bekanntheitsgrad hauptsächlich durch das Internet. War es demnach nicht geplant so erfolgreich zu werden? War die Band erst nur ein Hobby für euch?
Chibi: Es war ein Hobby. Es war einfach etwas, das wir aus Spaß machten. Wir waren gute Freunde und dies war etwas, mit dem wir uns Freitag nachts die Zeit vertrieben. So nach dem Motto “lass uns ein wenig Musik machen” und wir hatten einfach Spaß mit unseren Freunden. Dann bastelten wir die Website und begannen mit Auftritten. Ich denke keiner von uns plante zum Beispiel durch Europa zu touren. Über die Jahre hatten wir eine Menge Glück denke ich. Wir sind dankbar dafür. Wir haben aus Spaß angefangen und nun ist etwas ernstes daraus geworden (lacht). Wir müssen versuchen davon zu Leben, aber so hatte es ursprünglich nicht begonnen.
Aber es funktioniert recht gut.
Chibi: Ja.
Wie bekannt seid ihr in eurer Heimat?
Chibi: Wenn wir Auftritte in Toronto haben kommen eine Menge Leute, das ist sehr cool. Die Sache ist, dass Nordamerika nicht so in dem Indie Musik Ding drin steckt… es wird da nicht soviel Medienaufwand wie hier in Europa betrieben. Es läuft dort mehr über Magazine und das Radio denke ich. Hier gibt es zusätzlich Festivals. In Nordamerika gibt es das wenig. Wenn wir zu Hause spielen haben wir ein großes Publikum. Und auch in US kann sich die Menge sehen lassen, aber es ist nicht so ein großer Medienrummel wie hier. Ich denke unsere Art der Musik ist hier mehr verbreitet.
Würdest du also sagen euer größtes Publikum ist hier heutzutage?
Chibi: Eigentlich denke ich überall. Doch es ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Wir können in New York in ausverkauften Venues spielen und in der nächsten Stadt ist es kleiner. Diese Jahr lief alles ziemlich gut.
Aslan hatte sich in Juli von der Band getrennt und ging eigene Wege. Dann habt ihr euren früheren Drummer wieder ins Boot geholt, der nun am Bass steht. Wie funktionierte das?
Chibi: Es läuft wirklich gut. Nachdem er seine eigene Band gründete blieben wir weiterhin befreundet. Doch es ist schön ihn wieder zu haben, denn es ist so vertraut mit ihm und wir sind alle befreundet. Als Aslan die Band verließ um seine eigene Musik zu machen, gab es keinen Streit oder so. Alles war in Ordnung und wir blieben nach wie vor Freunde. Also lief alles ohne Probleme.
Ist es komisch für ihn jemanden anderen an seinem alten Platz zu sehen?
Chibi: Oh das weiß ich gar nicht. Das habe ich ihn noch nicht gefragt. Warscheinlich, aber ich kanns nicht sagen.
Was war das Peinlichste, das dir jemals auf der Bühne passiert ist?
Chibi: Einmal – das ist nun Jahre her – trug ich bei einer Show meine Haare wie heute (zeigt mir ihre geflochtenen Schulmädchen-Zöpfe) und ich schwenkte meinen Kopf hin und her und einer der Zöpfe schwang direkt in meinen Rachen. Ich musste würgen. Ich drehte mich weg und… (macht Würggeräusche)
Du musstest dich übergeben?
Chibi: Ja, da der Zopf in meinem Hals hing und ich ihn erst nicht rausbekam. Das war das Übelste, das mir jemals passiert ist. Aber das ist lange her… das war nicht cool.
Aber das ist eine gute Geschichte.
Chibi: (nicht sehr überzeugt) Ja sehr… nett.
Ihr seid ja viel auf Tour. Ist da jemals etwas Außergewöhnliches geschehen?
Chibi: Etwas gutes?
Egal… gut, lustig, merkwürdig….
Chibi: Ich schätze Touren ist stets eine Mischung aus extremen Hochs und extremen Tiefs. Wir versuchen die Hochs zu schätzen. Ich versuche mich gerade an etwas Außergewöhliches zu erinnern… wahrscheinlich ist es einfach das Treffen von Leuten. Die Leute die zu unseren Shows kommen. Manchmal bringen die Leute ihre Kinder mit, das ist jedesmal ziemlich cool. Wenn die Kinder die Musik mögen “Ich mag “Video Kid!”. Das ist immer schön.
Wenn Leute dir erzählen, dass deine Musik ihnen durch eine schwere Zeit half. Das ist manchmal ein wenig merkwürdig.
Und manchmal reisen Leute sehr weit, nur um unseren Auftritt zu sehen. Das ist wirklich außergewöhnlich meiner Ansicht nach. “Wir sind 6 Stunden gefahren” oder “Wir flogen von da und da….” – oh Gott wirklich?? Dinge wie diese sind außergewöhnlich.
Stell dir vor du hättest genug Geld für die Liveshow, von der du immer schon träumtest. Wie würde sie aussehen?
Chibi: Ich weiß nicht. Vielleicht Feuerwerk und eine große Konfettikanone. Wir versuchen unser Bühnenbild ein wenig aufzufrischen wenn wir zu Hause sind. Wir hatten schonmal große Spielsachen oder unechte Bäume auf der Bühne. Aber wir können das leider nicht überall machen. Wir haben nicht genügend Platz um alles mitzubringen.
Der große Teddybär würde dir deinen Schlafplatz wegnehmen.
Chibi: (lacht) ganz genau!
Wie fühlt es sich an nach einer langen Tour nach Hause zurück zu kehren?
Chibi: Ich denke wir alle freuen uns sehr auf zu Hause. Es macht großen Spaß jede Nacht aufzutreten, aber da ist auch ein Teil von dir, der einfach nur das eigene Bett haben möchte und Freunde und Familie – das normale Leben. Touren ist toll, die Show machen Spaß und jeden Tag kommt man in eine neue Stadt, was wirklich toll ist. Aber ich denke wir alle können es kaum erwarten nach Hause zu kommen (lacht)… denn heute ist es die letzte Show. Ich denke wir werden rocken und dann “Lass uns gehen, lass uns gehen…”. Aber wir lieben es zu spielen.
Gibt es einen Ort, an den du dich zurück ziehst wenn du Zeit für dich brauchst?
Chibi: Ernsthaft… nach Hause zu gehen ist der beste Urlaub, den ich mir derzeit vorstellen könnte. Weißt du wenn wir nach Europa kommen ist das alles andere als ein Urlaub. Wir besichtigen nichts oder entspannen. Es ist eine Menge Arbeit und wir sind müde und freuen uns einfach auf zu Hause.
Was ist die merkwürdigste Frage, die dir jemals in einem Interview gestellt wurde?
Chibi: Ich denke manchmal ist es merkwürdig wenn es zu persönlich wird.
Ich habe auch mal ein Interview gegeben, bei dem sich alles um Weihnachten drehte. Das war eigenartig… es ist vielleicht interessant, aber merkwürdig.
Ein andermal wurde ich gefragt, ob ich plane eine Familie zu gründen und falls ich täte, ob das in Absprache mit der Band liefe. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Keine Ahnung.
Du siehst also was ich meine. Persönliche fragen sind okay, aber das war etwas zu pesönlich.
Wo war der aufregendste Ort, an dem ihr jemals ein Konzert hattet?
Chibi: Ich denke… das erste Mal als wir am M’Era Luna spielten, 2005. Das war aufregend! Denn es ist ein so großes Festival mit einer großen Bühne. Und es hat den ganzen Tag über geregnet. Doch es war unglaublich, denn es war eine ganz neue Erfahrung. Normalerweise spielen wir nachts in einem Club und es ist sehr heiß. Und dort war es eine riesige Bühne, mitten am Tag im strömenden Regen. Das hat Spaß gemacht!
Es war alles matschig!
Chibi: Ja das wars! Warst du dort? Wo ist das nochmal?
Hildesheim. Das ist hier um die Ecke… ungefähr eine halbe Stunde mit dem Auto. Und das ist echt praktisch, denn dieses Jahr sind wir immer nach Hause gefahren und mussten nicht im Zelt schlafen.
Chibi: Jaaaa. Vergiss es! Uärgh! Besonders wenn es regnet ist Zelten echt ätzend.
Was war das Verrückteste oder Coolste, das ein Fan jemals tat.
Chibi: Einmal haben wir einen Kuchen bekommen. Und andere wiederum machen diese Häschen-Sachen. Oder sie tragen selbstgemachte Outfits, die von unserer Band inspiriert wurden. Oh ja, in US waren ein paar Mädels mit so einer Art Schnür-Röcke. Jede von ihnen hatte ein Exemplar und ich meinte “Das ist wirklich cool” und sie hatten sogar einen für mich gemacht!!
Ich glaube viele aus unsere Publikum sind kreativ. Sie backen Kuchen oder schneidern ihre eigenen Klamotten. Oder sie tragen diese kleinen Häschenohren im Publikum.
Ach ja, der Hase. Hat der eigentlich einen Namen?
Chibi: Nein.
Was verbindest du mit Deutschland?
Chibi: Du meinst wenn ich zu Hause sitze und an Deutschland denke?
Zum Beispiel.
Chibi: Es gibt hier eine Menge aromatisierte Milch. Daran müsste ich denken… oder Schnitzel. Doch dieses Mal hat es viel geregnet, seit wir hier waren, also würde ich wohl auch an Regen denken. Aber ja… aromatisierte Milch, Schnitzel und Toiletten für die man bezahlen muss!
Das ist echt merkwürdig… “Was?? Ich muss 50 Cent fürs Pullern bezahlen???”
(Gelächter)
Ja das sagt jeder.
Chibi: Ja… Germany: pay to pee ;))
Was tust du wenn du mal Inspiration benötigst?
Chibi: Ich schreibe. Seit ich elf Jahre alt bin schreibe ich Tagebücher, in denen ich meine Gefühle niederschreibe. Also jedesmal wenn ich irgendwie feststecke und nicht mehr denken kann schreibe ich drauf los. Es muss keinen Sinn ergeben… ich schreibe einfach. Seite für Seite für Seite… und ich zeichne auch gerne. Manchmal kritzel ich einfach irgendwas.
Es wird laut im Raum. Offensichtlich herrscht langsam Aufbruchstimmung immerhin sind es nur noch wenige Minuten bis zum Entern der Bühne. Immer noch beeindruckt von der äußerst sympathischen und netten Frau gehen wir zurück zur Venue in der wir in wenigen Minuten aufs neue von ihr bezaubert werden sollen.
Wir danken Chibi für das angenehme Interview. Ebenso möchten wir dem Team von WoD danken, die uns dieses Interview ermöglicht haben.