Telefoninterview mit Mike Scott

(The Waterboys)

05.04.2007 von Thomas Kröll

Rock, Folk und Pop - irgendwo dazwischen haben The Waterboys seit nunmehr fast 25 Jahren ihren Platz. Die Band hat es ihren Fans dabei wahrlich nicht immer leicht gemacht. Musikalische Richtungswechsel, Veränderungen im Line-Up oder längere Auszeiten gehörten ebenso zum Programm wie grossartige Alben und ausverkaufte Tourneen. Anfang April weilte Waterboys-Frontmann und Mastermind Mike Scott für zwei Tage in Berlin. Musicheadquarter hatte dabei die Gelegenheit zu einem Interview. Zunächst wohl auch aufgrund der morgendlichen Stunde (10 Uhr) noch etwas wortkarg, taute der Schotte im Verlauf des Gesprächs dann mehr und mehr auf und gab unter anderem Auskunft über das kommende Waterboys-Album, die Tage auf Tour oder sein Verhältnis zu den Fans im allgemeinen und zu Gott im speziellen. Mit Mike Scott sprach Thomas Kröll.

Mike Scott (auf Deutsch): Guten Morgen, Thomas!

Guten Morgen, Mike! Wie geht es dir so früh am Morgen?

Mike Scott: Alles bestens hier.

Du kommst gerade aus Schweden, wo die Waterboys einige Konzerte gespielt haben. Wie ist es gelaufen? Bist du zufrieden?

Mike Scott: Sehr gut, es waren schöne Konzerte dort.

Im Gästebuch eurer Webseite gibt es jedenfalls viele enthusiastische Einträge schwedischer Fans.

Mike Scott: Ja, das habe ich auch gesehen und das freut uns sehr.

Wenn du auf Tournee bist, was machst du dann den ganzen Tag? Ich meine, außer Soundchecks oder Interviews zu geben? Womit verbringst du sonst deine Zeit?

Mike Scott: Ich investiere meine Energie voll auf der Bühne. Das ist das Wichtigste für mich. Ich mache so gut wie gar kein Sightseeing, falls du das meinst. Außerdem bin ich schon so häufig in denselben Städten gewesen, dass man irgendwann dann auch mal alles kennt.

Auf eurer Webseite habe ich ein wenig in deinem Tour-Tagebuch gestöbert. Sehr interessant, aber der letzte Eintrag ist von Mai 2006. Wirst du das Tagebuch auf der kommenden UK-Tour aktualisieren?

Mike Scott: Nein, ich glaube nicht. Auf unserer Myspace-Seite gibt es einen Blog und den versuche ich aktuell zu halten.

"Ich bin so etwas wie der musikalische Direktor" (Foto: Universal Music)

Ich habe mir das neue Waterboys-Album "Book Of Lightning" angehört, das in Deutschland am 18. Mai erscheinen wird. Es klingt gleichzeitig sehr dynamisch und verletzlich für mich. Ich mag besonders "Nobody`s Baby Anymore", das mich an David Bowie zu seiner frühen Zeit erinnert. Wie würdest du die Atmosphäre auf dem Album beschreiben?

Mike Scott: Das ist schwierig. Ich kann dir da gar keine spezielle Atmosphäre nennen. Wir haben versucht, eine Synthese aus verschiedenen Stilen zu schaffen. Vieles davon kommt aus dem Folk. Aus diesen Stilen einen stimmigen Sound zu kreieren war das Ziel. Ich hoffe, es ist uns gelungen.

Es gab über die Jahre einiges an Besetzungswechseln bei den Waterboys... 

Mike Scott: Oh ja, viele! (lacht)

Jetzt sind wieder einige alte Freunde zurück in der Band. Richard Naiff, Roddy Lorimer oder Steve Wickham zum Beispiel. Bezogen auf den Prozess, Songs zu schreiben und aufzunehmen: Ist das eine Art demokratischer Bandprozess oder bist du derjenige der für alle Dinge, die Musik betreffend, verantwortlich ist?

Mike Scott: Nun, Roddy Lorimer ist nur bei einem Song auf dem neuen Album vertreten. Steve Wickham ist bereits seit 2001 wieder in der Band. Im Endeffekt entscheide ich, wie es läuft. Ich bin so etwas wie der musikalische Direktor. Das heisst aber nicht, dass die anderen nicht auch ihre Ideen einbringen können. Denn eine Aufgabe des musikalischen Direktors ist es ja auch, alle Beteiligten zum Mitdenken anzuregen. Es ist ein kreativer Prozess mit allen, an dessen Ende ich dann die Entscheidungen treffe.

Du bist ein sehr erfolgreicher Sänger, Songwriter, Musiker. Was bedeutet dir Ruhm?

Mike Scott: Kannst du die Frage etwas präzisieren?

Nun, ich meine, dass es in der Musikgeschichte zahlreiche Beispiele dafür gibt, dass Musiker mit dem Ruhm, den ihnen ihre Musik eingebracht hat, nicht umgehen konnten. Sie machten Musik um der Musik willen und nicht um damit berühmt zu werden. Das eine schließt das andere aber nun mal nicht aus. Wie gehst du mit diesem Zwiespalt um?

Mike Scott: Oh, ich empfinde mich nicht als eine berühmte Persönlichkeit. Natürlich bin ich bekannt, aber das ist im Grunde nicht wichtig für mich. Auch ich mache Musik eindeutig der Musik wegen und nicht wegen des Ruhms, der damit eventuell verbunden ist. All diese Dinge, die du als bekannte Person erlebst und auf die du oft keinen Einfluss hast, versuche ich einfach mit Humor zu nehmen (lacht).

Wie würdest du das Verhältnis zu deinen Fans beschreiben?

Mike Scott: Naja, im Grunde bin ich ja selbst auch ein Fan meiner Musik. Ich schaue mich recht oft in den Fan-Foren um und ab und zu schreibe ich da auch mal etwas. Es ist spannend zu sehen, welche Gedanken sich die Fans über unsere Musik machen. Das Internet eröffnet da viele Möglichkeiten. Es sind manchmal schreckliche Ideen darunter, aber genauso viele gute Einfälle (lacht).

"Ich glaube nicht an den alten Mann mit dem langen weißen Bart"  (Foto: Universal Music)

Nochmal zurück zum neuen Album. Das Stück "Sustain" ist eine Kooperation mit der kanadischen Art Rock-Band Great Aunt Ida. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Mike Scott: Great Aunt Ida haben einen Song von mir gecovert "Fisherman`s Blues". Sie schickten mir die Aufnahme zu und es gefiel mir. Also beschlossen wir, auf dem neuen Waterboys-Album etwas gemeinsames zu machen. Wir trafen uns in Vancouver und nahmen zusammen "Sustain" auf.

Du bist ein sehr poetischer Mensch, denke ich. Jedenfalls für die Mehrzahl deiner Fans. Glaubst du an Gott oder eine Art von Gott?

Mike Scott: Nein, nicht wirklich. Ich bin kein sehr religiöser Mensch. Vielleicht gibt es da einen Gott oder wie immer man es nennen will, aber ich habe kein spezielles Bild von ihm. Ich glaube nicht an den alten Mann mit dem langen weißen Bart.

Welche Musik hörst du privat?

Mike Scott: Überwiegend Folkmusik. Aber ich mag auch die Rolling Stones sehr. Oder Kate Bush.

Was sind die Pläne für die Zukunft? Können wir in diesem Jahr eine Waterboys-Tour in Deutschland erwarten?

Mike Scott: Ich hoffe es! Unser Tourmanager klopft gerade die Möglichkeiten ab. Am 6. Juli spielen wir auf einem Festival in Belgien (das Cactus-Festival in Brügge, d.Red.) und vielleicht schaffen wir dann ja auch den Schritt rüber zu euch nach Deutschland.

Pläne für ein neues Solo-Album hast du also nicht?

Mike Scott: Nein, zur Zeit überhaupt nicht. Ich bin sehr zufrieden, wie es momentan mit den Waterboys läuft. Es gibt keinerlei Pläne für ein Solo-Album.

Wir bedanken uns für das Gespräch, Mike!

Mit freundlicher Unterstützung von Oliver Bergmann (Oktoberpromotion).

Und noch ein abschließender Tipp: Alle Infos zum kommenden Waterboys-Album "Book Of Lightning" findet ihr hier. Ein weiterer neuer Song der Waterboys "The Player" steht als Bonus-Track bei iTunes zum Download bereit. Dazu die Live-Akkustik-Version von "Red Army Blues". Einfach hier klicken! Viel Spass!

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Sebastian Black