Interview mit Alex Bhore und Donovan Jones

(This Will Destroy You)

17.06.2011 von Linda Spengler

This Will Destroy You ist eine amerikanische Instrumental-Post-Rock Band und wurde von Chris King und Jeremy Gilando im Jahr 2005 gegründet. Vor etwa zwei Jahren hat die Band sich in der heutigen Besetzung gefunden. Ihre erste EP "Young Mountain" wurde 2006 veröffentlicht und ihr erstes, gleichnamiges Debütalbum erschien 2008. Dieses Jahr touren This Will Destroy You mit ihrer neuen Platte "Tunnel Blanket" durch Europa. Schlagzeuger Alex Bhore und Donovan Jones (Bass / Keyboard) haben sich, trotz verspäteter Ankunft in Köln und Stress beim Soundcheck, Zeit für Musicheadquarter-Redakteurin Linda Spengler genommen. Das Interview fand ganz gemütlich mit Bier und Zigarette draußen vor dem Gebäude 9 statt...

MHQ-Redakteurin Linda Spengler lässt sich auch durch die leicht grimmigen Mienen von Alex Bhore und Donovan Jones nicht beeindrucken (alle Fotos: Rainer Keuenhof).

Wie lange kennt ihr euch schon?

Don: Ich kenne Alex seit dem ersten Semester in der Highschool.

Alex: Ja, wir waren sogar eine Zeitlang  zusammen auf der Grundschule. Chris und Jeremy habe ich vor acht Jahren kennen gelernt. Don ist der Band vor vier Jahren beigetreten und ich kam vor zwei Jahren dazu.

Was hat euch inspiriert zusammen Musik zu machen?

Don: Ich habe schon immer Musik gemacht und das regelmäßig. Und die anderen Jungs haben auch schon immer Musik gemacht...

Alex: Wir alle haben schon vorher in verschiedenen Bands mit verschiedenen Leuten gespielt. Wir haben viele gleiche Ansichten aber auch viele unterschiedliche, doch das ist auf irgendeine Art und Weise doch produktiv und ergänzend. Wir respektieren die Individualität des anderen und es funktioniert sehr gut.

Was war bisher eure größte Herausforderung?

Alex: Ich würde sagen, dass es für jeden von uns eine andere ist. Ich meine, Jeremy und Chris haben vor acht Jahren die Band gegründet und sie hatten mit Sicherheit jede Menge Herausforderungen von denen wir keine Ahnung haben.

Don: Die größte Herausforderung? Ich weiß nicht, ich würde sagen, dass es für jeden unterschiedlich ist. Für mich persönlich ist es sehr hart wenn Familienmitglieder versterben wenn man auf Tour ist. Es ist schwer damit umzugehen.

Alex: Weit weg von Zuhause zu sein. Wir sind oft länger als einen Monat am Stück unterwegs und das ist echt hart. Rumtouren ist eine coole Sache und macht Spaß aber es ist auch viel Arbeit. Es gibt immer zwei Seiten. Jeden Abend spielen und neue Leute kennen lernen, die Welt sehen... und die andere Seite ist, dass man die Menschen zuhause vermisst.

Was mögt ihr überhaupt nicht, wenn ihr auf Tour seid?

Don: Wenn du zuhause bist in Texas, ist es einfach, da kannst du immer du selbst sein. Dort sind Dinge wie Rap-Musik, Bärte (lacht), Kappen, die man zur Seite trägt und skinny Jeans völlig selbstverständlich. Aber wenn du hier rüber kommst und die dich sehen, denken die Leute, du bist ein fauler Sack, du wirst von kleinen Jungs dumm angemacht, weil du anders aussiehst. Ich weiß nicht, hier ist es als ob man seine Identität verliert, wenn man lange von Zuhause weg bleibt.

Alex: Ich finde, dass die Zeit in Europa recht einfach ist. Die Tour die wir gerade in den USA gemacht haben war super hart. Du musst von Stadt zu Stadt bis zu neun Stunden fahren, und das jeden Tag! Du bist ständig müde und findest einfach keine Zeit zum Schlafen...

Don: Du schläfst ungefähr nur 3 bis 4 Stunden am Tag... wenn überhaupt.

Alex: Aber du gewöhnst dich dran...

Habt ihr überhaupt Freizeit und könnt ihr diese nutzen um euch die Städte anzusehen?

Alex: Eigentlich nicht, nein.

Don: Wir haben keine Zeit das zu tun worauf wir gerade Lust hätten.

Alex: Eigentlich kommt es darauf an wo wir spielen. Wenn wir irgendwo spielen, wo es was in der Nähe zu sehen gibt, dann gehen wir mal nach dem Soundcheck etwas raus und gucken uns das ein oder andere an, für zwei bis drei Stunden. Manchmal ist es aber auch absolut nicht möglich weil die Location am Arsch der Welt ist und die Taxen sind sehr teuer...

Wer denkt sich die Titel für die Songs aus?

Alex: Chris... meistens. Ab und zu auch Don. Aber meistens Chris... das ist sehr wichtig für ihn.

Alex Bhore in seinem Element beim Konzert im Kölner Gebäude 9.

Gibt es eine Art Verbindung zwischen dem Song an sich und dem Songnamen?

Don: Ja klar. Ganz bestimmte Songs sind allerdings nur mit dem Sound beschrieben.

Alex: Grundsätzlich ist es so, dass die Songnamen mit etwas persönlichem verbunden sind. Aber klar, wenn man Musik ohne Lyrics macht hängt viel von der Interpretation der Zuhörer ab.

Gibt es Songs die ihr regelmäßig spielt?

Don: Momentan ja.

Alex: Es ändert sich im Laufe der Zeit ein bisschen, aber momentan spielen wir viele Songs aus unserem neuen Album. Ungefähr 2/3 des Sets. Seitdem ich dabei bin, gibt es jedoch wirklich Songs die wir immer gespielt haben. Aber wir alle mögen es lieber so viel Abwechslung wie möglich rein zubringen. Die neue Platte ist erst vor kurzem fertig geworden und wir mögen das neue Material. Es macht wirklich Spaß das zu spielen. Vor allem macht es deshalb Spaß, weil das neue Album eine Platte ist, die wir alle vier zusammen geschrieben haben. Auf den alten Alben sind wir alle irgendwie verstreut und naja, es ist etwas mehr persönlicher wenn man etwas spielt was man zusammen als Band erschaffen hat.

Wie fühlt es sich an in einem solchen kleinen Club wie dem Gebäude 9 zu spielen?

Alex: Das ist eigentlich die perfekte Mittelgröße. Wir mögen es auch in echt kleinen Clubs zu spielen. Letztes Jahr haben wir die Deftones supportet und in einem richtig großen Club gespielt.

Don: Wenn man den Vergleich ändert... und die Halle hier mit einem Open Air Festival vergleicht, dann ist hier natürlich ein sehr großer Unterschied im Sound und in dem wie der Sound auf die Menschen wirkt. Denn wenn der Raum zu groß ist, dann löst sich der Klang praktisch auf. Du musst die Leute eigentlich irgendwo einschließen und alles verriegeln und sie quasi wegblasen damit sie etwas fühlen (lacht).

Alex: Festivals und Open Air Festivals sind echt eine coole Sache aber ich glaube wir bevorzugen es doch auf Veranstaltungen wie diesen hier zu spielen. Der Sound geht um den Menschen herum, er greift praktisch von allen Seiten an.

Don: Und kriecht bis in deine Knochen (lacht fies...).

Was für Musik hört ihr privat und wenn ihr unterwegs seid?

Don: ...lacht einfach nur...

Alex: Weißt du, wenn du in einem Van sitzt und durch die USA fährst, dann hört man viel Rap, viel klassische Musik, R’n’B, viel alte Soul Musik und dann auch alles mögliche weil wir alle einfach einen völlig unterschiedlichen Geschmack haben.

Don: Was ein richtig großes Ding ist, ist der Jurassic Park Soundtrack.

Alex: Jedesmal wenn wir die Grenze von Kanada in die USA passieren, dann hören wir immer den Jurassic Park Soundtrack, immer. Das ist wie eine Hymne (lacht).

Wenn ihr ein Lied mit Gesang machen würdet, wer wäre für euch DER Sänger?

Don: Björk.

Alex: Wir alle haben eine starke Neigung zu weiblichen Sängerinnen. Aber wenn es um einen männlichen Sänger geht, dann würde ich Andrew Bird nehmen. Er ist unbeschreiblich gut.

Ihr werdet oft mit Bands wie Explosions In The Sky oder Mogwai verglichen. Wie fühlt sich das an? Nervt das vielleicht sogar?

Don: Hmm... das passiert einfach.

Alex: Ich habe früher komplett andere Musik gemacht und ich kann den Vergleich nachvollziehen. Mit der neuen Platte wird es jetzt eine Art Umbruch geben. Wir haben ähnliche Richtungen mit diesen Bands, jedoch haben wir spätestens jetzt verschiedene Wege eingeschlagen. Wir haben uns eher aufs "low end" und auf den Bass konzentriert, auf mehr Struktur und melodische Gitarrenklänge. Der Vergleich ist eigentlich ganz cool. Diese Bands haben ihre Sache gemacht und sind groß rausgekommen! Ich denke der Vergleich wird in Zukunft immer seltener passieren.

Don: Die haben unsere Musik nicht beeinflusst und wir haben auch keine Rolle in deren Musik gespielt. Wir haben völlig andere Schwerpunkte.

In der Musik versunken: Donovan Jones.

Was ist eure größte Leidenschaft abgesehen von Musik?

Don: Kreativ sein. Dinge erschaffen, einfach immer irgend etwas zu tun haben...

Alex: Ja!

Habt ihr überhaupt noch Zeit für andere Dinge?

Alex: Ja klar! Zwischen den Tourneen. Jeder geht seinen Dingen nach und bleibt einfach beschäftigt oder arbeitet.

Was für Erwartungen habt ihr an die Tour?

Don: Nee... keine. Ich lasse mich einfach überraschen. Ich meine, wir haben ein paar Tickets verkauft und das ist cool. Es gibt wichtigere Dinge um die man sich Gedanken machen könnte.

Alex: Wir waren ja schon einen Monat auf Tour. Wir sind gut eingespielt und kennen die neuen Sachen sehr gut. Das einzige was ich erwarte ist, dass die Leute die Show einfach genießen (grinst). Oder zumindest hoffe ich, dass die Leute die Show genießen (lacht).

Don: Ich erwarte, dass sie ihre Gefühle fühlen.

Was ist wichtig für euch, wenn ihr auf der Bühne steht?

Don: Ach, alles soll einfach glatt laufen. Der Sound muss auf jeden Fall stimmen und die Performance muss stimmen.

Alex: Wir mögen es wenn die Menschen still sind und nicht quatschen, denn die Musik wird manchmal so leise, dass man Geflüster hören kann und es stört. Es stört weniger uns als die anderen die zuhören wollen.

Was ist eigentlich typisch Deutsch für euch?

Don: Schnitzel, Döner.

Alex: "Smooth Highways".

Don: Was ist denn noch so richtig tight hier? Alle eure Museen sind tight... Außerdem hat Alex eine Megawoche in Berlin verpasst... oh mann... das war eine Zeit! Und dann die Woche in Frankfurt... puuuh...

Das wars auch schon. Ich sage vielen Dank, genießt die Show und viel Spaß auf eurer Tour durch Deutschland!

Alex: Dir auch vielen Dank und es war schön dich kennenzulernen.

Don: Ja, Danke und viel Spaß bei der Show nachher!

Ein Dankeschön geht auch nach Düsseldorf an Dennis Saia von Starkult Promotion, der dieses Interview für uns möglich gemacht hat!

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