Interview mit Adam Waleszyński von Tides From Nebula

(Tides From Nebula)

20.05.2011 von Thomas Kröll

Tides From Nebula haben sich größtmögliche Atmosphäre und Soundgewalt auf die Fahnen geschrieben. Dabei verzichten die vier Polen wie einige andere Genre-Kollegen komplett auf den Gesang. Was hierzulande bei Bands wie Long Distance Calling fantastisch funktioniert, geht in ihrem Heimatland scheinbar ebenso gut. Aber nicht nur dort. Gerade haben Tides From Nebula bei uns mit "Earthshine" ihr zweites Album veröffentlicht und sechs Konzerte hinter sich gebracht. Tatsächlich klingt die Band in ihren stärksten Momenten so hypnotisch und atmosphärisch, dass es ein wahres Fest ist, sich mit ihren Songs selbst zu vergessen. Grund genug für MHQ-Chefredakteur Thomas Kröll, um Tides From Nebula-Gitarrist Adam Waleszyński etwas näher auf den Zahn zu fühlen.

Hallo Adam. In eurer Heimat Polen seid ihr bereits eine sehr gefeierte Band. In Deutschland erscheint genau heute euer zweites Album "Earthshine". Kannst du uns zunächst etwas mehr über Tides From Nebula verraten?

Adam Waleszyński: Hallo zusammen. Wir sind als Band seit Januar 2008 zusammen. Bisher haben wir zwei Alben veröffentlicht: "Aura" und eben "Earthshine". In unserer Heimat haben wir schon sehr viele Konzerte gegeben, waren aber auch bereits vier Mal in Europa auf Tour. Die aktuelle Tour zusammen mit Riverside war eine grossartige Erfahrung für uns.

Was bedeutet eurer Bandname?

Adam Waleszyński: Nebulas sind grosse Gaswolken in der Atmosphäre. Man könnte sagen, dass unser Sound so etwas wie die strömende Flut ist, die diesen Wolken entspringt. Wir lieben all dieses atmosphärische Zeugs.

Im April und Mai wart ihr auf Tour in Österreich und Deutschland. Seid ihr zufrieden damit? Welche Reaktionen gab es?

Adam Waleszyński: Die Leute in Österreich und Deutschland sind wirklich sehr nett. Die Reaktionen auf unsere Musik waren immer sehr positiv. Ich muss sagen, dass wir es echt lieben, dort Konzerte zu geben. Als wir das erste Mal in Europa aufgetreten sind, fand das erste Konzert der Tour in Leipzig statt. An Leipzig werden wir also immer ganz besondere und liebevolle Erinnerungen haben.

Kannst du dich spontan an besonders schöne, lustige oder weniger positive Dinge erinnern, die während der aktuellen Tour passiert sind?

Adam Waleszyński: Wir hatten nie irgendwelche Probleme. Aber wenn es etwas Schönes ist, was du haben willst: Während der aktuellen Tour haben wir in einem Theater in Sofia gespielt. Das war ein wirklich verblüffender Ort.

Eine Besonderheit eurer Musik ist, dass ihr komplett auf den Gesang verzichtet. Wie erklärt sich das?

Adam Waleszyński: Weil wir nie die richtige Person gefunden haben, die die Rolle des Sängers hätte ausfüllen können. Aber wir fühlen uns zu Viert auch sehr wohl. Eine fünfte Person würde womöglich auch die Atmosphäre innerhalb der Band ruinieren.

Das neue Album von Tides From Nebula heisst "Earthshine" und hat bei uns 8 von 9 Punkten abgesahnt (wie ihr HIER nachlesen könnt).

Wie würdest du euren Musikstil bezeichnen? Prog-Rock? Post-Rock? Instrumental-Rock? Oder ganz anders?

Adam Waleszyński: Das ist einfach! Wir machen instrumentale, atmosphärische Rockmusik mit Gitarren!

Instrumentale Rockmusik ist gerade sehr angesagt. Was unterscheidet Tides From Nebula von solchen Bands wie Long Distance Calling, Motorpsycho oder Katatonia?

Adam Waleszyński: Es ist wirklich schwierig diese Frage zu beantworten. Um ehrlich zu sein, haben wir uns noch nie etwas von diesen Bands angehört.

Der Produzent von "Earthshine" ist Zbigniew Preisner, ein international gefragter Komponist von Filmmusik. Wie kam diese doch eher ungewöhnliche Zusammenarbeit zustande?

Adam Waleszyński: Eines Tages, im Juni 2009, setzte er sich in sein Auto, machte das Radio an und hörte einen Song von uns. Am nächsten Tag rief er uns an und wir arrangierten ein Treffen bei einem unserer Konzerte in Krakau. Ende 2009 beschlossen wir zusammen zu arbeiten. Es war einfach nur grosses Glück.

Da eure Songs keine Texte haben, bleiben Titel wie "Cemetery Of Frozen Ships", "Siberia" oder "The Fall Of Levithian" ein wenig geheimnisvoll. Welche Bedeutung steckt dahinter?

Adam Waleszyński: Jeder, der sich unsere Songs anhört, kann ihnen einen eigenen Sinn und eine eigene Interpretation geben. Die Titel sind nur Hinweise, die sich auf die Stimmung der Songs beziehen. Wenn es nach uns geht, so haben wir schon unsere eigenen Gedanken über unsere Songs. Aber das sind unsere Gedanken und wir möchten sie unseren Hörern nicht vorstellen. Sie sollen sich ihre eigenen Gedanken machen.

Ich habe gelesen, dass ihr euch für die Aufnahmen von "Earthshine" in die Berge von Polen zurückgezogen habt. Stimmt das und wenn ja, was war der Grund dieses Rückzugs?

Adam Waleszyński: Wir waren einfach müde von unserem alltäglichen Arbeitsplatz. Sogar das Verändern und Aufräumen unseres Proberaumes hat da nicht geholfen. Man sagt ja, dass manchmal schon das Umarrangieren von Möbeln alles erfrischen kann. Nicht so diesmal. Das war der Hauptgrund für uns, um die Umgebung zu wechseln. Gott sei Dank haben wir es getan.

Vielen Dank für das Interview, Adam!

Wir bedanken uns ebenfalls bei Hanno Klänhardt von Oktober Promotion für seine freundliche Unterstützung!

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