Interview mit Till Kersting in einem Kölner Biergarten

(Till Kersting)

14.07.2010 von Thomas Kröll

Der Kölner Gitarrist und Singer/Songwriter Till Kersting hat sich nicht nur in der Domstadt, sondern auch darüberhinaus bereits einen richtig guten Namen erspielt. Als Studiogitarrist und Sideman hat der 31-jährige schon zahlreiche Produktionen und Tourneen hinter sich gebracht. Vor allem aber hat er als Solomusiker mit "Changing Faces" (2006) und dem letztjährigen "Waiting For Tomorrow" zwei klasse Alben veröffentlicht. Ende Mai hat er seine "Schul-Tour" beendet. Dabei besuchten Till Kersting und seine Band in der jeweiligen Tourstadt vor dem eigentlichen Konzert eine Schule und gaben dort im offenen Dialog mit Schülern und Lehrern Workshops, um so den Alltag eines Musikers fernab des Casting Show-Hypes in die Klassenzimmer zu tragen. Musicheadquarter-Chefredakteur Thomas Kröll traf sich mit Till Kersting im Biergarten des "Herbrands" im Herzen von Köln-Ehrenfeld zum ausführlichen Gespräch und erhielt dabei ehrliche und spannende Einblicke in dessen Erfahrungen auf der aktuellen Tour sowie in das Leben als Musiker und die Mechanismen der Musikbranche.     

Gut gelaunt: Till Kersting (rechts) und MHQ-Chefredakteur Thomas Kröll

Zu unserem Treffen heute kommst du direkt aus dem Studio. An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Till Kersting: An der neuen Platte von Heinz Gröning, auch genannt "Heinz G.". Ein Comedian, recht erfolgreich, der meistens alleine mit seiner Akkustikgitarre unterwegs ist.

Hab ich noch nie von gehört...

Till Kersting: Man kennt ihn auch als den "Unglaublichen Heinz". Ein Mann, gefangen im Körper eines LKW-Fahrers (lacht). Tanzt aber wie eine Prinzessin auf der Bühne. Es ist sehr lustig. Er hatte uns bei dem Konzert Anfang Mai im Blue Shell gesehen, wo du ja auch warst, und kam danach zu mir und meinte: Hör zu, ich will eine Platte machen. Ich mache nicht nur Comedy sondern auch lustige Lieder. Und dafür brauche ich eine Band. Würdest du für mich die Platte machen? Anschließend haben wir uns dreimal getroffen und geprobt, dann zwei Tage Studio zum Freundschaftspreis und heute waren Overdubs mit Akustikgitarre dran. Jetzt hoffe ich, dass ihm die Platte gefällt und dass er einen Megadeal bei Sony oder Universal bekommt und eine Tour hat. Dann sind mal wieder ein paar Einnahmen gesichert, damit die Miete bezahlt werden kann.

Kommen wir auf deine eigene Tour zu sprechen, die Schul-Tour, die du vor kurzem absolviert hast. Es ist ja nicht ungewöhnlich, dass man in einer Stadt einen Gig spielt. Ungewöhnlich bei dir aber ist, dass du parallel dazu auch noch in eine Schule gegangen bist und dort Workshops abgehalten hast. Wie kam es denn zu dieser Idee?

Till Kersting: Ich habe mit meinem Schlagzeuger und mit meinem Toningenieur überlegt, was man als nächstes machen könnte, nachdem letztes Jahr "Waiting For Tomorrow" veröffentlicht und auch die Tour dazu gespielt war. Das Problem ist, wenn du kein neues Produkt hast und trotzdem eine Tour machst, kriegst du keine Presse. Weil du eben keinen Aufhänger hast. Hinzu kam, dass ich zu dem Zeitpunkt auch keine Agentur hatte, die für mich Termine hätte buchen können. Ich hatte zwar noch meinen Deal bei Rough Trade, aber für das Live-Geschäft war ich allein auf weiter Flur. Nach der "Waiting For Tomorrow"-Tour war ich erstmal wieder eine Karteileiche. Also wusste ich, dass ich mit einer zweiten Tour zum gleichen Album niemand hinter dem Ofen hervorlocken würde. Auch keine Agentur, die das weiter mitgemacht hätte. Denn bei einem Clubgig vor 60, 70 oder auch mal 150 Leuten ist für die nichts zu verdienen. Deshalb kann man ja auch verstehen, dass die einen abgreifen, wenn man gehypt wird und danach wieder ausspucken.

Trotzdem hat es ja letztendlich mit der Schul-Tour doch geklappt. Also wie ging die Geschichte weiter?

Till Kersting: Ich habe dann den Anreiz gegeben, was hätte man selbst denn früher mal geil gefunden oder gerne mal erlebt. Als wir selbst noch in der Oberstufe waren und mit der ersten Band ein paar Gigs gespielt haben. Da war niemand, der gesagt hat, so kriegst du einen Plattenvertrag, so läuft das Business, so macht man seine Steuererklärung, wieviel Büroarbeit ist das und so weiter. Und man muss tatsächlich morgens um acht Uhr aufstehen und nicht immer bis mittags um Zwei pennen. Das hat der Reiseleiter ganz anders versprochen (lacht). So kristallisierte sich das raus. Dass wir als Band und selbständige Musiker den Schülern den Zahn ziehen, es gibt nicht nur fertige Superstars und Casting-Shows und du musst nur ein Lied lernen. Von Konzerten, Shows und Platten machen zu leben, ist etwas ganz anderes.

Wie sah euer Konzept dann konkret aus?

Till Kersting: Im Prinzip nach dem Motto "Rock`n Roll im Klassenzimmer". Angefangen beim Coaching von Schülerbands, falls welche da waren. Wir haben ihnen Material geschickt, damit sie Songs von uns vorbereiten, aber auch eigene Sachen präsentieren und wir dann daran arbeiten. Teilweise ist es Wahnsinn, wie gut die sind. Da sind schon ein paar Rohdiamanten dabei. Dann hatten wir die Idee mit dem Pausenhofkonzert. Nebeneffekt sollte sein, dass wir dann abends bei unserer Show die Schüler vor der Bühne haben (lacht). Wir haben es aber dann doch geteilt. Sprich die Show erst am nächsten Tag gespielt. So konnte die Presse noch über unseren Schulbesuch berichten und gleichzeitig das Konzert am Abend ankündigen. Wir hatten ja kein grosses Standing als Künstler. Wenn Peter Maffay an eine Schule geht, dann denken alle, das geht schon klar. Pädagogisch und moralisch. Bei mir geht das nicht automatisch klar, denn die Leute wissen ja nicht wer ich bin. Es gab einen Direktor in Berlin, der meinte: Da müssen wir erstmal eine Elternbefragung durchführen, ob wir sowas wie Sie auf die Schüler loslassen dürfen. Und das war ernst gemeint. Und dann stehst du da und denkst: Haben wir jetzt wieder 1962?

Womit die Lehrer ins Spiel kommen. Gab es da viel Misstrauen oder klappte die Zusammenarbeit gut?

Till Kersting: Es war teilweise schon schwer, die Schulleitung von unserem Konzept zu überzeugen. Die Musiklehrer wollten das oft und haben sich auch von selbst gemeldet auf unsere Aufrufe, die über die Medienpartner liefen. Also über Musicheadquarter, Gitarre & Bass, Newcomerradio oder die Tageszeitungen. Du brauchst auch jemanden, der vor Ort die Verantwortung übernimmt, sonst gehst du in dem Schulsystem unter. Die Resonanz war überraschend gut. So gut, dass wir sogar Schulen in Städten besucht haben, wo wir gar keinen Konzerttermin hatten. Rafael Fuchsgruber und Lux Musik aus Hennef haben uns dabei übrigens grossartig unterstützt.

"Manchmal dachte ich, die erschießen mich jetzt, es geht nicht weiter oder ich muss abbrechen."

Was lief an den Schulen ab? Wie seid ihr von den Schülern aufgenommen worden?

Till Kersting: Ich hatte so eine Art Feuerleiter, an der ich mich entlanghangeln konnte. Dann habe ich aber schnell gemerkt, dass jede Schule eine individuelle Vorbereitung braucht, in enger Kooperation mit dem jeweiligen Musiklehrer. Es waren ja auch alle Schulformen dabei, bis zur 4. Klasse Grundschule. Das Alter spielte eine grosse Rolle. Wir sind also in die Klassen gegangen oder in eine Aula, wo mehrere Klassen zusammengeführt wurden. Zuerst gab es eine "Reise durch das Musikbusiness", wo ich an einem Stammbaum die ganzen Stationen von CD machen, Band gründen, Labelvertrag, Plattenfirma, Vertrieb, Produktion, Vermarktung bis zum Endkunden beziehungsweise Download dargestellt habe. Und vor allem, wer dabei an wem was verdient. Das war für alle superspannend. Egal welches Alter. Das war für die so ein Aha-Erlebnis: Wie die sind gar nicht reich? Dass 99 Cent für einen Download eben auch nicht zuviel sind. Also, brennt keine Musik, sondern macht euch bewußt, dass Musik viel Geld kostet. Diese Wertigkeit zu vermitteln, das war der pädagogische Rahmen. Das lief dann über zwei Schulstunden und wir konnten gar nicht alle Fragen beantworten, die von den Schülern gestellt wurden.

Was gab es da für Fragen?

Till Kersting: Wieviel kostet ein Studio? Wie kriegt man einen Plattenvertrag? Viele verstrahlte Sachen mit diesen Casting-Shows, nach dem Motto: Wie man muss ein Lied selber schreiben? Man muss doch nur singen können. Den Zahn haben wir versucht zu ziehen. Klar gibt es Leute, die sich alles schreiben lassen, aber wenn du ein richtiger Künstler sein willst, dann musst du schon was mehr machen.

Und was hatte es mit dem Pausenhofkonzert auf sich?

Till Kersting: Wir haben uns in der Aula oder bei schönem Wetter auf dem Schulhof aufgebaut und dann entweder unplugged gespielt oder wenn eine PA da war auch normal abgerockt. Teilweise in der Sporthalle mit Lichtanlage und allem Rappzapp. Da spielst du dann vor 1.000 Schülern. Da ist richtig Alarm. Diejenigen, denen es gefallen hat, kamen auch nachher noch auf mich zu. Die hätte ich sonst mit der Mucke, die ich mache, wahrscheinlich nie erreicht. Das ist tierisch gewesen. In Deutschland hängt vieles von Vermarktungsstrategien ab. Und da merkst du dann, dass bei den jungen Leuten die Akzeptanz für handgemachte Erwachsenenmucke genauso da ist. Das waren also die drei Elemente: "Reise durch das Musikbusiness", Schülerbandcoaching und eben das Pausenhofkonzert für alle. Wenn es gut lief, haben wir bis zu acht Stunden an einer Schule gekeult. Jede Schule war zwar anders aber aus diesen drei Elementen konnte ich mich immer bedienen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit den Bandkollegen? Ihr habt das Ganze ja zu Dritt durchgezogen.

Till Kersting: Der Moritz (Gross am Schlagzeug, d.Red.) ist ja ein alter Schulfreund von mir. Er musste halt einen Monat Vollgas geben und sich das Zeug draufschaffen. Wir waren eine Band. Das ist das wichtige. Wir sind alle gleich alt, alle Abi 98, der Bassist auch, wir sind alle 1,86 Meter gross, wiegen alle unter 80 Kilo und tragen die Haare alle nach rechts rübergescheitelt. Wir sahen echt aus wie eine bisschen zu alt gewordene Boy-Group (lacht). Wir haben denselben Spass gehabt. Wir haben alle gleich viel Party gemacht wenn wir unterwegs waren, wir wurden gleich spät oder früh müde, wir hatten gleich schnell Hunger. Du bist echt eine homogene Einheit, die auf Tour ist. Und nicht Mietmusiker, die unterschiedlich alt sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben und von denen jeder Rückzugsmöglichkeiten für sich selber sucht. Das gab es bei uns nicht. Es war einfach 24 Stunden Family-Rock`n Roll. Gute Musiker gibt es wie Sand am Meer. Aber als Bandleader eine Band zusammenzuhalten die funktioniert, da musst du schon Glück haben. Und mit den beiden hat es einfach gestochen. Die Band ist immer nur wegen der Band gut und nicht wegen der Einzelleistung.

Deshalb ist Spanien ja auch Fussball-Weltmeister geworden. Weil sie zwar tolle Einzelspieler aber eben auch die beste Mannschaft hatten.

Till Kersting: Richtig (lacht). Und deshalb haben wir auch den verdienten dritten Platz gemacht. Obwohl auch wir viele starke Individuen in der Mannschaft hatten.

Gab es in den Schulen Situationen, bei denen dir der Arsch auf Grundeis ging?

Till Kersting: Ja. Manchmal dachte ich, die erschießen mich jetzt, es geht nicht weiter oder ich muss abbrechen. Sobald die Mädels das zu toll gefunden haben, was wir machen, kamen die Platzhirsche um die Ecke. Die sonst immer die Kings sind auf dem Schulhof. Und die haben teilweise echt versucht das zu sprengen. Durch Laut sein oder Scheisse reinlabern. Das war nicht nett. Ich habe dann versucht, die mit Möchtegern-pädagogischen Maßnahmen irgendwie zu maßregeln, so dass man die irgendwann dann auch im Boot hatte.

Zum Beispiel?

Till Kersting: Indem ich die ganz oft angesprochen habe und wirklich übermäßig versucht habe zu integrieren. Wenn das nicht geholfen hat, habe ich sie gegen die Wand laufen lassen und versucht sie vor allen lächerlich zu machen. Wobei ich da keine Beispiele nennen möchte (lacht).

Kommen wir nochmal auf die Frage zurück: Wer verdient was an so einer CD?

Till Kersting: Ich habe das immer versucht anhand der verschiedenen Verträge zu erklären. Denn ich kann ja nur das erzählen, was ich auch selber erlebt habe. Nur ein Beispiel: Ich habe bei der EMI angefangen mit der Band Tuesdays. Da hatte ich einen Künstlervertrag. Ein Künstlervertrag bei einer Major Company heisst, dass du als Einzelkünstler so um die 7 % verdienst, als Band so um die 10, maximal 12 % vom Händlerabgabepreis. Das ist der Preis, den der Einzelhandel, wie Saturn oder Media Markt, beim Vertrieb oder der Plattenfirma bezahlen muss, um eine CD einzukaufen. Kleinere Auflagen sind ein wenig teurer, bei grösseren Auflagen von irgendwelchen Teenie Pop-Stars wird der Einkaufspreis ein wenig geringer. Grob kann man 10 Euro als Schnitt nehmen. Bei 10 % ist das also 1 Euro pro verkaufter CD. Den man sich als Band dann aber auch noch teilen muss. Mehr ist das nicht. Und bei fünf Musikern bleiben dann für jeden gerade mal 20 Cent. Das heisst fünf CDs ergeben einen Euro pro Musiker, 5.000 CDs ergeben einen Tausender pro Musiker. Bei 15.000 oder 20.000 Abverkäufen bist du heute schon in den Charts. Aber dann hast du als Musiker gerade mal 3.000 oder 4.000 Euro verdient. Davon kannst du dann deine zwei, drei Monate leben und dann war es das. Dann bist du wieder genauso mittellos wie vorher, hast aber einen Chart-Entry. Das ist doch krank. Bei einem Künstlerdeal hast du zwar auch keine Kosten, weil du nichts vorfinanzieren musst, aber dafür musst du eben das tun, was das Label gerne hätte. Wir konnten da keine eigenen Ideen einbringen. Du bist quasi eine Marionette. Darüberhinaus gibt es noch Produzentenverträge, bei denen du zwar künstlerische Freiheit hast, aber erstmal alles selbst bezahlen musst. Da kriegt man in der Regel 20 % pro CD, was aber von der jeweiligen Plattenfirma abhängt. 10 % gehen für die Unkosten wie Studio und Musiker drauf und 10 % sind für dich. Meine letzte Platte hat ungefähr 20.000 Euro gekostet. Das heisst ich müsste 20.000 CDs verkaufen, um das wieder reinzuholen. Was ich aber nicht tue. Ich bin jetzt bei etwa 2.000. Es sind harte Zeiten, weil allgemein immer weniger CDs verkauft werden.

"Vielleicht klappt es und das dritte Album wird tatsächlich deutschsprachig."

Was erhoffst du dir als langfristigen Effekt von der Schul-Tour?

Till Kersting: Neben den ganzen Multiplikatoreneffekten vielleicht mal so eine Art Förderung. Vielleicht aus einem Topf des Kultusministeriums. Um zumindest die Kosten zu decken. Denn eins ist klar, die Schul-Tour hat allen Spass gemacht und war gut für die Kids und unser eigenes Karma-Konto. Aber klar ist auch, dass wir das in der Form nicht wiederholen können. Vielleicht koppeln wir dieses Schul-Projekt ab, weil es auch für sich alleine und ohne Tour funktioniert. Dann muss es sich aber auch alleine finanzieren. Das heisst, wir müssen klären, ob es Fördervereine an der jeweiligen Schule gibt, örtliche Sponsoren in der Stadt oder private Kulturförderer. Mit denen müssen wir dann Hand in Hand arbeiten, denn ich kann das nicht alles aus Köln organisieren. Man muss sich dann da auskennen, welche Hebel man beim Jugendamt, beim Kulturamt, der Stadt, dem Bürgermeister oder Sparkasse drücken muss. Es wird dann eine Pressemappe geben und einen YouTube-Clip. Auf meiner Homepage (www.tillkersting.de, d.Red.) wird es einen extra Bereich dafür geben. Da ist dann auf einer Seite alles drauf was du wissen musst und was das Ganze sein soll. Wenn wir das in trockenen Tüchern haben, überlegen wir jetzt schon, dasselbe an Universitäten zu machen. Diese Sache soll zwar nicht zuviel Raum einnehmen in meinem Leben, aber ich erhoffe mir davon ein solches Standing, dass man irgendwann tatsächlich mit Fördermitteln arbeiten kann und vielleicht einen Partner im Musikrat, bei der GEMA oder sogar in der Bundesregierung hat. Das bedarf zwar noch viel Aufbauarbeit, aber vielleicht funktioniert das ja irgendwann.

In erster Linie willst du aber Musiker bleiben und nicht selbst zum Kulturförderer werden, oder?

Till Kersting: Auf jeden Fall. Denn das habe ich auf der Tour wieder deutlich gemerkt. Wenn du auf der Bühne stehst, deine Gitarre spielst und dein Innerstes nach außen kehrst, dann ist das der Grund, warum du eigentlich das alles tust. Das ist es. Alles andere ist nett, aber Konzerte zu spielen, Leuten eine gute Zeit zu bereiten und dich selbst komplett auszupowern und Energie abzugeben, das ist das was ich will. Wenn man da Gutes tun kann und Leute einfach mitnimmt, dann ist das ein Ziel, das man nicht aus den Augen verlieren sollte. In diesem Geschäft wird schon genug über Leichen gegangen.

Wie sieht es denn mit einem neuen Album aus? Gibt es da schon Pläne?

Till Kersting: Das neue Album stelle ich mir im Kopf total groovelastig vor. Ich würde gerne versuchen, anders zu komponieren. Als Singer/Songwriter kommst du ja oft in diese Falle beim Komponieren. Heisst, wenn du mit deiner Akustikgitarre auf dem Sofa sitzt, um eine Variation in einem Song zu erzeugen, hast du Intro, Strophe, Bridge, Refrain und in allen Teilen andere Akkorde und Übergänge, um daraus eine Geschichte zu stricken und die abwechslungsreich zu gestalten. Wenn du tanzbare Musik machst und nicht als Songwriter im klassischen Sinne, dann hast du produzierte Beats, Rechner, Samples, mehr so dieses fragmentarische Musizieren. Dann komponiert man auch die Songs von vorneherein ganz anders. Ich würde gerne live mit einem Schlagzeuger zusammen Schlagzeugbeats entwickeln und mich von dem Rhythmus dann inspirieren lassen und die Songs drumherum stricken. Ich will halt von dieser klassischen Singer/Songwriter-Struktur weg, um mich weiterzuentwickeln. Ich werde auf jeden Fall in nächster Zeit mehr Prince und solche Künstler hören als Jack Johnson oder so. Ich würde das neue Album musikalisch gerne gewagter gestalten. Kranke Instrumentalteile einbauen, lange Intros, weg von dieser 3-Minuten-Radio-Songstruktur. Aber jetzt muss ich dafür erstmal Ideen entwickeln und in Kürze ja auch noch Papa werden (lacht). Im Frühjahr würde ich dann gerne ins Studio gehen. Mit Band. Das soll jetzt keine rechnerlastige Produktion werden.

Beim letzten Konzert im Blue Shell hast du zwei deutschsprachige Songs gespielt. Können wir also in Zukunft deutsche Texte von dir erwarten?

Till Kersting: Ich habe Spass daran gefunden, mich auch mal mit deutscher Sprache auseinanderzusetzen. Ich habe Marius Jung einige Male begleitet, einen Kölner Comedian und da habe ich mit "Hippiemädchen" den zweiten Teil des Programms eröffnet. Da fing das an. So eine Art Schlüsselreiz. Ich habe Kurzgeschichten geschrieben und die Texte dann auf Songlänge runtergebrochen. Für mich eine völlig neue Arbeitsweise. Ich möchte gucken, ob ich mit deutscher Sprache in Verbindung mit meinem musikalischen Ausdruck zurechtkomme. Vielleicht klappt es und das dritte Album wird tatsächlich deutschsprachig. Aber das werde ich erst beim Entstehungsprozess der neuen Songs merken.

Wenn du schon die Parallele zu Prince ziehst und jetzt noch vom Englischen ins Deutsche wechselst, dann kannst du dir ja auch so einen schönen Künstlernamen wie "The Artist Formerly Known As Till" zulegen.

Till Kersting: (lacht) Dann brauche ich aber noch ein Symbol.

Stimmt. Wie wäre es denn mit einem Schnuller? Das würde doch jetzt gerade gut passen.

Till Kersting: Ich glaube ich muss kotzen (lacht).

Das ist doch ein schöner Abschluss. Till, vielen Dank für das sehr nette und ausführliche Gespräch!


Alle, deren Interesse nun geweckt ist, können HIER mehr über die "Schul-Tour" erfahren! Und hier haben wir noch das Video zu "Try A Little Bit Harder" für euch:

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Newsletter abonieren! RSS Feed abonieren!
Evan Freyer
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Madonna Tickets bei www.eventim.de