(Underground Attack)
Es ist noch ein ganz frisches JahrÂ… drei Tage im Jahre 2007 sind bereits vergangen und wir bekommen die Gelegenheit im Januar ein Interview mit Jo und Juhis von Sleazy Dream in Helsinki zu führen.
Sehr nett und redefreudig unterhält man sich im Restaurant. Wir lachen viel und es sind keinerlei Spuren von Winterdepressionen im dunklen Finnland zu erkennen. Ganz im Gegenteil!
Wie habt ihr euer Silvester verbracht?
Jo: In der Saune mit ner Menge Bier. 200 Kilometer nordöstlich von Helsinki.
Juhis: Der Ort heißt Hirvensalmi, der westliche Teil von Savo.
Leben dort eure Familien?
Juhis: Nein. Der Platz, an dem sich die Sauna befindet gehört meiner Familie. Aber das ist nur ein Ferienort.
Wie lange seid ihr nun Mitglieder von Sleazy Dream?
Jo: Drei Jahre.
Juhis: Ich glaube wir nannten die Band Sleazy Dream als Pete dazu kam. Bei den ersten Proben im Februar oder April 2003.
Und was bedeutet der Name? Habt ihr etwa viele schmutzige Träume (=Sleazy Dreams)? (Gelächter)
Juhis: Es kommt darauf an wie man selbst “sleazy” interpretiert. Manchmal kann sogar Liebe sleazy sein in dieser hasserfüllten Welt. Es kommt also auf die persönliche Definition des Wortes “sleazy” an.
Wann habt ihr euch kennen gelernt?
Jo: Wir (Jo und ich) haben uns vor 10 oder 15 Jahren beim Eishockeytraining getroffen.
Juhis (lacht): Ja wir haben im selben Eishockey Team gespielt. Und wir trafen uns – natürlich – als ich das erste Mal zum Training kam.
Jo: Und Arska trafen wir... sechs...
Juhis: Das war 1999.
Jo: Wir haben eine Annonce in die Zeitung gesetzt... oder war es im Internet?
Juhis: Ja es war im Internet.
Jo: Jedenfalls... er antwortete auf die Anzeige und wurde unser Bassist. Unseren Drummer Pete lernten wir durch einen gemeinsamen Freund kennen. Wir brauchten zu der Zeit einen Drummer und unser Freund kannte einen.
Und es hat von der ersten Minute an funktioniert?
Jo: Ich weiß nicht, aber jetzt klappt es auf jeden Fall. (Gelächter)
Juhis (lacht): Ja es war gut genug für Rock n Roll.
Habt ihr schon viele Shows außerhalb Finnlands gehabt?
Jo: Letztes Jahr waren wir das erste Mal im Ausland unterwegs.
Wo war das?
Juhis: In Deutschland und Russland.
Jo: Und einige Shows in Turku.
Wie war das Publikum jeweils?
Jo: In Russland waren die Leute ein wenig fanatisch.
Juhis: Aber es war auch ein Festival.
Fanatischer als die Leute in Deutschland? Denn von Deutschland sagt man, es habe sehr fanatische Fans.
Juhis: Ich weiß nicht. Die Orte waren sehr unterschiedlich. In München spielten wir in einer Art Jugendzentrum. Darum war das Publikum natürlich jung und voller Energie.
In Russland spielten wir an einem Festival, bei dem die Leute sehr betrunken waren. Also hatten die auch viel Energie – aber andere. Doch ich denke das ausländische Publikum ist allgemein besser als das finnische.
Jo: In Finnland sind die Leute sehr zurückhaltend.
Juhis: Ja. Aber sie hören trotzdem zu. Sie zeigen ihren Respekt indem sie zuhören und nich wild herumspringen.
Vielleicht sind sie zu schüchtern... (Gelächter)
Juhis: Ja vielleicht... oder nicht betrunken genug.
Plant ihr nochmals in Deutschland aufzutreten?
Juhis: Sicher. Doch wir haben noch keine konkreten Pläne im Moment.
Aber bis jetzt wart ihr nur in München, oder?
Juhis: Ja. Wir haben ursprünglich versucht so viele Gigs wie möglich zu buchen, aber wir haben nur zwei Zusagen bekommen.
Ja ich denke es ist nicht einfach die Leute in den Club zu bekommen, wenn sie eine Band nicht kennen.
Juhis: Ja aber es ist immer sehr schwierig, da wir noch kein richtiges Album draußen haben. Wir haben keine Single, die man im Radio spielen könnte. Also müssen wir eine Menge Eigenarbeit mit E-Mails leisten, um die Leute von unserer Musik zu überzeugen. Hätten wir ein Album in den Läden, das die DJs spielen könnten, hätten wir es natürlich einfacher.
Aber ihr habt eine EP?
Juhis: Ja. Hier ist sie.
Was würdet ihr sagen sollte ein DJ spielen? Welcher Song ist der Favorit?
Juhis: Alle. Doch der erste ist der kürzeste... es ist sozusagen der Radiohit.
Savage side.
Juhis: Es ist der kürzeste Song, darum. Aber die anderen Songs sind mindestens so gut wie Savage Side.
Was steckt hinter eurem Logo?
Jo: Ich habe einfach John Lennon gehört. Es ist so ein Liebessymbol und es beinhaltet ein „S“ und ein „B“. Klar, es sieht ein wenig wie das Heartagram von HIM aus. Ich habe einfach versucht unsere Initialien „S“ und „B“ zu verbinden.
Juhis: Wir fanden das Logo gut, denn man kann es mit einer Linie zeichnen ohne abzusetzen. Hätte man ein Logo wie Aerosmith, könnte man es nie an eine Klowand malenÂ… dabei ist das die beste Werbung!
Werdet ihr an ein paar Festivals spielen in 2007?
Juhis: In Russland. Und wir planen an ein paar Festivals in der Slowakei aufzutretenÂ… aber das ist noch in Planung. In Finnland ist es schier unmöglich auf guten Festivals zu spielen, wenn du noch kein Album hast.
Ist denn ein richtiges Album geplant?
Juhis: Wir promoten uns selbst mit unserer EP und hoffen ein Label zu finden.
Habt ihr bereits einige Fans in Finnland?
Juhis: Naja wir haben ein paar Shows in Helsinki gehabt und ich habe ein paar Gesichter wieder erkannt. Wir können Clubs wie das Semifinal füllen.
Wie viele Leute gehen da rein?
Jo: Nicht so viele... ich schätze 160.
Was war euer kleinster Gig? Wieviele Zuschauer waren bei eurem ersten Auftritt?
Jo: Ich denke unser erster Gig war an einer Studentenparty. Da waren also recht viele Leute. Aber einmal haben wir in Lahti vor ungefähr 20 Leuten gespielt.
Juhis: Es ist unterschiedlich, da wir noch keine Singleauskopplung haben. Aber myspace hat uns schon viel weiter geholfen. Ich denke dies ist auch ein Grund warum das Interview jetzt statt findet.
Ja myspace ist echt eine tolle Sache!
Juhis: Du hast uns noch nicht spielen sehen! Jedes Mal wenn wir auftreten müssen wir die Leute von neuem von unserem Können überzeugen und nachher kommen sie meist zu uns und sagen „Das war eine super Show!“. Letztes Mal hatten wir 500 EPs dabei und die waren alle ausverkauft. Und das nicht in den Läden sondern an unseren Konzerten! In München hat glaube ich jeder eine CD gekauft. Es hat auch nur 5,-eur pro Stück gekostet.
Was war das Lustigste, das euch jemals on stage passiert ist?
Jo: Vor ein paar Monaten hatte Juhis lediglich zwei Gitarren dabei für einen Gig. Und bereits beim zweiten Song riss eine Saite. Er wechselte also die Gitarre und beim dritten Song riss schon wieder eine Seite!
Juhis: Ja dann musste ich mir die Gitarre des Headliners ausleihen. Er hat in der Zeit meine Saiten ausgewechselt.
Juhis: Und noch eine lustige Geschichte... wir hatten vor einiger Zeit noch einen zweiten Gitarristen und ich erinnere mich noch an eine Show in Turku. Bei einem der letzten Songs rissen ihm die Saiten und am Ende hatte er nur noch 2 Saiten an seiner Gitarre.
Aber ich denke die witzigsten Sachen passieren im Publikum.
Jo: Bei einer Show im “On the rocks” vor ein paar Monaten war da diese 70 Jahre alte Lady. Sie hat voll Party gerissen vor der Bühne. Das war wirklich witzig.
Vielleicht euer größter Fan – wer weiß wie fanatisch sie ist? (Gelächter)
Könnt ihr jedes Bandmitglied von Sleazy Dream in einem Wort beschreiben
Jo: Arska ist kukkohuuli.
Was bedeutet das?
Juhis: Es ist ein Insiderwitz. Eigentlich bedeutet es gar nichts, wir haben irgendwann einfach angefangen ihn kukkohuuli zu nennen. Bevor in München spielten haben wir die Leute dazu angestiftet ihn kukkohuuli zu nennen. Und er wunderte sich nur „Was zur Hölle geht hier vor sich? Woher kennen die meinen Spitznamen?“
Pete, unser Drummer ist lustig.
Reißt er oft Witze oder sieht er so lustig?
Juhis: Nein er ist einfach lustig... ja, und er reißt auch viele Witze.
Jo: Er ist ein positiver Mensch.
Juhis: Er ist immer fröhlich.
Jo: Juhis ist wütend.
Juhis: Und Jo ist musikalisch.
Was war das aufregendste Erlebnis, das ihr jemals hattet?
Juhis: Für mich war es vielleicht... letztes Jahr haben wir außerhalb Finnlands gespielt. Das war das Aufregendste für mich, denn ich hätte nie gedacht, dass das so einfach sein würde. Ich dachte es würde sich schwieriger gestalten.
In Russland hatten wir einen guten Auftritt. Da waren viele Zuschauer und nach der Show trafen wir einen Russen, der ein wenig finnisch sprechen konnte.
That was the most amazing thing because I couldn´t believe that it was so easy. I thought it would be much harder. Wir redeten mit ihm und er wollte uns ein paar Bars zeigen. Und jeder hatte uns zuvor noch gewarnt “Geht nicht mit Einheimischen weg! Ihr bekommt nur Ärger!“ Aber wir sind doch mitgegangen. In der Bar, die er uns zeigte war es billiger und wir betranken uns alle.
Jo: Als wir die Bar verließen sind wir zum Taxistand gegangen. Und da waren ungefähr vier Russen. Sie fingen an uns ohne ersichtlichen Grund zu schlagen. Wir sind schnell ins Taxi gesprungen und das letzte an das ich mich erinnern kann ist diese Faust, die direkt in mein Gesicht raste. Wir schlossen schnell die Türen und dann stellten wir fest, dass wir die Adresse unserer Unterkunft verloren hatten.
Juhis: Ja ich habe sie verloren.
Jo: Und wir saßen auch noch in unterschiedlichen Taxis und hatten keine Ahnung wohin wir mussten.
Get lost in Russland...
Juhis: Ich war sehr betrunken. Aber ich konnte mich an den Weg erinnern. Aber ich fand das alles gar nicht so schlimm... ich war die ganze Zeit über super gelaunt.
Mal angenommen ihr wärt sehr berühmt eines Tages... wie würdet ihr euch in der Öffentlichkeit verhalten?
Juhis: Ich weiß nicht... ich hoffe, dass es keine Auswirkungen auf mich haben würde. Natürlich würde es das aberÂ… im Prinzip möchte ich gar nicht daran denken. Das ist alles noch soooo weit entfernt im Moment. Wir müssen uns auf grundlegendere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel wie wir dahin kommen falls wir das möchten.
Jo: Ich denke nicht, dass wir uns ändern würden. Denn wenn du ein Arsch bist würdest du das auch weiterhin sein. Und falls nicht würdest du sicherlich auch kein Arsch werden, nur weil du berühmt bist.
Juhis: Nun... es wird natürlich eine Menge Druck auf dich ausgeübt werden und es käme darauf an wie du damit umgehen kannst. Es ist gut wenn du damit leben und es akzeptieren kannst. Aber falls du versuchst dich zu wehren, könnte es sein dass du anfängst die Leute zu bedrohen und zu gefährden.
Welches ist euer Lieblingsplatz in Finnland und auf der Welt?
Jo: In Finnland ist er der Ort, an dem wir zu Neujahr waren.
Juhis: Ja. Ich mag Helsinki und Tampere.
Jo: Aber wenn du glücklich bist, ist es egal wo du bist. Natürlich ist es aufbauend wenn du die Gelegenheit hast vor diesem ätzenden Wetter hier in die warme Sonne zu flüchten. Das macht einen schon fröhlicher.
Juhis: Es gibt da einen Park in Barcelona. Es ist einer der schönsten Orte, den ich jemals gesehen habe. Das ist mein Lieblingsplatz. Ich mag es dahin zu gehen, eine Flasche Wein zu trinken und nachzudenken. Das macht mich glücklich.
Wofür würdet ihr eure Seele verkaufen?
Juhis: Ich glaube ich habe sie bereits verkauft. Aber ich habe meine Bezahlung noch nicht erhalten!!
Jo: Ich hab ehrlich gesagt noch gar nicht darüber nachgedacht, ob ich eine Seele oder sowas Ähnliches besitze. Vielleicht sollte ich das mal tun...
Könnt ihr mir eure persönliche Album Top 5 nennen?
Jo: Im Moment ist das Queen und natürlich alles von Hanoi Rocks. Und „Appetite for destruction“ ist eines der wichtigsten Alben meiner Meinung nachÂ… ich denke das war das erste mal, dass ich Rock gehört habe.
Juhis: Ja da stimme ich zu. Natürlich auch Led Zeppelin und alles was Guns n Roses rausgebracht haben. Und Beatles „Abbey Road“. Ich kann dir keine Top 5 sagen, es gibt zu viele Sachen.
Okay wir sind am Ende angelangt. Wollt ihr uns noch etwas sagen?
Juhis: Ihr solltet uns live sehen!
Danke an Sleazy Dream für das nette und ausführliche Interview. Wir wünschen ihnen viel Glück für die Zukunft!