(Wirtz)
Mit seinem Debütalbum "11 Zeugen" ist Daniel Wirtz im vergangenen Jahr ein mehr als überzeugender Start gelungen. Der wachsende Erfolg liegt nicht nur in seiner unverkennbaren Stimme begründet, sondern vor allem in seiner authentischen, emotionalen und grundehrlichen Art Musik zu machen. Erdige Rockmusik mit deutschen Texten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. In seinen Songs geht es wie im Leben darum, eine Haltung zu haben und zu dem zu stehen was man denkt, wie man lebt, wie man sein oder was man tun will. Seine Konzerte sind Happenings, bei denen am Ende nicht selten die Party einfach weitergeht, weil niemand - auch Wirtz selbst nicht - gehen will. Am 23. Oktober erscheint nun sein zweites Album "Erdling" (hier ein Review) und anschließend geht der gebürtige Frankfurter auf Deutschland-Tour. Während der Proben nahm er sich trotzdem die Zeit zu einem ausführlichen Gespräch, in dem er gewohnt offenherzig über sich und seine Musik Auskunft gibt. Mit Daniel Wirtz sprach Thomas Kröll.

"Wir alle sind nicht mehr oder weniger wert, weil wir an dieses oder jenes glauben. Egal ob man grün, rot, schwarz oder sonstwas ist, wir sitzen hier alle in einem Boot. Wir sind alles nur Erdlinge" (Foto: Eva Zocher)
Hallo Daniel, vor gut einem Jahr haben wir uns das letzte Mal unterhalten. Damals war gerade dein Debütalbum "11 Zeugen" auf dem Markt und du warst auf Tour. Jetzt hast du mit "Erdling" den Nachfolger am Start. Da ich ja weiß, dass du dein Ding sehr ernst nimmst, die Frage: Welche Gefühle verbindest du mit dem neuen Album?
Daniel Wirtz: Ich glaube, das zweite Album ist für jeden Künstler erstmal das schwerste. Man weiß nicht, wohin die Reise geht und ob die Latte da hält, wo man sie mit dem ersten Album hingelegt hat. Insofern war das wohl das schwerste Album, das ich je gemacht habe. Auch von dem inneren Druck her, meinem eigenen Anspruch da gerecht zu werden. Und dementsprechend war das jetzt auch zeitlich begrenzt. Das heisst, das Veröffentlichungsdatum stand eigentlich schon bei Beginn des Albums fest. Dann musste man im Vorfeld schon die Tour planen. Von daher war der Druck schon sehr hoch. Wir haben alles gegeben, bis zur letzten Sekunde. Wie das immer so ist. Eine Punktlandung. Und als die dreizehn Songs dann standen, musste die richtige Reihenfolge gefunden werden, damit man einen Spannungsbogen auf dem Album hat. Das war dann nochmal die Kür. Jetzt wo es fertig ist, bin ich wirklich mehr als zufrieden. Es gefällt mir fast besser als das erste.
Ich habe "Erdling" vor kurzem bereits für Musicheadquarter besprochen und finde es ehrlich geil. Auch das Artwork finde ich übrigens überragend.
Daniel Wirtz: Das freut mich. Das war auch echt viel Arbeit. Ich weiß nicht, ob du gemerkt hast, dass das Artwork 3D-modelliert ist. Es war schon fast zeichentrickmäßig, das mit meinen Tatoos so hinzukriegen. Das hat eine fremde Agentur gemacht. Das wird man jetzt irgendwann auch noch in 3D zu sehen bekommen (inzwischen könnt ihr euch die 3D-Animation auf Daniel`s Webseite anschauen - http://www.wirtzmusik.de/, d.Red.). Dass es auch wirklich ein kompletter Körper ist und dass sich das alles auf den Seiten drehen wird. Ich glaube, ich habe dein Review sogar gestern schon gelesen. Das war eine sehr, sehr schöne Rezi.
Vielen Dank!
Daniel Wirtz: Das waren doch sogar zehn von zehn Punkten oder neun von neun, richtig?
Genau. Neun von neun.
Daniel Wirtz: Sehr gut! Das ist natürlich eine gatte 1. Die hätte ich früher in der Schule auch gerne öfter gehabt (lacht).
Nach meinem Empfinden ist "Erdling" musikalisch auf jeden Fall eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zu "11 Zeugen". Der Sound ist schön fett. Auf der anderen Seite finde ich, dass du deine Texte etwas entschärft hast.
Daniel Wirtz: Ich habe versucht andere Wege zu finden und Sachen anders auszudrücken. Ich habe überlegt, was denn so ähnlich tiefgehen könnte, wie es auf "11 Zeugen" der Fall war. Wenn mir zum Beispiel jemand sagen würde "Du bist total scheisse", dann wäre das so wie "Ja komm, du kannst viel erzählen". Aber wenn jemand kommen würde, zum Beispiel mein Partner, und sagt "Du bist echt hässlich wenn du schläfst", dann wäre das etwas, was mich extrem treffen würde. Und zwar ohne, dass er das Wort "ficken" oder "scheisse" oder "Arschloch" benutzt hätte. Verstehst du? Und dementsprechend habe ich halt diesmal versucht, den Dingen mit ein bißchen mehr Finesse und Wortwitz Ausdruck zu verleihen. Ich finde die Texte so eigentlich fast noch krasser. Wenn man zu jemandem "Arschloch" sagt, fällt das schnell mal hinten runter. Wenn ich aber zum Beispiel einen Text wie in "Anderer Stern" nehme, wo es heißt "Frag mich wie tief meine Sonne stand, als ich dich traf, dass ein Zwerg wie du so lange Schatten warf", ist das nach meinem Empfinden wesentlich härter.
Die Weiterentwicklung ist wie gesagt für mich vor allem in der Musik hörbar. Wieviel Anteil hatte dein Produzent Matthias Hoffmann an diesem Prozess?
Daniel Wirtz: Das läuft bei uns Hand in Hand. Wir haben natürlich den Vorteil gehabt, dass wir jetzt auf dem ersten Album aufbauen konnten. Man hat die Erfahrungswerte von "11 Zeugen" und konnte daran jetzt anknüpfen. Das Grundgerüst steht und wir haben es weiter verfeinert. Dementsprechend haben wir uns extrem viele Gedanken darüber gemacht, wie man das neue Album vom Sound her noch etwas tiefer kriegen könnte. Dadurch, dass ich mehr Gitarre spielen wollte, konnte man das auch nochmal mehr aufteilen. Dass man die Sache eben mit zwei Gitarristen aufrollt. Dadurch hat das Album eine neue Ebene hinzu bekommen, die so auf der ersten Platte eigentlich fehlt. Das stellen wir auch gerade bei den Proben immer wieder fest.
Um nochmals auf die Texte zurückzukommen... in "L.M.A.A." rechnest du mit oberflächlichen Musikjournalisten ab. Das ist mutig. Wieviel eigene Erfahrung steckt in dem Song?
Daniel Wirtz: Dadurch, dass ich mein eigenes Label habe, bekomme ich natürlich auch die ganzen Berichte zurückgeschickt. Und da waren halt teilweise ziemlich harte Sachen dabei. Konstruktive Kritik kann ich jederzeit akzeptieren, aber wenn es dann persönlich wird, frage ich mich, ob das noch was mit Journalismus zu tun hat. Diese Kritik gegen die Person gab es im Radio, in irgendwelchen Magazinen, ja selbst von Leuten im Internet, die nur ihren Kommentar dazu abgegeben haben. Die waren teilweise so grandios, dass ich dachte, da kannst du dir gleich schonmal die Strophen draus bauen. Und im Refrain gebe ich halt den Bumerang zurück. Und mit der Nummer rauszukommen, war für mich insofern dann auch eine kleine Genugtuung, weil ich weiß, dass die erste Single auch jeder von denen auf dem Tisch haben wird. Da checkt jeder gleich wer gemeint ist. Alleine, dass ich das weiß, war die Single schon wert. Auch wenn ich damit jetzt nicht offene Türen einrenne. Aber man muss ja auch mal was für sich machen (lacht).
Dein eigenes Selbstverständnis kommt ja schon in "Im freien Fall", dem ersten Song auf "Erdling", deutlich rüber. Wieviel von dir steckt generell in deinen Songs? Sind das hundert Prozent?
Daniel Wirtz: Also eigentlich sind sie komplett autobiographisch. Sicherlich hat man hier und da das Thema mal auf etwas anderes gelenkt oder es ein bisschen ins Extremere gezogen, damit es besser rauskommt. Das hat zwar teilweise fünfzehn Anläufe gebraucht, aber dann war es irgendwann so, dass es trifft und genau das ausdrückt, was ich damit sagen will.

"Ich musste dieses Oben ohne-Foto machen, damit man es auch checkt, dass da wirklich "Erdling" auf der Brust steht" (Foto: Eva Zocher)
Ja, mir ist auch aufgefallen, dass du dich auf "11 Zeugen" noch mehr mit solchen Sachen wie kaputten Beziehungskisten oder anderen psychischen Dramen beschäftigt hast. Auf dem neuen Album findet man dazu noch viele andere Themen. In "Meilenweit" beschreibst du die irrsinnige Welt, in der wir leben. "Frei" ist ein ganz klares Statement oder deine Kritik an der Verblödungsmaschine Castingshows in "Overkill". "11 Zeugen" war ja damals für dich auch eine Art Selbsttherapie. Jetzt hast du offensichtlich weit über deinen eigenen Tellerrand hinausgeblickt. Kann man das so sagen?
Daniel Wirtz: Genau, das kann man so sagen. Zumal in dem Jahr jetzt auch nicht viel passiert ist. In dem Sinne, dass man dieselben Fehler nicht ein zweites Mal macht. Wenn man sie zweimal macht, ist man halt dumm. Ich habe mich da musikalisch quasi an den Haaren herausgezogen und das mit mir selber ausgeräumt. "11 Zeugen" war eine Art musikalische Hilfe, die mich daran erinnert, dass ich bestimmte Sachen nicht noch ein zweites, drittes oder fünftes Mal erleben muss. Es gab nun nichts mehr, was mich in meinen Grundmauern erschüttert hat. Dementsprechend konnte ich textlich auch auf andere Themen gucken. Wie du schon sagst zum Beispiel in "Meilenweit". Ich meine, wir sind die höchst entwickelte Spezies auf diesem Planeten und sind doch meilenweit von dem entfernt, was unseren Fähigkeiten entsprechen würde. Wenn du siehst, was alleine im Kleinen um uns rum abgeht, da denkst du dir, manche Tiere, ja fast alle Tiere sind da wesentlich gesitteter. Alles ist im Kreislauf. Aber die einzigen, die sich in diesem Rhythmus, den die Erde nun mal hat, destruktiv verhalten, sind die Menschen. Und obwohl wir die einzigen mit Gehirn sind, sind wir diejenigen, die sich am schlechtesten benehmen. Ich hoffe, dass es so gelungen ist, dass es ohne erhobenen Zeigefinger rüberkommt. Es soll mehr ein Anstoss sein bei sich selbst nachzuschauen, was man aus seinem Leben macht. Und das dann vielleicht sogar mal ein wenig grösser zieht und auf die Welt reflektiert oder auf sein Umfeld.
Und warum der Titel "Erdling"?
Daniel Wirtz: "Erdling" habe ich mir damals auf die Brust tätowieren lassen. Das ist eine Art innerer Einstellung. Einer von vielen. Egal ob man grün, rot, schwarz oder sonstwas ist, wir sitzen hier alle in einem Boot. Das war für mich auch die Grundidee, mit der ich an das zweite Album herangegangen bin. Wir sind halt hier, wir haben unsere Fehler und wir sind halt so wie wir sind. Aber irgendwie kommen wir trotzdem nicht klar und kapieren es auch nicht, dass wir so sind wie wir sind. Und von daher war das der übergeordnete Begriff dafür, wie ich das ganze Album thematisch angegangen bin. Wenn du dir zum Beispiel einen Ameisenstamm anschaust, die ruinieren sich auch nicht gegenseitig, sondern kommen untereinander klar. Und nach einer Sportzigarette und einer Flasche Rotwein stellte ich mir dann vor, wir würden von Außerirdischen angegriffen. Vielleicht wäre das wirklich mal die Lösung, zu sagen, jetzt ist die Hautfarbe oder die Religion egal. Jetzt geht es um uns, um die Bewohner der Erde und jetzt müssen wir zusammenhalten. Denn wir alle sind nicht mehr oder weniger wert, weil wir an dieses oder jenes glauben. Wir sind alles nur Erdlinge. Vielleicht würde uns sowas zusammenschweißen. Aber dadurch, dass wir keine natürlichen Feinde mehr haben und mit dem Paradies nicht umgehen können, machen wir uns halt gegenseitig fertig.
Und ich dachte, das Erdling-Tatoo auf den Promo-Fotos wäre ein Fake, also ins Bild rein montiert.
Daniel Wirtz: Nee, nee. Ich musste halt nur dieses Oben ohne-Foto machen, damit man es auch checkt, dass das wirklich auf der Brust steht.
"Nada Brahma" bezieht sich auf eine alte indische Meditationsform. Meditierst du?
Daniel Wirtz: Nein, aber ich bin durch Zufall darüber gestolpert. Diese Theorie besagt ja, dass alles aus Klang besteht. Jeder Mensch und alles was existiert, bewegt sich durch Schwingungen und ist Klang. Dass es diese Meditationsart gibt, war mir bis dahin gar nicht bewusst. Aber dieses Bild fand ich, gerade als Musiker, klasse. Schöner kann man es eigentlich nicht ausdrücken. Ich habe jetzt noch gelesen, dass diese Meditation sechzig Minuten dauert. Was ganz witzig ist, denn das Album dauert auch sechzig Minuten.
Wenn du auf die Zeit seit der Veröffentlichung von "11 Zeugen" bis zum aktuellen Release von "Erdling" zurückblickst, haben sich deine Hoffnungen dann bisher erfüllt?
Daniel Wirtz: Wir sind mehr als zufrieden, wie das bisher funktioniert, wenn man mal bedenkt, dass das alles mit dem Matthias und mir am Ende zwei Mann zu stemmen haben. Von daher ist das, glaube ich, für die heutige Zeit fantastisch. Dass das ein langer und harter Weg wird war mir von vorneherein bewusst und dem Matthias auch. Dementsprechend haben wir uns auf diesen Weg auch eingestellt. Jetzt sind wir mit der zweiten Platte genau da, wo wir es erwartet hatten. Wir brauchen halt dann Zeit für das dritte Album und hoffen, dass uns die Lebenserhaltungssysteme bis dahin nicht ausgehen. Dafür müssen wir von "Erdling" die und die Stückzahl verkaufen und die ist auch realistisch angesetzt. Es ist alles im grünen Bereich und ich hoffe, dass wir da weitermachen können.
Im vergangenen Jahr hast du immerhin bei Rock am Ring gespielt.
Daniel Wirtz: Vom Namen ist das natürlich genau das, was ich gebraucht habe. Auch als Argument gegenüber den Medien, damit die einen auf den Schirm kriegen. So nach dem Motto: Wo muss er denn noch spielen, damit ihr mal darauf guckt? Das ist genau die Hausnummer, die man da als Künstler braucht. Mit dem ersten Slot des Tages ist das zwar immer so eine Sache, aber das war uns auch vorher bewusst. Obwohl wir auf der Alternastage waren, haben da natürlich nicht alle auf uns gewartet. Bei der Masse an Bands ist das kein Zuckerschlecken, sondern einfach auch Stress. 25 Minuten Spielzeit, das sind dann fünf Songs ohne Quatschen. Da braucht der Mischer zwei Songs, bis es draussen irgendwie klingt und dann hast du noch drei Nummern und dann musst du die Leute überzeugt haben oder du hast die ganz grosse Masse mal eben weggedisst. Von daher war der Druck und das ganze Drumherum schon sehr stressig, aber im Nachhinein sieht es natürlich toll aus, wenn man bei Rock am Ring mal auf dem Line-Up gestanden hat. Jetzt geht es darum, dieses Ding zu nutzen und zu halten und vielleicht irgendwann auch mal so wichtig zu sein, dass man da einen entspannten Gig hat.
Der Kontakt zu deinen Fans wird von dir außerordentlich gepflegt, wie ich bei deinen Konzerten immer wieder feststellen konnte. Befürchtest du, dass du mit zunehmendem Erfolg diesen Kontakt zu deinen Fans verlieren könntest?
Daniel Wirtz: Also ich versuche, das auf jeden Fall beizubehalten. Natürlich ist es was anderes, wenn du mit 1.800 Leuten im Club stehst und musst mit jedem ein Bier trinken, als mit 30. Da wäre ich ja tot nach einem Konzert (lacht). Das ist aber, denke ich, auch jedem da draussen klar. Es ist halt eine Frage, wie man mit den Leuten kommuniziert. Ich habe das bei MySpace ganz gut gelöst. Da kann man auf direkte Fragen eingehen. Außer wenn jemand fragt "Was machst du denn gerade?". Das sind E-Mails, wo man mittlerweile drübergeht, weil man da einfach keine Zeit für hat. Aber man kann da Blog-Einträge machen, über die die Leute mit einem kommunizieren. Was man vor allem nicht verlieren darf ist, dass man das persönlich macht. Das ist natürlich Arbeit. Aber andere Leute stehen viele Stunden auf dem Bau, also warum soll ich dann nach zehn Stunden Arbeit nicht noch vier Stunden im Internet sein?
Im Grunde bin ich völlig überrascht, dass dieses "Ding" Wirtz noch nicht abgegangen ist wie eine Rakete. Meiner Meinung nach gibt es nichts Vergleichbares im deutschsprachigen Rocksektor. Es gibt die üblichen Verdächtigen und es gibt die Lokalhelden. Aber es gibt nichts, was solche Texte mit solcher Musik verbindet.
Daniel Wirtz: Wenn du Massen erreichen willst, brauchst du natürlich Massenmedien. Und da wird mein Zeug in der Regel nicht so wahrgenommen. Ich glaube, dass es bei den grossen Radiosendern auch Redakteure gibt, die das ganz gut finden. Aber wenn du zum Beispiel "Ne Weile her" morgens um Acht auf den Mainstreamkanälen einsetzt und das hört dann der Sohn vom Gymnasiallehrer, dann geht da direkt das Telefon, wie die denn solche Musik spielen können. Ich weiß es nicht. Vielleicht ruft der Gymnasiallehrer auch an und sagt, oh geil, was ist denn das hier, können wir denn auch irgendwie mal in die Schule kommen lassen? (lacht) Ich hoffe halt, dass hier und da einer den Mut hat zu sagen, wir bringen das jetzt mal, spielen das und gucken was passiert. Aber ich habe mein eigenes Label, das sieht so ein bisschen unprofessionell aus. Ich hoffe, dass die mit der zweiten Platte sehen, okay, der meint es ernst. Wenn da Universal hinter stände, wäre das wahrscheinlich auch schon anders gelaufen. Dementsprechend war es klar, dass der Durchbruch nicht am ersten Tag passiert. Ich glaube aber auch, dass das erste Album noch nicht an seine Grenzen gestossen ist. Die, die es mitkriegen sind total geflasht und darum gehts. Einfach nur mal kurz gesehen werden und möglichst oft versuchen den Kopf mal aus der Masse rauszuhalten.

Das neue Wirtz-Album "Erdling" erscheint am 23. Oktober!
Die neue CD sieht ja von aussen schon toll aus. Da haben wir am Anfang schon drüber gesprochen. Wenn ich dieses tätowierte Baby mit seiner Basecap und dem Nasenring sehe, dann beweist das für mich einfach Geschmack.
Daniel Wirtz: Ich denke halt, wenn es innen drin gut ist, dann muss die Verpackung genauso sein. Ich weiß nicht, ob ich dir das letztes Jahr schon gesagt habe, aber ein Mon Cheri in Klopapier würde auch keiner kaufen. Genau die Liebe, die in der Musik zu hören ist, muss auch umgesetzt werden in der Art der Verpackung. Das ist wichtig für mich.
Bei unserem letzten Gespräch hast du mir erzählt, dass für eine Frau in deinem Leben im Moment kein Platz ist. Du hast wenig Freizeit, das Album kommt raus, das Label ist da und die Tour steht an. Bist du immer noch solo? Oder ist die Frage zu persönlich?
Daniel Wirtz: (lacht) Es ist inzwischen eigentlich noch weniger Zeit geworden. Aber wenn man sich verliebt, dann ist es halt so. Ich finde es mittlerweile wichtig, dass die Lady, wenn man eine hat, die Nummer 1 sein muss. Zur Zeit ist der Job aber das, wo ich alles reinschmeisse. Wer weiß, vielleicht geht die Platte auch den Bach runter und nächstes Jahr müssen wir aufhören, weil wir nichts mehr zu fressen haben. Dann habe ich hoffentlich noch ein paar Jahre Zeit mich einer Beziehung hinzugeben. Aber bevor ich jetzt versuche auf Krampf irgendwas reinzudrücken und dem dann auch nicht gerecht werden kann, bin ich da lieber ein bißchen vorsichtig, weil man das eine sonst wahrscheinlich damit wegschießt und das andere auch.
Du hast den ganzen Tag beruflich mit Musik zu tun. Hörst du privat noch Musik? Und wenn ja welche?
Daniel Wirtz: Zuhause genieße ich eher die Ruhe. Aber wenn ich in der Produktion einer neuen Platte stecke, höre ich mich schon um, was es so alles an Neuem gibt. Vor allem um Inspiration zu finden. Aber ich hole mir dann auch alte Sachen wieder auf den Schirm um zu gucken, wie haben die das denn gemacht. Das heisst, in der reinen kreativen Phase hört man mehr, aber das ist dann eher so jobmäßig. Ich habe oft das Problem, dass ich unglaublich abgelenkt bin wenn Musik läuft. Ich höre dann direkt, was macht der Bass, was spielt der Gitarrist, was macht der Schlagzeuger, worüber singt der. Ich kann ins Kino gehen und einen Film gucken und mich da berieseln lassen, kann in das Thema eintauchen und mich fallen lassen. Bei der Musik ist das komplett anders. Wenn beim Sex Musik laufen würde, dann wäre ich total nicht bei der Sache (lacht). Da geht bei mir oben im Kopf der Rechner an und dann kannst du es auch direkt sein lassen. Dementsprechend ist es privat eher still bei mir (lacht). Sobald irgendwas läuft, was mich selbst anfixt, bin ich da auch komplett im Film.
Ab Anfang November steht die neue Tour an. Im Vergleich zum letzten Jahr werden die Hallen langsam grösser. In Köln zum Beispiel spielst du nicht mehr im Luxor, sondern im Bürgerhaus Stollwerck. Freust du dich darauf oder macht dich das eher ein Stück weit nervös?
Daniel Wirtz: Nee, ich freue mich tierisch. Dadurch, dass ich mit den Leuten so viel persönlichen Kontakt habe über MySpace und solche Geschichten, habe ich sowieso eher das Gefühl, dass ich da vor einem Haufen Kumpels stehe. Übertrieben gesagt. Heute hat mich zum ersten Mal der Chef meiner Booking-Firma angerufen, der normalerweise nur mit so Leuten wie Bon Jovi oder Metallica telefoniert. Er hat die aktuellen Zahlen gesehen und ist total aus dem Häuschen. Der hat die letzten Jahre eben auch dran geglaubt und zur Not mit draufgezahlt. Das ist natürlich auch schön, wenn er sieht, es geht in die richtige Richtung. Wenn ich mir die Vorverkäufe anschaue ist das teilweise echt unglaublich. In Berlin sind jetzt schon knapp 600 Tickets weg. In Köln sind es so um die 500. Da muss jetzt erstmal die Platte kommen und die Werbung. Das ist bisher nur der reine Vorverkauf. Das ist schon unglaublich in welche Dimensionen das geht. Und ich freue mich wirklich tierisch. Jeder Club, in dem wir spielen, wird wahrscheinlich brechend voll sein. Die Leute werden mitfeiern und im Schweiß stehen und es ist für den Konzertbesucher natürlich auch ein gutes Feeling, wenn er in einem vollen Laden steht, wo alles springt und schreit. Von daher weiß ich, dass die Stimmung super werden wird. Zwei Minuten vor der Show geht das Adrenalin und der Puls dann doch mal kurz hoch, aber das hat nichts ängstliches oder negatives. In Frankfurt wollen wir übrigens eine DVD drehen. Es muss ein Laden sein, wo man gut mit einem Ü-Wagen rankommt. Da bieten sich Frankfurt, Berlin oder Köln an. Frankfurt könnte man aus Lokalpatriotismus nehmen, aber mal schauen.
Vielen Dank für das sehr nette Gespräch, Daniel!
Wer also zu einem der 17 Konzerte der im November startenden "Erdling"-Tour gehen möchte, sollte sich schleunigst sein Ticket sichern! Diese Termine stehen zur Auswahl:
08.11.2009 - Ludwigsburg, Rockfabrik
09.11.2009 - Ludwigshafen, dasHaus
11.11.2009 - Hamburg, Übel & Gefährlich
12.11.2009 - Lübeck, Rider’s Cafe
14.11.2009 - Berlin, Columbia Club
15.11.2009 - Leipzig, Moritzbastei
17.11.2009 - München, Backstage
18.11.2009 - Nürnberg, Hirsch
20.11.2009 - Augsburg, Kantine
21.11.2009 - Dresden, Beatpol
23.11.2009 - Frankfurt, Batschkapp
24.11.2009 - Köln, Stollwerck
25.11.2009 - Bochum, Matrix
27.11.2009 - Bielefeld, Kamp
28.11.2009 - Ahlen, Schuhfabrik
29.11.2009 - Hannover, MusikZentrum
01.12.2009 - Losheim, Eisenbahnhalle
Herzlichen Dank auch an Kai Manke von networkingMedia in Hamburg, der dieses Interview für uns möglich gemacht hat!