(Zebrahead)
Zebraheads jüngstes Album, "Panty Raid", erschien im Jahre 2009. In ihrer kalifornischen Heimat gilt die Band immer noch als Teil der Underground-Szene und auch in Europa genießen sie eher den Status eines Geheimtipps. Anders sieht das in Japan aus, wo sie zu den ganz Großen der Rockszene gehören. Die fünf Jungs aus La Habra, Orange County sind momentan auf Deutschland-Tour und heute treffe ich sie in der ausverkauften Essigfabrik in Köln. Eine fast schon unglaubliche Vorfreude bahnt sich an, als ich von der Security hereingewunken werde, um ein 15-minütiges Interview mit Ali Tabatabaee und Matty Lewis zu führen.

MHQ-Redakteur Marc Brüser eingerahmt von Ali Tabatabaee und Matty Lewis
Ihr habt schon eine ganze Reihe von Konzerten auf eurer Tournee hinter euch. Angefangen habt ihr in Großbritannien, wart letzte Woche in Japan und nun folgt eine Tour durch ganz Europa. Steht man da nicht irgendwann unter einem ungeheueren Stress?
Ali: Also für mich war das schon so. Mir bekam das Reisen einfach gar nicht und ich wurde echt krank. Auf dem Flug von Japan nach Hannover habe ich mich im Badezimmer des Flugzeugs übergeben. Es musste danach geschlossen werden.
Habt ihr irgendeine spezielle Verbindung zu Deutschland?
Matty: Meine Familie ist aus Deutschland.
Woher kommt sie?
Matty: Keine Ahnung! Das ist schon etwas länger her, noch vor der amerikanischen Revolution, also die Typen sind echt von der ganz alten Schule.
Kennt ihr irgendwelche deutschen Bands? Ihr habt ja im letzten Jahr einige Festivals hier in Deutschland gespielt.
Ali: Rammstein!
Matty: Ja Rammstein. Und die Hosen.
Ali: Die Toten Hosen.
Habt ihr euch mit ihnen mal unterhalten?
Matty: Ach, die würden doch niemals mit uns reden.
Ali: Wir haben versucht an der Security vorbeizukommen.
Matty: Aber die waren einfach viel zu groß.
Ali: Matty hat dann noch einen von ihnen an den Hintern gefasst.
Haben sie euch dann denn wenigstens vorbeigelassen?
Ali: Im Ernst, es war so ein riesiges Festival. Wir hatten gar nicht die Möglichkeit mit irgendwem zu reden. Wir haben unser Konzert gegeben, sind dann wie gewohnt in unsere Raumschiffe gestiegen und weitergeflogen (Matty deutet ein Flugzeug mit seiner Hand an).
Ihr seid immer einige Zeit im asiatischen Raum, vor allen Dingen in Japan unterwegs.
Matty: Eigentlich touren wir weitaus häufiger in Europa als in Japan.
Gibt es grundlegende Unterschiede zwischen asiatischen, europäischen und Konzerten in den USA?
Matty: Hm… lass mich nachdenken. Wir sprechen englisch in Amerika und… wenn wir irgendetwas Deutsches sagen würden, dann würden sie es nicht verstehen. In Japan sprechen wir japanisch und wenn wir dort deutsch sprechen würden dann… würden sie es auch nicht verstehen.
Deutsch könnt ihr soweit ich weiß relativ gut.
Matty: Ja. Ich kann ein paar Wörter sagen: "Muschikopf", "Schwanzkopf" und "Ich will einen geblasen bekommen, Schatzi".
Dein Deutsch ist ja zehnmal besser als mein Englisch!
Matty: Hat vielleicht was mit der Familie zu tun, keine Ahnung. "Muschikopf" ist übrigens irgendwo auf meinem Körper tätowiert. Aber du wirst niemals herausfinden wo!
Das hoffe ich auch. Ihr wart ja schon mit einer Masse von Bands auf Tour. Heute sind Attack! Attack! und MC Lars eure Supports. Habt ihr die beiden Acts selbst ausgewählt oder war das euer Label?
Ali: Wir waren das. Wir sind mit all den Leuten gut befreundet und es macht Spaß mit ihnen auf Tour zu sein. Außerdem wollten wir ihnen die Möglichkeit geben ihre Musik zu verbreiten.

Zebrahead sind: Ali Tabatabaee (Rap/Gesang), Matty Lewis (Gesang/Gitarre), Ben Osmundson (Bass), Greg Bergdorf (Gitarre) und Ed Udhus (Schlagzeug)
Euer Coveralbum "Panty Reid" umfasst unzählige Popsongs wie zum Beispiel "Survivor" oder "Girlfriend". Wie kam es zur Entstehung beziehungsweise wer hatte die Idee dazu?
Matty: Das war ein Gerichtsbeschluss und ein Teil unserer gemeinnütziger Arbeit.
Ali: Ja, in Wirklichkeit haben wir all die Weiber gestalkt und die Jury hat uns anschließend verurteilt die Songs zu covern. Also haben wir beschlossen daraus ein Coveralbum zu machen.
War es eigentlich ein Problem an die ganzen Lizenzen heranzukommen?
Ali: Nein, da wir sie nicht verändert, sondern nur gecovert haben. Das ist legal. Man fragt halt nach und dann geht das auch normalerweise in Ordnung.
Spielt ihr heute abend ein paar Songs vom Album?
Ali: Vielleicht, mal sehen. Normalerweise nehmen wir nur jede Menge Drogen und versuchen betrunken zu werden.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dann weitaus besser auf der Bühne ist.
Ali: Auf jeden Fall!
Habt ihr irgendein Lieblings-Cover?
Ali: Ich mag "Girlfriend" am liebsten, weil es einfach unglaublich viel Spaß gemacht hat das Video zu drehen.
Eure Videos erzählen ja generell immer kleinere Geschichten wie beispielsweise "Postcards From Hell". Sind die Ideen von euch oder vom Regisseur?
Ali: Normalerweise sind sie von uns. Wir geraten mit den Regisseuren immer ein wenig aneinander, weil sie die Videos immer ernster machen wollen. Wir versuchen da immer gegen zu halten, weil das einfach nicht unser Ding ist.
Stimmt. Das einzige wirklich ernstere Video was ich jetzt gerade im Kopf habe ist "Hello Tomorrow".
Matty: Das war so was von ernst. Kannst du dich noch an mein Gesicht erinnern (dreht sich zu Ali)?
Ali: Stimmt, du hast seit der Zeit eine Menge Gewicht verloren.
Matty: Dankeschön.
Ali: Nein. In Wirklichkeit wollten wir einfach nur zum Strand.
Zu etwas anderem: Interessiert es euch eigentlich was die Presse über euch schreibt?
Ali: Ich versuche so wenig wie möglich darüber zu lesen. Außerdem kann ich eh kein Deutsch. Ich glaube unser Bassist Ben interessiert sich dafür.
Matty: Da sind immer Leute die dich mögen oder nicht mögen.
Ali: Also für mich hat es keine sonderliche Relevanz.
Matty: Mich interessiert es nicht ob jemand mich nicht mag. Nur ob mich jemand mag (schaut zu Ali rüber).
Ali: Ich mag dich, Mann.
Matty: Echt? Ich dich auch!

Schild am Zebrahead Merchandising-Stand in der Essigfabrik
Eure Band wurde im Jahre 1996 gegründet. Gibt es irgendetwas was ihr vielleicht im bisherigen Verlaufe eurer Karriere lieber anders gemacht hättet?
Ali: Hm… ich weiß nicht. Ich glaube, ich hätte es mir zwei Mal überlegt mit der Nutte in Prag zu schlafen.
Matty: Ja, und ich klang echt so dermaßen beschissen auf unseren ersten Alben (Kleiner Joke: Matty ist erst seit 2004 bei Zebrahead, d.Red.).
Die waren auch nicht wirklich erfolgreich oder?
Matty: Ich weiss, ich weiss.
Ali: Aber im Ernst. Eigentlich war es wirklich allein deine Schuld, dass wir zu der Zeit keinen Erfolg hatten. Aber wir haben dir ja längst verziehen.
Matty: Sag mal, wie sieht eigentlich mein Haar heute aus?
Ali: Wart mal du hast da was (Ali fummelt Matty in den Haaren rum)...
Ich finde es passt doch.
Matty: Dank dir. Ich habs heute noch gar nicht angefasst.
Du bist genau so aufgewacht?
Matty: Ja.
Ali: Eigentlich verschwendet er die meiste Zeit damit seine Schamhaare zu rasieren.
Stehen die Frauen drauf?
Matty: Nein, leider nicht.
Die Typen?
Matty: Nein, auch nicht. Ich mag die Frauen lieber, aber die Frauen mögen leider mich nicht.
Wenigstens magst du deinen Schnitt. Ist doch auch was.
Matty: Ja. Und das wird sich auch nie ändern.
Hast du die Austin Powers-Filme gesehen? Da ist etwas, was du dagegen machen kannst.
Matty: Achja, die schwedische Penisvergrößerungspumpe.
Ali: Ganz im Ernst, das ist absolut nichts für mich.
Das Interview wird kurz unterbrochen als Bobby Conner, Zebraheads Tourmanager, stolz seinen nagelneuen "Loop Warmer" präsentiert. Für die, die wissen was das ist: Freut mich für euch. Ich werde es hier nicht weiter ausführen.
Wann ist die Tour eigentlich zu Ende?
Matty: Am 26. April.
Freut ihr euch darauf? Wie war die Tour eigentlich bis jetzt?
Ali: Super. Es ist nur irgendwie merkwürdig: Wenn du auf Tour bist, kannst du es nicht erwarten wieder nach Hause zu kommen. Wenn du zu Hause bist, willst du unbedingt wieder touren.
Ist irgendwas geplant bezüglich eines neuen Albums?
Matty: Wenn wir mit der Tour fertig sind, werden wir ein paar neue Songs schreiben.
Das wars auch schon. Irgendwelche letzten Worte an die deutschen "Muschiköpfe" da draußen?
Ali: "Vielen Dankeschön" für die ganze Unterstützung all die Jahre hinweg!
Und wir danken für dieses äußerst unterhaltsame Interview!
Ein Dankeschön auch an Ute Kromrey und Bobby Conner für ihre Unterstützung im Vorfeld und vor Ort!