20 Years Of City Slang

20 Years Of City Slang mit Menomena, Tortoise, Broken Social Scene

20.11.2010 Admiralspalast / Berlin

Von: Thorsten Schmidt

20 Years Of City Slang Berlin

Deutschlands bestes Label ist 20 und feiert Geburtstag – und wie: An drei Abenden werden jeweils drei Bands eingeladen, teils exklusive Sets zu spielen. City Slangs Heimatstadt Berlin bietet mit dem Admiralspalast den angemessenen Rahmen. Das altehrwürdige Gebäude von 1911 mit roten Samt-Logen und riesenhaftem Kronleuchter flauscht und glitzert edel wie die Musik der Protagonisten selbst!

Pünktlich ab 20 Uhr stellen Menomena aus Portland ihr aktuelles Album "Mines" und Hits aus dem phänomenalen Vorgänger "Friend And Foe" vor. Die sympathischen Hipster sind auf dieser Tour als Quartett unterwegs und bringen ihre intelligent-vertrackten Popsongs überzeugend aufs Parkett. Besonders wenn Frontmann Brent Knopf das Bariton-Saxophon rausholt wird es spannend – schade dass es nur 40 Minuten sind, aber dies ist ja auch ein "Mini-Festival".

Zur zweiten Band des Abends haben sich etwa 600 zahlende Gäste eingefunden - man hätte dem Veranstalter mehr gewünscht, aber der Stimmung tut das keinen Abbruch. Schließlich sind es keine geringeren als Tortoise auf der Bühne! Die Band mischte in den 90ern als erste Krautrock mit Jazz und Electro und gilt als Wegbereiter des Postrock. City Slang hatte deren erste drei Alben exklusiv in Europa vertrieben, und so ließen es sich die fünf Herren um Mastermind John McEntire nicht nehmen, reichlich Material aus denselben zu spielen. Dabei wurde eifrig von Bass zu Gitarre, von Sequenzer zu Schlagwerk und Vibraphon gewechselt. Über 75 Minuten wird so ein eklektischer Klangteppich gewebt und diesem rundum edlen Ambiente majestätische Momente kreiert!

Abschließend sorgen Broken Social Scene bis kurz nach halb Eins für eine zünftige Party: Mit "KC Accidental" lassen die liebenswerten Kanadier nichts anbrennen und legen gleich ein Herzstück auf das Tablett. Zuweilen zu zehnt auf der Bühne und mit bis zu fünf Gitarristen (gleichzeitig Multiinstrumentalisten) fahren sie eine fette Soundwand auf, sodass insgesamt etwas wenig Luft zum Atmen bleibt. Emotionaler Höhepunkt wird somit das sanfte Doppel "Lover’s Spit / Anthems For A Seventeen Year-Old Girl", bei dem sich Lisa Lobsinger und die "Jungs" in einen wahren Rausch singen. Schön zu sehen, dass auch neue Tracks wie "Forced To Love" oder "Sweetest Kill" die mittlerweile auch schon elfjährige Formation in Hochform zeigen. Effektiv unterstützt mit Sounds und Percussion werden sie dabei von John McEntire, der auch ihr aktuelles Album "Forgiveness Rock Record" produzierte. Die Hymne "Meet Me In The Basement" schließt ein 95-minütiges Set ab, die Fans schmeißen die Arme in die Luft und jauchzen. Leider bleibt nur noch Zeit für eine Zugabe, aber der Abend ist so oder so gelungen: City Slang, wir wünschen dir noch Zig-Mal-zwanzig Geburtstage und weiterhin erfolgreiche und so hervorragende Veröffentlichungen!

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