30 Seconds to Mars

Tour 2008 Support: Full Duplex

11.02.2008 Palladium / Köln

Von: Shirin K

30 Seconds to Mars Köln

30 Seconds To Mars in sind spätestens seit ihrem Hit "The Kill" eine der etabliertesten Emo-Bands der Welt. Ich gestehe, dass auch ich zu den Leuten gehöre, die vor der aggressiven Promotion-Maschinerie dieses Songs noch nie was von 30 Seconds To Mars gehört hatten. Ich wusste noch nicht mal, dass Jared Leto, der Kopf dieser amerikanischen Band, ein begnadeter Hollywood Schauspieler ist. Wie man hört, scheint er allerdings wenig auf seine Hollywood-Karriere zu geben und möchte eher als seriöser Musiker verstanden werden. Nun ja, ein Exklusivkonzert dieser Band kann natürlich nur ausverkauft sein, was man nicht zuletzt daran erkannte, dass es furchtbar schwer war, an dem besagten Tag einen Parkplatz in der Nähe des Kölner Palladiums zu finden. Schon vor dem Eingang standen Fans, die sich durch ihre Schminke (ein weißer Balken unter den Augen) und ihrer Fan-Shirts als Die-Hard-Fans zu erkennen gaben. Ansonsten war das Publikum sehr gemischt. Außer dem üblichen Prozentsatz an aufgeregten jungen Mädchen, die schon in Hundertschaften vor der Bühne standen (oder besser: aufeinander gestapelt waren), waren die Besucher bunt gemischt, was Alter und Geschlecht angeht.

Zum Auftakt spielte die eher unbekannte deutsche Band Full Duplex. Ein ziemlich chaotischer Elektro-Act, zu hart für Weiber-Elektro und zu stylish für EBM, aber doch recht tanzbar. Mir ist es allerdings ein Rätsel, warum ein solcher Act als Vorgruppe von 30 Seconds ausgesucht wurde. Das Publikum schien auf jeden Fall nicht besonders angetan zu sein und so bekamen Full Duplex den meisten Applaus für ihren Abgang. In der Pause wurde die Bühne mit einem weißen Tuch vor den neugierigen Augen der Zuschauer abgedeckt. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis dann endlich die ersten gewaltigen Klänge von O Fortuna aus Carmina Burana erklangen (wir schauen mal gnädig darüber hinweg, dass das ein wenig abgelutscht ist Â…). Die Bühne wurde in glühendes rotes Licht getaucht und hinter dem Tuch wurden nach und nach die überdimensional großen Silhouetten der Bandmitglieder sichtbar.  Mit dem finalen Chor von O Fortuna setzten auch die Drums von Battle of One ein und als die Leinwand endlich fiel und den Blick auf die Band und eine giftgrüne Lasershow freigab, gingen die ersten 30 Sekunden (hehe) des Songs in tosenden Applaus und Gejohle fast unter. Was für ein Auftakt!

Ab da gab es dann kein Halten mehr. Jared Leto in seinem leuchtend blauen Mantel und die restlichen Bandmitglieder hatten vom ersten Takt an die Menge unter ihrer Kontrolle. Mit dem Opener „Battle of One“ starteten sie das Konzert mit einem recht aggressiven und schweren Titel, völlig frei von Emo-Allüren oder sonstigen Weichei-Attitüden. Letho, der wie die Fans komische weiße Balken unter seine Augen gemalt hatte, scheint sowohl ein hyperaktiver als auch redseliger Mensch zu sein (seine Ansprachen an das Publikum dauerten bisweilen Minuten). Wie von der Wespe gestochen umkreiste er während des gesamten Konzerts auf seinen dünnen Gazellenbeinchen die Bühne, machte hospitalistisch-aerobische Bewegungen vor dem Mikro und feuerte mit weit aufgerissenen Augen die Menge an, lobte sie und bedankte sich immerfort für den schönen Abend. Dass der Mensch wahnsinnig sein muss, wurde schon nach dem zweiten Lied „Savior“ offenbar, als Letho die hinteren Reihen dazu aufforderte auf sein Kommando zwei Schritte nach vorne zu springen, was die Lemminge natürlich auch sofort taten. Folge: Die ersten Reihen klappten beinahe zusammen und in den darauf folgenden Minuten wurden etliche junge Mädchen, denen die Luft weggeblieben war, von der Security herausgezogen. WahnsinnÂ…

Musikalisch war der Abend ein absolutes Feuerwerk für die Ohren. Wer einen weinerlichen Emo-Abend erwartet hatte, wurde bitterlich enttäuscht. 30 Seconds klingen live so heavy, dass es eine Freude ist. Mit „The Story“, „Beautiful Lie“ und „The Kill“ wurden alle Hits der letzten zwei Jahre zum Besten gegeben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf das fantastische und kunstvolle Video zu „Beautiful Lie“ hinweisen, das, wie der Wahnsinnige erzählte, auf Grönland gedreht wurde und mit dem die Band ihre Fans auf die globale Erwärmung aufmerksam machen möchte. Aber auch die Hardcore-Fans kamen voll auf ihre Kosten. 30 Seconds spielten einen ihrer ältesten Songs, das sehr rockige „Capricorn“, dann das fast schon wavig anmutende „Buddha For Mary“, des weiteren „The Mission“ und ein Mini-Solo-Akustikgitarren-Medley von ein paar anderen Songs wie „Oblivion“ und „Message in the Bottle“. Bei „A Modern Myth“ setzte fast so etwas wie eine innere Einkehr ein und man hörte nur noch Jared und die Menge den (höchst melancholischen) Text singen und einander „goodbye“ sagen. Das Konzert wurde allerdings erst mit „The Fantasy“ beendet.

Zwischendurch versuchte der Wahnsinnige „Köln“ richtig auszusprechen und war damit auch recht erfolgreich (nicht zuletzt bei den viele Damen, die das sehr süß fanden), versuchte zu verstehen, was das Publikum mit „scheiß Tribüne“ meinte (er mutmaßte, dass es so etwas wie „fuck you“ bedeutete) und äußerte sich enthusiastisch über die im Publikum hochgehaltenen „We will never fade away“ Plakate. Gegen Ende ließ er alle gemeinsam schwören, dass sie diesen Abend nie vergessen würden (dazu mussten alle die beiden Zeigefinger mit hocherhobenen Armen aneinander halten). Tja, ein unvergesslicher Abend würde ich sagen, der meine Erwartungen bei Weitem übertroffen hat. Die Band hat es zwar nicht nötig, dass man für sie Werbung macht, aber ich kann 30 Seconds to Mars als Live-Band nur empfehlen. Das nächste Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei, wenn der wahnsinnige Jared Leto und seine Kollaborateure auf Tour sind!!

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Sebastian Black