A Day To Remember

The Game Changers Tour 2011 - Support: Adept, Pierce The Veil, Bayside

19.02.2011 Grosse Freiheit 36 / Hamburg

Von: Melanie Schupp

A Day To Remember Hamburg

A Day To Remember haben in den letzten zwei Jahren einen raketenmäßigen Karrierekick erlebt. Kein Wunder also, dass die Große Freiheit in Hamburg bereits Wochen vorher ausverkauft war. Vier Bands sollten an diesem Abend die Besucher begeistern, weshalb der Einlass auf 17.30 Uhr statt der geplanten 18.30 Uhr vorverlegt wurde.

Leider verpassten wir dadurch den Startschuss zur ersten Band und nur noch die letzten zwei Songs waren uns vergönnt, als wir kurz nach 18 Uhr den bereits stark gefüllten Saal betraten. Der Altersdurchschnitt schien auf den ersten Blick ziemlich jugendlich und voller Vorfreude folgte die Menge dem Set von Adept.  Ein sehr kurzer aber guter Eindruck blieb von den Jungs aus Schweden (die einzige europäische Band des Abends) als ihr Auftritt Punkt 18.15 Uhr leider schon endete, obwohl laut (korrigierter) Eintrittskarte um diese Uhrzeit überhaupt erst Beginn sein sollte.

Schnell wurde umgebaut und 18.30 Uhr traten Pierce The Veil aus San Diego zu einem instrumentalen Intro auf die dunkle Bühne. Sänger Vic Fuentes schien ein wenig aus der Puste und oftmals gingen streckenweise die Gesangsparts unter. Vielleicht machte ihm der bitterkalte deutsche Winter zu schaffen, immerhien sei dies die erste Tour in Deutschland wie Vic verriet. Doch im Laufe der Show pendelte sich der Gesang, der ab und zu an Sonny Moore, Exsänger von From First To Last erinnerte, ein. Die Jungs zeigten sich körperlich sehr agil on stage. Die Menge bebte und nach und nach steigerte sich die Tanzfreude. Becher flogen fröhlich durch die Luft während Vic einen Circle Pit anregte, der unverzüglich in Angriff genommen wurde. Plötzlich warf Vic seine Gitarre weg, die sofort vollkommen unrocknroll von einem Roadie aufgefangen wurde. Doch alles hatte seinen Sinn, denn während der Roadie das Gitarrenspiel übernahm, ging Vic auf Tuchfühlung mit den Fans im Securitygraben. Zum letzten Song stand dann noch Jeremy McKinnon von A Day To Remember neben Vic und sang mit ihm gemeinsam "Caraphernelia". Das heizte die sowieso schon wilde Meute erst recht an.

Doch kurz darauf es hieß leider erstmal abwarten statt abgehen. Denn nach dem Song stand der vorletzte Umbau des Abends auf dem Plan. Band Nummer vier hob den Altersdurchschnitt der auftretenden Künstler um ein paar Jahre an. Bei Bayside machte sich sofort Professionalität und die jahrelange Bühnenerfahrung bemerkbar. Eine grandiose Liveperformance und top Qualität sprachen für sich. Mit "Already Gone" des brandneuen Albums "Killing Time" startete die Band sogleich durch. Die Männer auf der Bühne rockten, doch die Menge schien ein wenig zurückhaltend... Oder vielleicht eher ratlos. Dann irgendwie ließ sich zu dieser Musik kein Circle Pit formieren. Darum stand die Menge eher ruhig da und spendete an den richtigen Stellen Applaus. Doch den etwas Älteten und / oder Punkrockbegeisterten schlug das Herz etwas höher. Vor allem als eine gelungene Coverversion von Nofx's "Linoleum" erklang schwelgten diejenigen, die es kannten in nostalgischer Glückseligkeit.

Um 19.45 Uhr wurde es dann höchste Zeit für die Hauptband des Abends. Der Startschuss fiel im wahrsten Sinne des Wortes in Form von Konfettikanonen. Zwei riesige Sandsäcke säumten das Schlagzeug. Auch wenn die Musiker von A Day To Remember nicht aussahen als würden sie mit Sandsäcken - oder ohne  - trainieren, zeigten sie sich von ihrer fitten Seite und waren von der ersten Minute an stets in Bewegung. Mit "2nd Sucks", "The Danger In Starting A Fire " und "A Shot In The Dark" legten sie sich voll ins Zeug und gaben 100%. Sänger Jeremy verstand sich gut auf Kommunikation und Interaktion mit dem Publikum, das ihm sofort an den Lippen hing und alle Texte mitsingen konnte. Und das oftmals in solch einer Lautstärke, dass man den Eindruck bekam, es könne die Musiker bald umfegen. Die Hitliste von ADTR war lang. "My Life For Hire", "I'm Made of Wax, Larry, What Are You Made Of? " oder "This Is The House That Doubt Built" um nur ein paar zu nennen. Sie wussten was die Fans glücklich machte und ein breites Dauergrinsen auf Jeremy's Gesicht bewies, dass auch er seinen Spaß hatte. Bei "You Already Know" regnete es Klopapierrollen, die sich munter ihren weg über den Köpfen des Publikums bahnten. Sämtliche Arme  schossen in die Höhe und schwenken zum Takt von "Homesick".

Auch die Zahl der Crowdsurfer hatte sich gesteigert und freudig schüttelte Jeremy einem Ankömmling die Hand. Auch die Nikolausmütze, die auf der Bühne landete wurde von ihm gewürdigt und Joshua aufgesetzt. Es folgte ein gewaltiger Circle Pit, der fast die gesamte Breite des Raumes einnahm. Viel zu früh verklangen die letzten Töne des vorläufig letzten Songs "You Should Have Killed Me When You Had The Chance".

Doch natürlich konnten ADTR der überschäumenden Begeisterung nicht lange widerstehen und erschienen fix wieder zur Zugabe. Nun griff Jeremy zur Gitarre und gab "It Means A Lot To You" zum besten. Es leuchteten sogar richtige Feuerzeuge auf in einer Generation, in der  ein erprobter Konzertgänger dachte, dies sei mittlerweile vollständig durch die Displaybeleuchtung  des Handys ersetzt worden. Doch nichts kommt dem Charme des guten alten Feuersteins gleich und die Atmosphäre war überwältigend. Und schließlich ertönte doch noch der Song auf den alle gewartet hatten. Zu "Downfall Of Us All" purzelten überraschend Bälle in die Menge, von denen sich einer im Lichtgestänge der Freiheit festsetzte und vielleicht heute noch dort verweilt. Dann kamen ADTR wirklich zum Ende ihres Sets. Ungelogen der gesamte Saal (exklusive der alleräussersten Randbereiche) sprang bei "The Plot To Bomb The Panhandle" mit. Dies hätte sicherlich ein Erdbeben mittleren Grades gehabt, wären im Publikum nicht gar so viel Leichtgewichte gewesen. Jeremy schnappte sich noch schnell Kamera seines Tourfotografen und filmte die Menge.

Mit einem Knall aus der Glitzerkonfettikanone endete dann auch jäh das Vergnügen. Ein gewaltiges Konzert, das dem ungebremsten Erfolg von A Day To Remember mehr als gerecht wird.

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