Accept

Blood Of The Nations World Tour 2011 - Support: Steelwing

09.02.2011 Live Music Hall / Köln

Von: Thomas Reuter

Accept Köln

Heute wird endlich mal wieder ein Verriss geschrieben. So! Mit dem Vorhaben fahre ich schlecht gelaunt nach Köln. Nach einem für das Erledigte viel zu langen Kundentermin, bei dem ich mich mal wieder angemessen über den Magenta-farbenen Telekom-Anbieter ärgern konnte. Dann sind natürlich wieder nur Idioten unterwegs (bei eher kurzer Fahrzeit von Bonn), und die ganzen Arschlöcher haben mir doch in der Tat noch einen Parkplatz direkt vor der Live Music Hall freigelassen. Das kann man doch nur als perfide bezeichnen. Das bestellte Kaltgetränk kommt dann auch noch prompt, wenigstens ist es teurer als erwartet. Ha!

Zur Vorband Steelwing komme ich ohne große Probleme bis in die fünfte Reihe, das hat doch System... Hmm, Englisch-Abend heute. Die Bochumer sind fleißig dabei, die britische Konkurrenz von den Bühnen zu verbannen. War in den 80ern die Marshall-Wand Pflicht, stehen da jetzt vier halbe Türmchen – hat sich wohl die Roadie-Gewerkschaft durchgesetzt... oder das wenige gute Zeug reicht halt einfach aus. Okay, es füllt sich, und der Altersschnitt verweist sogar den von den Scorpions Ende letzten Jahres in die Schranken. Immerhin sind es weniger, die Live Music Hall ist doch deutlich kleiner als die Köln-Arena, oder nach welchem Werbeträger sie zurzeit noch benannt sein mag.

Licht aus, basslastiges Metal-Intro. Da stiefelt ein langhaariger Jungspund in Nieten und Leder auf die Bühne, winkt und setzt sich hinters Schlagzeug. Dann noch drei von dem Format – Jeans- und Lederwesten (eine Rot!), weiße Knöchelturnschuhe, glänzende Stretch-Hosen, der Sänger hoppelt herein mit Ray Ban-Pilotenbrille, die Gesichter um mich herum (meins bestimmt auch) verlieren ihre Falten – wir sind fast so 80er wie in "Ashes To Ashes" (coole BBC-Serie, Nachfolge von "Life On Mars"). Okay, das Ibanez-Logo auf der Gitarre ist zu klein, die Gitarrenform wurde erst in den Endachtzigern erfunden, der Fender Jazz Bass und die B.C. Rich Mockingbird gab’s damals aber schon. Hat zwar meiner Erinnerung nach kein Metaller gespielt, nur Slayer hatte die kantigeren Modelle des Hauses Rich mit auf der Bühne, aber geschenkt. Leise hat man die Kids von Steelwing gedreht. Klingt wie mit Gehörschutz, habe aber gar keinen drin (Fehler!). Der rechte B.C.-Gitarrist kriegt denn auch im zweiten Song seinen Funker kaputt und muss auf Kabel wechseln, das er nicht in einer Schlaufe um den Gurt zieht, sodass er sich das Kabel später noch zweimal selbst aus der Gitarre zieht. Der Sänger bekommt Probleme mit dem Funkmikro und der Mischer braucht ein ganzes Lied um zu merken, dass kein Gesang da ist. Aber dennoch hat sich Bolle... will sagen: der Autor amüsiert. Steelwing ist eine gut aufeinander eingespielte Band, der Sänger kann was, Grund genug, sie mal anzuschauen. Es erinnert etwas an sehr frühe Maiden Nummern.

Umbau. Der langsamste Roadie des Universums kümmert sich um die Saiteninstrumente, ein recht abgefahrenes Drumset wird enthüllt, rechts und links vom Double Bass-Set (eine der Bass-Drums steht aber nur zur Show da) hängen 24“ Tom-Kessel, das ist die Größe der Bass-Drums. Das habe ich so im Aufbau noch nie gesehen. Wird dann aber von Stefan Schwarzmann wirklich benutzt. Test reihum, alles funktioniert, ein Weilchen warten, der langsame Roadie gibt Lichtzeichen, Saal-Licht aus und das Intro von "Shades Of Death" beginnt.

Auftritt Musiker. Dann geht es mit "Teutonic Terror" los und ich verfluche mich, keinen Gehörschutz dabeizuhaben. Es pfeift 24 Stunden später immer noch. Brachial laut, Phonstärken schlagen mir um die Ohren. Die Band geht extrem routiniert zur Sache, Peter Baltes ist extrem gut gelaunt, Wolf Hofmann macht seine bekannte Grimastik, obwohl ich glaube, dass er dies in den letzten Jahren weiter perfektioniert hat – auch er gut aufgelegt in ein aktuelles Tour-Shirt gekleidet. Nach "Bucket Full Of Hate", einer weiteren neuen Nummer, kommt "Starlight", und spätestens bei "Lovechild" und "Breaker" sind alle im Publikum wach und mit dabei. Die Band stellt die Formationen auf, die sie bekannt gemacht haben. Sehr beeindruckt hat mich das Frage-Antwort-Solo-Spiel von Peter Baltes und Wolf Hoffmann. Schön gemacht, sehr cool präsentiert. So jetzt das Verriss-Element, das ich mir nicht nehmen lassen kann: "Fast As A Shark". Geile alte Nummer, Accept erschufen damit ein Ursprungsmoment des Speedmetal. Die Präsentation heute wackelt und wabert aber für eine sonst so sichere Band enorm. Sieht man dagegen junge Bands wie die oben beschriebenen Steelwing oder erst recht junge Prog-Bands wie beispielsweise die unweit der Live Music Hall probenden Pantaleon, dann weiß man, was in Punkto schnellen Zusammenspiels heute State of the Art ist.

Ansonsten schwelgt man allenthalben in der Vergangenheit, z.B. an der Theke: "Weißte für mich gibbet nur zwei Bands: Accept und AC/DC, sonst nix. Als drittes noch Iron Maiden...“. Accept bieten dem Publikum, was es erwartet: die Band noch mal so zu hören, wie sie damals war. "Die gleichen Gesichter haste 1985 in Wuppertal auch gesehen!", sagt einer neben mir. Chorgesänge, die von der Band noch gesteigert werden, erreichen beachtliche Lärmpegel. Natürlich brülle ich mit. Dafür bin ich ja auch da. Zufrieden heraustapsend höre ich eine sehr bekannte Stimme: Earn, mit dem ich 1986 - 1994 in den Bands Seconds Of Pain und später Brainfade zusammen musizierte. Sein Bruder, Chris, damals unser Basser, ist auch dabei. Noch einen netten Schnack, und danach in Erinnerungen schwelgend heimfahren. So endet der anfänglich durchwachsene Abend doch angenehm.

Setlist Steelwing:

The Illusion
Headhunter
The Nightwatcher
The Zone Of Elemination
Sentinel Hill
Clash Of The Two Tribes
Roadkill (...Or Be Killed)

Setlist Accept:

Teutonic Terror
Bucket Full Of Hate
Starlight
Lovechild
Breaker
New World Coming
Restless & Wild
Son Of A Bitch
Demon’s Night
Slaves To Metal
Neon Nights
Bulletproof
Loosers And Winners
Aiming High
Princess Of The Dawn
Up To The Limit
Burning
---------------
Fast As A Shark
Bad Habit
Balls To The Walls

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