AC/DC

Black Ice Tour 2009 - Support: The Answer

09.03.2009 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Thomas Kröll

AC/DC Oberhausen

Der "Rock`n Roll Train" rollt wieder! Acht Jahre nach ihrer Stiff Upper Lip-Tour machen AC/DC endlich wieder für sieben Hallenkonzerte Station in Deutschland. Entsprechend gross war der Hype nach Tickets. Beim Vorverkaufsstart im Oktober letzten Jahres meldeten sämtliche Anbieter nach rekordverdächtigen 12 Minuten bereits "Ausverkauft"! Immerhin folgen im Mai nochmal fünf Open Air-Termine des Quintetts aus Australien. "Black Ice" hieß ihr letztes Album (ebenfalls das erste nach acht Jahren Pause) und in den mittlerweile 36 Jahren ihres Bestehens haben AC/DC und ihre Fans wohl so ziemlich alles erlebt, was es im Hardrock-Zirkus zu erleben gibt.

12.000 von ihnen sind an diesem Abend in die Oberhausener König Pilsener Arena gepilgert, einige als Angus Young-Kopie stilecht in Schuluniform. Wer möchte, kann sich zusätzlich noch mit rot-blinkenden Teufelshörnern inklusive AC/DC-Logo schmücken, die im Umlauf zum "Spottpreis" von 10 EUR verkauft werden. Inzwischen ist ein AC/DC-Konzert ja schon fast eine Art Familienausflug. So sieht man für ein Rockkonzert auffallend viele Kinder und Teenager, die gemeinsam mit ihren Müttern und Vätern deren eigene AC/DC-Vergangenheit neu erleben. Durchaus treffend schrieb die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Rezension zu "Black Ice", dass AC/DC`s "Rockentwurf das Bedürfnis zu befriedigen (scheint), eine verlorene Zeit wieder in die Gegenwart zu holen".

Die Gegenwart in Oberhausen heisst zunächst The Answer. Der Vierer verkürzt den Fans mit seinem kernigen Retro-Rock standesgemäß die Wartezeit. Immerhin können die Iren bereits auf reichlich Support-Erfahrung für die Rolling Stones, The Who oder Aerosmith zurückblicken. Leider haben sie etwas mit dem scheppernden Sound zu kämpfen, was Gitarrist Paul Mahon, Micky Waters am Bass, Drummer James Heatley und besonders den langmähnigen Frontmann Cormac Neeson nicht davon abhält, eine gute halbe Stunde lang Vollgas zu geben. Das Set besteht zwar nur aus sieben Songs (hauptsächlich von ihrem aktuellen Longplayer "Everyday Demons"), aber schon das reicht, um festzustellen, dass The Answer eine Menge mehr drauf haben als nur die oft undankbare Rolle einer Vorgruppe. Langanhaltender Applaus ist der verdiente Lohn für ihren überzeugenden (Kurz-)Auftritt.

Nach einer zügigen Umbaupause erlischt dann das Licht in der Arena erneut und der Applaus wird zum Orkan. Auf der grossen Leinwand hinter der Bühne sieht man einen Comicfilm, in dem AC/DC-Gitarrist Angus Young als teuflischer Lokomotivführer geradewegs in Richtung Hölle zu rasen scheint. Dann kracht die Lok durch die feuerspuckende Bühnendekoration und bleibt schräg qualmend über dem Schlagzeugpodest von Phil Rudd stehen. Der echte Angus schlägt die ersten Töne von "Rock`n Roll Train" an und dann kommen auch sein Bruder Malcolm an der Rhythmus-Gitarre, Bassmann Cliff Williams und Sänger Brian Johnson auf die Bühne. Die gehört jedoch eindeutig dem kleinen Wirbelwind an der Lead-Gitarre. Brian Johnson stapft zwar auch immer wieder von links nach rechts oder den Laufsteg auf und ab, der fast den kompletten Innenraum teilt, und stachelt die Fans an, aber das hier ist Angus` Show, der mit Sprechchören gefeiert wird. Malcolm Young und Cliff Williams stehen dagegen stoisch im Hintergrund (und marschieren nur zum Backgroundgesang im Gleichschritt an ihre Mikros), während Phil Rudd sogar Zeit findet eine Zigarette zu rauchen.

Brian Johnson ist hörbar schlechter bei Stimme als noch zwei Tage zuvor beim Konzert in Düsseldorf. Wohl ein Tribut des mittlerweile 62-Jährigen an das stramme Tourprogramm (der Gig in Antwerpen musste sogar abgesagt werden). Aber AC/DC haben ja Angus Young und der sorgt nicht nur durch sein virtuoses Gitarrenspiel (mal im Liegen, auf den Knien, über dem Kopf oder gar einhändig) für die Höhepunkte. Sei es bei "Thunderstruck", als er von einer unter den transparenten Bühnenplatten angebrachten Kamera gefilmt wird. Oder beim obligatorischen Strip während "The Jack". Oder als er zur Zugabe "Highway To Hell" mit Blitz und Rauch dem Bühnenboden entsteigt, als käme er gerade aus der Hölle. Er ist es auch, der sich am Ende des Laufstegs mit einem Hydraulikkran über die Köpfe der feiernden Masse fahren lässt und während "For Those About To Rock" die Fans zum 5-minütigen "Zwiegespräch" mit seiner Gitarre bittet. Zum Schluss des insgesamt 19 Songs umfassenden Sets (darunter fünf Stücke von "Black Ice", aber auch alle Klassiker wie "Back In Black", "Dirty Deeds Done Dirt Cheap", "T.N.T." oder "Let There Be Rock") ist er halbnackt und völlig durchgeschwitzt und erinnert dabei frappierend an Gollum aus "Herr der Ringe".

Natürlich fehlt auch die überdimensionale "Hells Bells" ebensowenig wie die riesige aufblasbare "Whole Lotta Rosie" oder die ohrenbetäubenden Böllerschüsse bei "For Those About To Rock". Die Lightshow ist ebenso stimmig wie der Sound. Auf der Videowall laufen zwischendurch kleine Comicstrips und hin und wieder werden auch einzelne glücksselige Fans gezeigt. Als nach gut 110 Minuten der letzte Kanonenknall verhallt, haben AC/DC einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass sie nach wie vor zu den Größten ihres Genres zählen. Die Fans bekommen genau das geboten, was sie sehen wollen (wobei die ein oder andere Variation in der Setlist auf Dauer sicher nicht schaden könnte). Selbst nach fast vier Jahrzehnten nimmt man AC/DC die hemdsärmelige Malocher-Attitüde immer noch ab. In Rock We Trust!

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