AC/DC

Black Ice Open Air Tour 2009 - Support: The Answer und Claudia Cane Band

19.05.2009 RheinEnergie Stadion / Köln

Von: Denis Hoffmann

AC/DC Köln

Nach der triumphalen “Black Ice”-Hallentour im März mit sieben ausverkauften Konzerten in Leipzig, Düsseldorf, Oberhausen, Bremen, Dortmund, Frankfurt und München kehren AC/DC im Mai nochmals für fünf weitere Open Air-Shows nach Deutschland zurück. Köln ist die vierte Station auf ihrer Reise und das RheinEnergie Stadion natürlich ebenfalls restlos ausverkauft. Sämtliche 300.000 Tickets für die fünf Stadionkonzerte waren innerhalb von nur einem Tag vergriffen. Dort wo normalerweise die heimischen Fussballfans ihrem FC zujubeln, haben heute AC/DC-Fans aller Altersklassen das Regiment übernommen. Einige standesgemäß in Schuluniform, andere mit blinkenden Teufelshörnchen ausstaffiert und der harte Kern mit der guten alten Kutte voller Sticker, die davon zeugen, dass ihr Besitzer nicht zum ersten Mal ein AC/DC-Konzert besucht. Immerhin rocken die Australier nun auch schon seit mehr als 35 Jahren über die Bühnen dieser Welt.

Die Stimmung unter den gut 40.000 ist vom ersten Moment an gigantisch. Selbst ein Regenschauer, der zwischendurch über Köln niedergeht kann die gute Laune im weiten Rund nicht schmälern. Leider verpassen wir aufgrund der katastrophalen Verkehrsverhältnisse rund um die Müngersdorfer Arena die beiden Vorgruppen The Answer (was extrem schade ist!) und die Claudia Cane Band. Schnell noch eine leckere Wurst und ein Bier geschnappt und ab auf die Plätze. Um Punkt 21 Uhr fällt dann der Startschuss für ein Konzert, wie es dieses Stadion (gibt es in der jetzigen umgebauten Form ja erst seit 2003) wohl noch nie zuvor erlebt hat. Zeitweise ist es so laut, dass man im Stillen ein wenig um die Statik fürchtet. Beim nächsten FC-Heimspiel werde ich die Südkurve jedenfalls heimlich auf Risse im Beton hin untersuchenÂ…

Im Vergleich zu den Hallenkonzerten bietet die Setlist keinerlei Überraschungen, aber darauf kommt es heute abend auch nicht an. Einzig „Dog Eat Dog“ vom 1977er Album „Let There Be Rock“ ist neu in der Auswahl. Doch bei einer Band die derart viele Klassiker im Repertoire hat, wird es immer Songs geben, die fehlen. Selbst wenn das Konzert zehn Stunden dauern würde. Tut es natürlich nicht. Nach zwei Stunden ist Schicht, aber bis dahin haben die Fans bei immerhin 20 Songs eine Party ohnegleichen gefeiert, in der sich so mancher von ihnen mit Sicherheit wieder um Jahrzehnte jünger gefühlt haben dürfte. Die Sonne verschwindet gerade erst hinter der (besser betuchten) Westtribüne als auf der riesigen Leinwand der obligatorische Einspielfilm abläuft, in dem Teufelchen Angus Young als Lokomotivführer seinem Gefährt so lange einheizt, bis es durch die Bühnenwand kracht und dort qualmend steckenbleibt. „Rock`n Roll Train“ ist dann auch der passende Opener und schnell wird deutlich, wer auf der Bühne das Kommando hat. Während Schlagzeuger Phil Rudd mit geradezu stoischer Ruhe auf seine Felle einschlägt, bewegen sich Malcolm Young an der Rhythmusgitarre und Bassmann Cliff Williams lediglich zum Backgroundgesang von der Stelle. Die Show gehört ganz Sänger Brian Johnson und natürlich dem Wirbelwind Angus Young, der seine Gitarre im Laufe des Abends in allen möglichen Stellungen bearbeitet und als einziger des Quintetts mit Sprechchören gefeiert wird.

Und womit? Mit Recht! „Let There Be Rock“ dehnt er auf über eine Viertelstunde aus. „The Jack“ bietet ihm die Gelegenheit zum berühmten Strip, bei dem er sich bis auf die AC/DC-Unterhose „auszieht“. Das Stadion tobt spätestens dann vollends, als er mit einer Hebebühne am Ende des Laufstegs, der fast bis zum Mittelkreis reicht in die Höhe gefahren wird und dort zappelnd wie ein Käfer auf dem Rücken liegend weiterspielt. Natürlich darf auch die überdimensionale „Hells Bells“ nicht fehlen, an der „Reibeisenstimme“ Brian Johnson wie ein kleiner Junge über die Bühne baumelt oder die aufblasbare „Rosie“, die ihren Einsatz im nach ihr benannten Song hat. Dazwischen immer mal wieder Stücke des aktuellen Albums „Black Ice“, mit dem AC/DC im vergangenen Oktober nach acht Jahren Pause ein fulminantes Comeback schafften (darunter „War Machine“, „Anything Goes“ oder „Big Jack“). Nicht zu vergessen „Back In Black“, „T.N.T“ oder „Highway To Hell“. Allesamt Meilensteine in der Geschichte des Hardrock, die nicht nur die feiernde Masse im Innenraum, sondern auch die Tribüne bis auf den letzten Platz unter Strom setzen. Es ist fast 23 Uhr als Brian Johnson zum letzten Mal „Fire“ brüllt und die Kanonen auf dem Bühnendach ihre Salutschüsse zu „For Those About To Rock“ in den Kölner Nachthimmel jagen. Dann ist auch dieses AC/DC-Konzert Geschichte und jeder der sich danach wieder im Stau über die Aachener Strasse quält, tut dies in dem guten Gefühl Zeuge einer denkwürdigen Rockshow gewesen zu sein. Wer weiß, ob AC/DC überhaupt noch einmal wiederkommen. Immerhin gehen die Bandmitglieder fast alle bereits stramm auf die 60 zu (Brian Johnson hat sie sogar schon überschritten). Wie auch immer, am 22.05. gibt es auf dem Hockenheimring die vorerst letzte Gelegenheit auf deutschem Boden.

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