Tour 2007
Anno 1970 gründete sich eine Band, namens Aerosmith und 1973 erschien das erste, gleichnamige Album. Soweit die trockenen Fakten. Doch wenn man sich dies einmal im Hirn zergehen lässt, macht das doch wirklich Eindruck, oder? 37 Jahre existiert diese Band schon. Und ich glaube nicht, dass sie damals schlechter waren, als an diesem Abend in der KölnArena. Steven Tyler, in Form wie eh und je, bunt bekleidet mit Cowboyhut, Hippie Mantel, Sonnenbrille und einem "Leck Mich" Schriftzug über dem Bauchnabel und Joe Perry, der natürlich auch seinen, heute noch immer beachtlich flachen, Bauch zeigt. Hätte damals jemand darauf gewettet das die "Toxic Twins" im Jahr 2007 noch leben und Musik machen, der hätte wohl eine beachtliche Quote angeboten bekommen. Was diese beiden Männer währen ihrer Karriere so alles an Drogen und Alkohol konsumiert haben, reicht mit Sicherheit für einen mittelgroßen Festival Campingplatz.
Nachdem "Edguy" wirklich oft genug erwähnt haben, welche Ehre es ist Aerosmith zu supporten, betreten - nein, stürmen sie auch schon die Bühne. Und beginnen fulminant mit Love in an Elevator. Das die Halle alles andere als ausverkauft ist, fällt nicht besonders auf. Der Innenraum, durch einen langen Steg getrennt, ist proppevoll und die verkauften Oberrang Karten, wurden vor Ort gegen Unterrang Karten eingetauscht, und das "Gepäcknetz" kurzerhand abgehangen. Was jedoch verwundert, ist das das Publikum nicht mitgealtert ist. Im Gegensatz, zu beispielsweise einem Stones Konzert ist das Publikum erstaunlich jung. Gefeiert werden Songs wie Dream On (1973!) oder Sweet Emotion (1975!).
Und das obwohl Aerosmith mittlerweile nur noch das machen, wozu sie auch wirklich Lust haben. Wie zum Beispiel das Blues Album "Honkin´ On Bobo" oder sie schreiben mal einen Song über die Tochter von Mick Jagger (Jaded). Anders ist wohl auch nicht zu erklären, das das Konzert Phasenweise wirklich an einen Jam erinnert, den andere Bands nur im Proberaum spielen, sich damit aber auf keine Bühne trauen würden. So setzten sich Perry mit einer 12-Saitigen und Tyler als Dekoration, auch einfach mal auf einen Klappstuhl an den Rand des Steges und Joe spielt was er am besten kann, am liebsten macht, wodurch die Band ihre gesamte Macht bezieht, was sie zu Monstern des Rock macht - den Blues. Welche Band würde sonst noch bejubelt wenn sie "Baby, Please Don´t Go" aus dem Jahr 1945 covert? Steven Tyler wird im nächsten Jahr 60, und rockt wie Luzifer persönlich.
Die Rythmusabteilung, Brad Whitford (Git.) Tom Hamilton (Bass) und Joey Kramer (Drums) halten sich zwar dezent im Hintergrund, sind aber Fundament und Gerüst dieses Blues Rock Bollwerks. Natürlich werden auch Chart Hits wie "Cryin´", "Eat The Rich", "I Don´t Wanna Miss A Thing" oder "What It Takes" nicht vergessen.
Doch egal was Aerosmith auch macht, eines steht jedenfalls fest, diese Herren aus Boston haben den Blues.