Love 2-Tour 2010 - Support: George Pringle
Manchmal erlebt man tolle Konzerte, die einfach in einem etwas unpassenden Rahmen sprich an ungeschickt ausgewählter Örtlichkeit stattfinden. So wie an diesem Freitag beim Auftritt von Air im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Kölner Palladium.
Dabei kann ich das Dilemma, in dem manch Veranstalter steckt, durchaus nachvollziehen. Denn Status und Nachfrage, die das französische Synthie Pop-Duo im konkreten Fall mittlerweile geniessen, rechtfertigen vollauf eine Location von mittlerer Kapazität, wie sie das Palladium nun einmal bietet. Dennoch passt der verträumt-melancholische Sound der beiden Jungs einfach besser in ein kleineres, intimeres Ambiente, für das insbesondere das Gloria hervorragend geeignet gewesen wäre. Aber egal - letztendlich ist dieser Abend dennoch Kopfkino vom Feinsten.
Als Support tritt mit George Pringle kurz nach 20 Uhr - für einige der Besucher womöglich überraschend - eine weibliche Künstlerin auf. Georgina Richards-Pringle, so ihr vollständiger Name, ist eine 25-jährige gebürtige Londonerin, die mit ihrem Sprechgesang sofort starke Assoziationen zu ihrer Landsfrau Anne Clark hervorruft. Speziell der Opener "We Could Have Been Heroes", unterlegt mit einem treibenden Electrobeat und sirenenhaften Synthies, besitzt Potential. Auch wenn ihre knapp 40-minütige Darbietung im Großen und Ganzen etwas unspektakulär wirkt, sollte man den weiteren Weg dieser jungen Britin verfolgen.
Um fast exakt 21 Uhr betreten dann Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel die Bühne. Unterstützt durch perfekt eingesetzte Visuals, die hinter den beiden auf einer großen Leinwand projeziert werden, spielen sie einiges von ihrem neuen Album "Love 2", fast kaum Material vom vocallastigen Vorgänger "Pocket Symphony", mit "Cherry Blossom Girl" und "Venus" natürlich die Hits des 2004-Longplayers "Talkie Walkie", etwas vom Soundtrack des Films "The Virgin Suicides" und, für die Fans der ersten Stunde besonders erfreulich, fast alle Stücke ihres Debüts von 1998, "Moon Safari", einem absoluten Meilenstein der zwischenzeitlich doch arg beliebig und austauschbar gewordenden sogenannten "Hintergrundmusik".
Speziell bei Nummern wie "La femme d'argent" oder "Talisman" wünscht man sich sehnlichst eine entspannte Sitzgelegenheit her, womit wir wieder beim eingangs erwähnten "Problem" angelangt wären. Da ihr aktuelles Werk fast ausnahmslos instrumental geraten ist, fehlen leider auch entsprechende Gastvokalisten - vielleicht ein kleiner Wermutstropfen. Somit findet mit "All I Need" letztlich auch ihr dank der Verwendung in einem Werbespot wohl bekanntester Song leider keine Berücksichtigung - eigentlich schade.
Nach gut neunzig Minuten und der Zugabe "Sexy Boy" ist die musikalische Raumfahrt dann beendet und die beiden Pariser Hipster haben ihren Bandinitialien (Amour, Imagination, Rêve) trotzdem wieder einmal alle Ehre gemacht. Liebe, Fantasie, Traum - in der Tat lässt sich ihr schwereloser Klangkosmos mit diesen drei Begriffen exakt auf den Punkt bringen.