Airbourne

No Guts, No Glory Tour 2010 - Support: Talking Down

21.03.2010 Grosse Freiheit 36 / Hamburg

Von: Melanie Schupp

Airbourne Hamburg

Mit ihrem neuen Album “No Guts No Glory” starteten Airbourne mit einem riesigen Knall in den Frühling 2010. Der Hype um die sogenannten AC/DC Erben ist ungebremst und das Konzert in der Hamburger Großen Freiheit dementsprechend schon seit geraumer Zeit ausverkauft. Gemütlich gestaltete sich der Einlass trotzdem. Das vielschichtige Publikum begab sich ohne Eile in den Konzertsaal und gemächlich füllte sich dieser.

Auf der Bühne kündigten bereits Bandbanner den Supportact “Taking Dawn” an. Bald war es dann auch soweit; das Licht wurde gelöscht und ein Intro, das aus einem Mix des Survivor Hits “Eye Of The Tiger” und einer Boxringansage bestand, steigerte die Erwartungshaltung. Die recht jung dünkenden Bandmitglieder starteten unvermittelt und mit hohem Selbstbewusstsein mit “Like A Revolution”. Das Publikum nahm die energiegeladene Musik sofort auf und rockte von der ersten Minute an mit. Dies wirkte sich natürlich auch auf die Musiker aus, die sich spielfreudig zeigten und sichtlich Spaß an ihrem Job hatten. Hin und her ging es auf der Bühne, lediglich Drummer Alan Doucette blieb notgedrungen an seinem Platz sitzen, doch das nicht ohne dieselbe Energie wie seine Bandkollegen zu versprühen. Ein Stroboskopgewitter zu “Time To Burn” feuerte die Menge weiter an. Über das stadionreife “Take Me Away” ging es auch schon zum letzten Song über. Mit einem an den Wilden Westen erinnernden Intro starteten Taking Dawn “The Chain” während das Publikum im Takt mitklatschte. Zum Gitarrensolo sprang Sänger Chris Babbitt flugs in den Securitygraben. Den folgenden Refrain gaben Bassist Andrew Cushing und Gitarrist Mickey Cross, der sich vor Chris’ Mikrofon aufbaute, allein zum Besten und standen Chris in nichts nach.

Um 20.40Uhr begann, trotz Protesten von Seiten des Publikums, der Umbau. Taking Dawn legten selbst Hand an und verbeugten sich erfreut, als die Menge bei ihrem Erscheinen zum Aufräumen nochmals zujubelte. Auch Drumstick-Wünsche wurden von Alan erfüllt bevor er den Platz räumte. Die gute Laune hielt an und auch beim Soundcheck zu Airbourne scherzte ein fröhlicher Soundguy mit dem Publikum, das fleißig seine Gesangsübungen nachsang.

Gute 30 Minuten später, man schrieb bereits 21.10 Uhr, machte sich doch ein wenig Ungeduld in der Menge breit. Es wurde geklatscht, gejohlt und rhythmische “Airbourne” Rufe kamen auf. Die Rufe wurden erhört, das Licht gelöscht und weiße Strahler richteten sich auf die Menge. Der aus den Lautsprechern erschallende “Terminator 2” Soundtrack kündigte nicht Arnold Schwarzenegger, sondern die vier Australier von Airbourne an. Doch genauso explosiv wie Arnie gestaltete sich ihr Erscheinen. Großer Jubel brach aus und die Band zögerte nicht lange und langte in die Saiten. Frontmann Joel O’Keeffe hatte sich erst gar nicht die Mühe gemacht ein Shirt anzuziehen. Er wusste welch schweißtreibender Einsatz erwartet wurde und kam seinem Ruf auch nach. Der schmächtige Lockenkopf flitzte umher, sang dabei einwandfrei und “Hellfire” machte an zweiter Stelle der Setlist seinem Namen alle Ehre. Das Hardrockfeuer, das schon früh an diesem abend entfacht worden war, loderte himmelhoch.

Nach Songs wie “Diamond In The Rough” und “Blond, Bad And Beautiful” kamen Airbourne zu einem weiteren Song über Frauen: bei “Girls In Black” dröhnte das Schlagzeug so laut aus den Boxen, dass die Kopfschmerzgefahr immens stieg... Oder die Erdbeben-Richterskala. Dann tat Joel es der Vorband Taking Dawn gleich und tauchte in den Securitygraben ab. Aufgrund seiner körperlichen Größe vermochte man aus den hinten Reihen nicht genau ausmachen, was vor sich ging. Darum bekamen in den ersten Sekunden einige nicht mit, wie Joel weit hinten inmitten der Menge über deren Köpfen auftauchte und die Gitarre schwang. Und weiter führte ihn sein Weg, auf die Bar, wo er die Hände der Fans auf dem Balkon über ihm schüttelte und sogleich einen Becher Bier in Empfang nahm. Gut gelaunt musste er diesen jedoch gleich wieder abgeben, um weiter sein Instrument bedienen zu können. Doch sein Abstecher durch das Publikum sollte noch nicht zu Ende sein und er flitzte weiter treppauf, um eine komplette Runde rings um den Balkon zu drehen. Die Securitys hechteten problemlos hinterher. Währenddessen dröhnte das instrumentale Solo munter weiter, ohne an Lautstärke zu verlieren. Zurück auf der Bühne war nach dem tosenden Applaus gewiss keine Verschnaufpause für Joel angesagt, denn die Show sollte noch bis 22.22 Uhr gehen. Völlig in Rage, Extase und unter Volldampf rockten Band und Publikum zu dem gemütlicheren “Cheap Wine & Cheaper Women” und legten nochmal richtig mit “Stand Up for Rock 'N' Roll” los, bevor die schweißnasse und verausgabte Band die Bühne kurzzeitig verlassen durfte. Doch diesmal nicht in den Securitygraben, sondern zum vorläufigen Ende der Show.

Dies ließen sich die Fans natürlich nicht gefallen und guter Dinge johlten sie nach mehr. Das ließen sich Airbourne auch nicht zweimal sagen und erschienen schnell zurück im Rampenlicht, um mit konstantem Elan “Runnin’ Wild” zu präsentieren. Und auch die Menge zeigte sich noch feierwütig und sang den “hey hey hey” Part lauthals mit. Welch eine Stimmung! Zu schade, dass nach “Ready To Rock” gegen 22.38 Uhr endgültig Schluß sein sollte auch wenn die Zuhörer alles andere als wie im Song besungen “ready to go” waren. Eine Hammershow die wirklich jedem Hardrock-Fan ans Herzen gelegt sei!

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