Alanis Morissette

Diamond Wink-Tour 2005

16.04.2005 Palladium / Köln

Von: Thomas Kröll

Alanis Morissette Köln

Sowas nennt man wohl „gutes“ Timing! Während Alanis Morissette im Palladium auftritt, gibt Marianne Rosenberg im gegenüberliegenden E-Werk ein ausverkauftes (!) Konzert. Dementsprechend katastrophal ist diesmal die Parkplatzsituation rund um die Schanzenstrasse. Den ganzen Abend über kurven dann auch die gelben Abschleppwagen mit ihrer „Beute“ auf und ab. Zumindest für die Stadt Köln also eine gelungene Veranstaltung.

Als wir etwa eine Stunde vor Beginn der Show am Palladium eintreffen, ist die Schlange vor dem Eingang bestimmt einen halben Kilometer lang. Wenigstens das bleibt uns erspart, denn für die Presse gibt es hier einen separaten Einlaß. Ist zwar unfair, aber einen Vorteil muss diese zeit- und nervenaufreibende Berichterstattung für euch ja haben...

Trotzdem ist die Halle nicht ausverkauft. Bei Ticketpreisen von 52 € eigentlich auch kein Wunder! Die Veranstalter dürfen sich fragen lassen, wie weit sie in der heutigen Zeit noch an der Preisschraube drehen wollen. Ich denke, sie ist schon hinlänglich überdreht.

Mit geschätzt 3.000 Zuschauern ist das Palladium dann letztlich aber doch noch ganz ordentlich gefüllt. Netter Service: An jedem der Stahlträger unter und auf der Empore hängen Fernseher, auf denen das Konzert „übertragen“ wird. Ich zähle insgesamt Zwanzig. Die Teile müssen neu sein, sind mir vorher noch nie aufgefallen. Gute Sicht für alle ist also garantiert.

Um kurz nach 21 Uhr geht es los! Erster optisch erfreulicher Aspekt: Alanis Morissette hat wieder lange Haare. Beim Opener „Front Row“ macht sich das auch gleich „bezahlt“. Alanis hüpft und dreht sich wie wild auf der Bühne herum, dass die lockige Pracht nur so fliegt. Leider soll dies aber auch schon ihr einziger grösserer Gefühlsausbruch für heute abend bleiben.

Bei „All I really want“ kommt zum ersten Mal ihre Mundharmonika zum Einsatz. Rechts und links auf der Bühne sind zwei runde Videowände installiert, die wie diese Überwachungsspiegel im Tante Emma-Laden wirken. Auf ihnen sind passende Filmsequenzen und Bilder zu sehen. Im Hintergrund werden bunte Blumen auf die Leinwand projeziert, die aber zeitweise in der zugegeben sehr schönen Lightshow etwas untergehen.

Mit „Excuses“, „Hands clean“ und „Not the Doctor“ geht es weiter. Alanis` Band ist perfekt, der Sound allerdings reichlich blechern. In den hohen Tonlagen überschlägt sich ihre Stimme fast ein wenig. Auch die Fans bleiben noch relativ verhalten, was ich seltsamerweise auf allen ihren Konzerten, die ich bisher gesehen habe, beobachten konnte. Die Mischung aus Rockern und ruhigen Songs stimmt jedenfalls.

„Can`t not“, “Head over Feet” (wieder Mundharmonika) und “Not all me” leiten über in das wunderbare, weil halb-akustisch gespielte “Hand in my Pocket”. Logisch, dass bei der Textstelle „High Five“ alle Hände hoch gehen und auf „Peace Sign“ die dreitausendfach gestreckten „Victory-Finger“ folgen. Nach „So pure“ wird mit „Wake Up“ wieder so richtig schön fett abgerockt. Auch das Publikum wacht nun auf und die anfängliche Zurückhaltung ist vergessen. Alanis selbst beschränkt sich auf kurze Ansagen und lässt ansonsten ihre Musik für sich sprechen. Insgesamt wirkt sie sehr gelöst und sucht für ihre Verhältnisse häufig den Blickkontakt mit der Menge vor ihr.

Zum Abschluss des regulären Sets gibt es dann noch zwei Knaller. Erst „You oughta know“. Die Bühne erstrahlt komplett in Rot und auf den Videowänden züngeln Flammen, was zum Thema des Songs passt. Danach „You learn“, das mit Unterstützung der Hammond-Orgel live noch besser klingt als auf „Jagged little Pill“. Die Leinwände zeigen Kinder im Super-8-Film-Format. Ob das wohl die kleine Alanis ist?

Ich habe keine Zeit, um mir darüber Gedanken zu machen, denn nach exakt 2 Minuten „Zugabe“-Rufen ist die Band wieder da. Die Pause muss allerdings lang genug gewesen sein, damit dem Mann am Mischpult sein Bier auf die Elektronik kippt, denn der Sound ist jetzt noch schlechter als vorher. „8 easy Steps“ klingt völlig vermatscht. Immerhin rettet ihn „Uninvited“ wieder etwas raus, das durch ein kristallklares Piano völlig geil rüberkommt. Erste Wunderkerzen werden abgebrannt. Nach einem weiteren kurzen Break sind dann „Ironic“ (die Halle übernimmt Alanis` Gesangspart) und das obligatorische „Thank U“ die beiden letzten von insgesamt 18 Stücken.

Wie schon Schluss? Sorry, aber knappe (!) anderthalb Stunden halte ich angesichts des eingangs erwähnten Kartenpreises dann doch für reichlich kurz. Ich möchte Alanis Morissette hier beileibe keine Abzocke unterstellen, aber beim Verlassen der Halle sind zahlreiche entsprechend unzufriedene Kommentare seitens der Leute zu hören. Zu allem Überfluß werden einige von ihnen auch noch ihr Auto nicht mehr vorgefunden haben... So endet ein zweifellos sehr schönes Konzert leider mit einem etwas faden Beigeschmack.

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Newsletter abonieren! RSS Feed abonieren!
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Allnet Flat