Tour 2010
Manchmal können Bandauflösungen ja auch etwas Gutes mit sich bringen. Im Falle von Alexisonfire jedenfalls trifft das wohl ganz gut zu. Die Band gründete sich nämlich im Jahre 2001 aus den Überresten dreier anderer Bands. Fortan wuchs ihre Fangemeinde immer mehr und mehr. Der Bandname ist eine Hommage an die Erotikdarstellerin und Prostituierte Alexis Fire. Nachdem diese davon erfahren hatte, drohte sie die Band zu verklagen, konnte sich jedoch damit nicht durchsetzten, da der Name nicht geschützt war. Mittlerweile haben die sympathischen Kanadier schon vier Alben und zwei EP´s veröffentlicht. Ihr aktuelles Album "Old Crows/Young Cardinals" erschien bereits im Juni 2009 und wurde erst Ende 2009 im Rahmen der Eastpak Antidote Tour vorgestellt. Nach unermüdlicher Tour durch Kanada und den USA sind nun vorerst wieder ein bisschen in Europa unterwegs. Heute statten sie dem Grünspan in Hamburg einen Besuch ab.
So stellt man sich einen Sonntag vor: Es ist ein wundervoller Sommertag, zudem hat die Deutsche Nationalelf die Engländer mit einem 4:1 geradezu vom Platz gefegt. Die Stimmung ist bereits hervorragend als ich im Grünspan ankomme. Vor Konzertbeginn zieht es unzählige Sonnenanbeter noch vor die Tür, um in der Abendsonne ein Bierchen zu genießen. Das Konzert ist zwar nicht ausverkauft, es ist aber definitiv kurz davor. Es ist proppevoll im Club und vor allem schon vor Beginn der Show so heiß, dass einem vom bloßen Stehen fast die Brühe runterläuft.
Wen wundert es also, dass Sänger George Pettit um 20:20 Uhr die Bühne schon mit freiem Oberkörper betritt. Von Schwunglosigkeit ist hier jedoch sowohl seitens der Band als auch des Publikums keine Spur. Die fünf Kanadier lassen es von der ersten Sekunde an so richtig krachen. Stets ist Bewegung auf der Bühne, sei es George, der unaufhörlich auf und ab springt oder Bassist Chris Steele, der sich immer wieder von einer Seite der Bühne zur anderen bewegt und schon nach wenigen Songs klitschnass geschwitzt ist. Leider lässt der Sound in dem für ca. 800 Zuschauer ausgelegten Club sehr zu wünschen übrig. Die melancholischen Gesangsmelodien von Dallas Green sowie der raue Gesang von Wade McNeils sind kaum zu verstehen. Macht aber nix, wozu hat man denn die Fans? Immer wieder unterbricht Dallas seinen Gesang, der schließlich von den zahlreich erschienenen Fans fortgeführt wird, als hätten die Jungs ihren Chor mitgebracht. Neben reichlich dankenden Worten kommuniziert Pettit auch sonst viel mit dem Publikum und kann dieses zum Klatschen und Mitsingen animieren oder einen Moshpit ins Leben rufen.
Um 21:15 Uhr verlassen die Kanadier die Bühne. Die Fans denken jedoch gar nicht daran, sie einfach davon ziehen zu lassen. Mit tosendem "One more song" werden sie zurück auf die Bühne gefordert. Und wer widerspricht schon einer Horde musikhungriger Fans? Alexisonfire jedenfalls müssen sich nicht lange bitten lassen, bis sie die Bühne erneut betreten und Sänger und Gitarrist Wade McNeil verkündet, dass sie das Publikum mit noch vier weiteren Songs beglücken werden. Von den Fans angetrieben, drehen die Jungs noch einmal ordentlich auf. Immer wieder sucht George den Kontakt zu den Fans, springt über die Absperrung und singt schließlich "Pulmonary" auf den Schultern von Fans stehend zu Ende, bis er sich fallen und von der Menge tragen lässt. Um 21:40 Uhr ist dann endgültig Schluss. Nur schleppend leert sich der Saal, jeder versucht noch einmal den Moment einzufangen, viele eiserne Fans versuchen noch etwas von der Bühne abzugreifen, und sei es nur die Setlist. Überall kann man in äußerst zufriedene Gesichter blicken. Ein durchaus gelungener Auftritt also.
Setlist:
Young Cardinals
Boiled Frogs
Heading
Drunks
No Trans
Old Crows
We Are The Sound
Rough Hands
Accept Crime
Get Frighted
Born And Raised
Bitches
---------------
Northern
Pulmonary
Accidents
Happiness