Theatre Of Death 2010 - Support: The Other
Zum ersten Mal war ich auf einem Konzert in der Bonner Museumsmeile. Schönes Ambiente, Open Air mit Überdachung – gefällt mir gut. Was etwas schade ist: Aus Rücksicht auf die Anwohner muss man anscheinend die Lautstärke stark zurück fahren und Konzertende muss um 22 Uhr sein. Die geringe Lautstärke ist manchmal schon ätzend. So überlagert zeitweise das Schlagzeug alle anderen Instrumente auf der Bühne. Eine gesunde Abmischung scheint schwierig zu sein. Die Lightshow wird durch den frühen Beginn zum Glück kaum berührt. Die Überdachung sorgt zwischen den Museen für eine ordentliche Abschirmung vom Tageslicht. Insgesamt also ein recht entspanntes Vergnügen.
Die Vorband The Other stammt aus deutschen Landen und man bezeichnet den Stil selbst als Horror Punk. Passt auf jeden Fall zu Alice – doch von Punk hab ich wenig mitbekommen. Vielmehr handelt es sich um soliden Metal im Stil von Slipknot und Rammstein. Die allgemeine Kostümierung und das Gehabe des Sängers erinnern auch an genannte Bands. Insgesamt hat mich der Auftritt nicht vom Hocker gerissen, es war aber okay. Mit etwas versierterem Schlagzeuger könnte da was draus werden. Man versteht sich zumindest aufs Erzeugen von Stimmungen. Zudem liefen überraschend viele Leute mit The Other-T-Shirt unter den Zuschauern rum.
Der Platz vor der Bühne war locker gefüllt – bei weitem nicht ausverkauft. Ärgerlich: Obwohl nur bis 22 Uhr Zeit war, ließ man die Menge zum Showstart bis 20.35 Uhr warten. Was soll das? Der Set war gegenüber sonstigen Konzerten um 3-4 Songs gekürzt. Dafür haben Fans bis zu 48 Euro Eintritt bezahlt. Unverständlich, denn der Umbau war augenscheinlich gegen 20.00 Uhr fertig.
Alice Cooper enterte souverän die Bühne und lieferte die grandiose Show ab, die man seit Jahrzehnten von ihm gewohnt ist. Hit folgt auf Hit. Und dazu das Geschehen auf der Bühne mit dem Durchspielen unterschiedlichster Todesarten, die durch viele Gerätschaften veranschaulicht werden. So wollen die Fans Alice – und so bekommen sie ihn.
Ich würde mir aber mehr Mut von Alice Cooper wünschen. Er verfolgt ein Konzept, spielt eine Geschichte um Wahnsinn, Morde, Hinrichtungen durch. Dabei hat er aber auch (aktuelle) Alben, die ebenfalls eine Story erzählen, z.B. "Brutal Planet" sowie "Dragontown" und natürlich das aktuelle Werk "Along Comes A Spider" um einen Massenmörder, der seinen Opfern die Beine ausreißt. Warum nicht dies schauspielerisch und musikalisch umsetzen? Traut Alice Cooper den neuen Songs nicht? Das wäre schade – denn das 2008er Album gehört zu den besten seiner Karriere. 60 Minuten Aktuelles im Block, dann 60 Minuten Klassiker – so stelle ich mir das perfekte Konzert vor.
Was wir nun bekommen haben, ist ganz wenig Aktuelles ("Vengeance Is Mine") und sehr, sehr, sehr viel aus dem Backkatalog. Von "School’s Out" über "Nice Guy" und "Poison" bis hin zu "Diamonds" und "Elected". Für jeden Zuschauer dürften genügend Favoriten dabei gewesen sein. Das ist absolut okay. Nach 85 Minuten erklingt der Opener "School’s Out" ein zweites Mal und ein gelungener Konzertabend geht zu Ende.
Fazit: Abgesehen von der Kürze waren sicher die meisten Zuschauer restlos begeistert. Ich sah auch nur glückliche Gesichter um mich rum. Ich persönlich wünsche mir mehr Mut zu Neuem. Doch das werde ich von dem 62jährigen Heroen wohl nicht mehr erleben.