Alin Coen Band

Wer bist du? Tour 2011 - Support: Miss Emily Brown

22.03.2011 Die Werkstatt / Köln

Von: Thomas Welsch

Alin Coen Band Köln

Es hat sich herumgesprochen, dass Alin Coen ein heißer Tipp ist. Manche mögen ihre Stimme, andere sehen ein großes musikalisches Potenzial und nicht wenige sind einfach nur verblüfft von ihrer starken Ausdruckskraft. Dieter Bohlen würde wohl sagen, das Gesamtpaket stimmt. Auch wenn er etwas anderes darunter verstehen mag als die Fans, die sich heute in der ausverkauften Werkstatt eingefunden haben, müsste man ihm Recht geben.

Den Abend eröffnet Miss Emily Brown. Die Singer/Songwriterin präsentiert ihren Folk auf sehr sympathische Art und passt nicht nur in musikalischer Hinsicht bestens zu Alin Coen und ihrem Publikum. Eine ihrer großen Inspirationsquellen sind die Tagebücher ihrer Großmutter aus dem 2. Weltkrieg. Die Hitze im Saal erreicht schon jetzt subtropisches Niveau, was man natürlich gerne der kanadischen Künstlerin direkt zuschreiben würde, aber vielmehr mit schlechter Belüftung zusammenhängt.

Bassist Philipp Martin betritt die Bühne, die er am Ende des Konzertes auch wieder als Letzter verlassen wird. Dazwischen liegt ein bunter Abend mit ganz unterschiedlichen Stimmungen und verschiedensten musikalischen Nuancen. Martin zählt zu den experimentierfreudigen Bassisten, die sich nicht nur auf die nötigsten Grundtöne beschränken. So klingt sein Instrument zu Beginn wie Walgesang, der den Rest der Band auf die Bühne ruft. Schon früh im Set gibt es das melancholische "Wolken" und das tippelnde "Wer bist du?". Diese deutschsprachigen Songs werden mit englischen durchmischt. "Chasing Answers" ist einer davon und eröffnet einen Reigen an Songs, die durch ihre Verspieltheit glänzen. Elektronische Klänge - wohldosiert. Hat eigentlich mal jemand behauptet, man müsse sich als Musiker für eine Sprache entscheiden? Alin Coen muss es nicht und dafür wird das Publikum gar in drei Sprachen verwöhnt. Interessant ist dabei, dass ihre Stimme in den verschiedenen Sprachen auch anders klingt. So gehen Songs wie "Die Nähe" und "Halo" trotz unterschiedlicher Färbungen nahtlos ineinander über. Während "Common Terrain" frage ich mich unaufhörlich, an wen mich Alin Coen erinnert, wenn sie Englisch singt. Kurz vor Ende des Songs fällt es mir ein: Alanis Morissette, und ein späteres Googeln zeigt, ich bin nicht der erste, der diesen Vergleich zieht. Ein packender Refrain ("Hol mich ein") und Tanzlaune ("Left Behind") führen zum lange erwarteten "Festhalten". Die es noch nicht wussten, werden aufgeklärt: Der Text handelt nicht von ihr, sondern von einem Bekannten, der ihr einst seine verzwickte Gefühlslage beschrieb. "Ich war hier" schließt das Set ab.

Nach der kurzen Zugabenpause (man will das schwitzende Publikum nicht zu sehr belasten) spielt Fabian Stevens während "Cowards" neben den Drums ein Xylophon und leitet damit angenehm von einer Tonart in die andere über. "Das letzte Lied" schließt lediglich die Zugabe, nicht den Abend ab, denn "Fenetre" soll diesen Part übernehmen. Da äußern Fans in den vorderen Reihen "Rejected". Und sie bekommen es. Erst danach "Fenetre" mit der Schluss-Choreographie, bei der Philipp Martin zuletzt von der Bühne geht. Danach dauert es nicht lange und die Werkstatt ist komplett geleert. Die Fans flüchten vor der schlechten Luft. Von der waren sie auf angenehme Art und Weise abgelenkt. Bis eine talentierte Band mit vielversprechender Zukunft ihr Konzert beendete.  

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