Alter Bridge

Tour 2008 Support Enjoy Destroy

06.02.2008 Live Music Hall / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Alter Bridge Köln

AUS-VER-KAUFT - diese drei Silben zergehen wohl auf der Zunge eines jeden Künstlers... So auch sicherlich heute Abend bei Alter Bridge in der Kölner Live Music Hall. Die drei Silben VER-SPAE-TUNG betreffen jedoch mich persönlich und ich verpasse die blutjunge Vorband Enjoy Destroy. Schade...

Genug gejammert, die Stars des Abends sind schliesslich Alter Bridge und die werden die nächsten 90 Minuten gehörig rocken. Aus zwei Alben wählen sie ihre Stücke, präsentieren jedoch überwiegend Songs des aktuellen Albums "Blackbird".

Mit "Come To Life" starten die vier Amis die Show, Myles ist durchtrainiert und lässt im engen, schwarzen Longsleeve seine Muskeln spielen. Anfangs noch fast etwas kühl spulen sie die Songs ab, was auf mich routiniert und langweilig wirkt - es ist, als würde ich mir zu Hause die CD anhören... Da hilft es auch nichts, dass Myles bereits beim zweiten Song "Find The Real" Mitsingspielchen anstimmt; das Publikum ist noch zu verhalten. Die Begrüssung auf Deutsch "Wie geht's Köln?" klappt jedoch einwandfrei genau wie Tremontis Gitarrensoli zu "Brand New Start", die er alle herrlich mit Gesichtsgrimassen unterlegt.

Das Publikum wird erst bei Songs wie "One Day Remains" und "Metalingus" richtig wach und mitsingfreudig, beides Songs des ersten Albums. Die wenigen, die einen kleinen Soft-Moshpit im vorderen Bereich bilden, bittet Myles vorsichtig zu sein, damit niemand verletzt wird. Richtiges Headbangen auf der Bühne oder im Publikum? Fehlanzeige - das ist Hard Rock "straight from the heart": fetzig und ständig auf Hochtouren werden die Gitarren gezockt und Duelle zwischen Tremonti und Kennedy gespielt. Die Performance steigert sich, Myles wird redefreudig und das Publikum erkennt bereits nach dem ersten Ton "Tomorrow Comes" - "15 points", witzelt er! Sogar der schwächste Song der "Blackbird"-Platte "Watch Over You" kommt live überraschenderweise recht rockig rüber und Myles´ kraftvolle Stimme kommt zu der anfangs gespielten Akustik-Gitarre besonders gut zur Geltung. Und während Myles nicht die Klampfe bearbeitet, gestikuliert er ohne Unterbrechung mit seinen Händen in der Luft. Mit einem fetten Grinsen beginnt er dem Publikum kurze Parts vorzusingen, die nachzusingen sind - "I love it" bekennt er lachend und lobt die Fans, die nun aufgewärmt sind für den nächsten Song "Open Your Eyes". Und zum ersten Mal hören wir auch Mr. Tremonti sprechen und er bittet um Applaus für Myles, welcher natürlich nicht auf sich warten lässt.

Kaum ist das Licht jedoch erloschen, erklingen laute "Zugabe"-Rufe - als grosser Blues-Fan lässt es sich Myles nicht nehmen als besondere Zugabe zu einer Blues-Gitarre zu greifen und "Travelling Riverside Blues" seines Idols Robert Johnson zum Besten zu geben.

Nicht nur musikalisch wurden die Fans reich beschenkt bei diesem Konzert, auch beim Abgang der Band, lassen es sich die Mitglieder nicht nehmen, dutzende Plektren und mehrere Drums-Sticks ins Publikum zu werfen. Na, vielleicht hätten Alter Bridge auch das Palladium geknackt... Das nächste Mal, Jungs!

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