Club Promo Tour 2005
Amos Lee? Hm, zugegeben sagte mir das bis gestern nichts. Nach 90 schwitzigen Minuten im Kölner Stadtgarten erweist sich das als echte Bildungslücke! Sich musikalisch genau einzuordnen fällt selbst der Band nicht ganz einfach. Jazz, Soul und Blues verbinden sie zu einer gelungenen Mischung von ruhigen aber einprägsamen Rhythmen und auf Nachfrage, wie sie selbst ihren Musikstil sehen, definiert Gitarrist Nate Skiles den Sound vorsichtig als Jazz-Folk. Die Newcomer aus Philadelphia haben einen extrem starken Auftritt geboten und Sänger Amos Lee hat dazu trotz seiner erst 28 Jahre eine unglaublich reife Stimme.
Variantenreich sind Musik und Gesang und mit viel Witz und Charme führt Amos Lee durch den kurzweiligen Abend. Neben der sehr schönen Musik gefällt, dass nicht einfach ein Set runtergespielt, sondern das Publikum mit einbezogen wird. Kleine Geschichten lockern die ohnehin gute Stimmung noch weiter auf und die Aufforderung des Sängers zum Mitklatschen lassen den Auftritt zeitweise zur Jam-Session werden. Mit fortschreitender Konzertdauer schenkt das Publikum den Musikern ungeteilte Aufmerksamkeit und der Applaus wird von Song zu Song lauter. Mit dem letzten Song des Albums "All My Friends" beschließen sie den tollen Auftritt.
Die vier Amerikaner, allen voran Drummer-Original Freddy, ergänzen sich zu einer hervorragenden Live-Band. In den USA sind sie mit dem Song "Arms Of A Woman" in die Billboardcharts eingestiegen und nach den Eindrücken die sie im Kölner Stadtgarten hinterlassen haben, wird dies mit Sicherheit nicht ihr letztes Erscheinen dort gewesen sein. Dazu kommt die Combo aus Philadelphia sehr sympathisch daher und der Besuch bei Ihrem Auftritt macht einfach nur Spaß. Sie vermitteln eine unkomplizierte Einstellung und diese Unverkrampftheit spiegelt sich auch in ihrer Musik wieder. Mit einem Lächeln verweist Amos auf den CD Verkauf am Ausgang und das wäre dann ohne Frage gut investiertes Geld.
Der Vergleich mit Norah Jones, bei deren letztjähriger Tournee Amos Lee den Support geliefert hat, wird immer wieder herangezogen und diesen brauchen sie in keiner Weise zu scheuen. 18 € für gute eineinhalb Stunden bester Unterhaltung lassen das Konzert auch im Preis/Leistungsverhältnis sehr gut dastehen und neben Liedern aus dem Debütalbum "Amos Lee" spielten die Jungs auf einige neue Songs. Seit Juni befinden Sie sich auf Tour und nach ihrem Auftritt in Köln reisen Sie nun nach u.a. weiter nach Montreux. Fest steht auf jeden Fall, dass, so sie dieses Niveau kompensieren können, Amos und seine Band auch in Europa nicht mehr lange nur ein Geheimtipp bleiben werden.