Amphi Festival

V. AMPHI Festival - The ORKUS Open Air 2009

18.07.2009 Tanzbrunnen / Köln

Von: Shirin K

Amphi Festival Köln

Tag 1:

Knipsende Japaner haben in Köln meist eh genug zu tun, aber am Amphi-Samstag und -Sonntag hat sich schon einer zu Tode geknipst, denn die schwarze Szene trifft sich wieder am Tanzbrunnen, um Bands – und auch ein bisschen sich selbst – zu feiern. Vom knappen Lackkostümchen bis hin zum pompösen Samtkleid, von Männern in Uniformen und Kampfstiefeln bis hin zu Transvestiten… alles dabei!! Das fünfte Amphi Festival lockt dieses Jahr mit Fields of the Nephilim, Front 242, Unheilig, Laibach, Covenant und einer bunten Mischung aus Gothic- und Electro-Acts.

Als wir am Samstag ankommen, fällt uns sofort die stressfreie und straffe Organisation auf. Bändchen holen geht ruck zuck, hereingelassen werden wir von einem netten Security-Menschen und auf dem Festival-Gelände gibt es, wie immer auf schwarzen Events, Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung und pünktlich spielende Bands. Das Wetter hält sich bis auf einen kleinen Schauer bombig.

Die Rheinparkhalle als neue Indoor-Halle ist um einiges angenehmer als das Theater, in dem die letzten Jahre die Konzerte stattfanden, da sie nicht so klaustrophobisch gebaut ist. Als wir hineingehen, spielt gerade die belgische Combo Absolute Body Control. Unspektakulärer Minimal-Elektro mit einem Dirk Ivens (Klinik), der zwar aussieht, als würde er gleich einschlafen, sich aber Mühe gibt, besonders aggro rüberzukommen. Den hat man schon mal fitter erlebt.

Wir gähnen und gehen raus, wo uns Eisbrecher wieder aufwecken. Die Veteranen der Neuen deutschen Härte (die ja auch schon wieder alt ist…) mit dem bayrischen "Checker" Alexx als Sänger hat das Publikum fest im Griff. Mit bayerischem Hut und Weste bekleidet intoniert er noch "This is Deutsch" und den Megaherz-Klassiker "Miststück" inklusive Rap-Einlage (wobei er in dieser Version sein Herz an eine Schlampe in Köln verloren hat). Seine Homies sind begeistert und verlangen nach mehr. Leider verlangt die deutsche Pünktlichkeit, dass der nächsten Band Platz gemacht wird.

Jetzt sind Oldies angesagt: Leæther Strip, in Person des bulligen Claus Larsen, ist der erste Act des Tages, auf den ich mich freue. Moppelig und froh hopst der Däne dann auch auf die Bühne und zieht seine One-Man-Show ab. Vorne im Publikum starten die EBMler einen fröhlichen Mosh-Pit und mein Herz geht angesichts der schwitzenden Männer noch mehr auf – und platzt bei "Strap Me Down", "Untame Your Soul" und "Japanese Bodies" beinahe vor Freude. Hoffentlich wird Larsen sich ab jetzt öfter blicken lassen!

Nach soviel Nostalgie geht es dann wieder in die Halle, wo Agonoize das junge Elektro-Publikum beglücken. Die Drillinge des Bösen – wie ich sie getauft habe (ich kann sie verdammt noch mal nicht auseinander halten) – sind so was wie das Aggro-Berlin der schwarzen Szene. Der Trick ist: Bilden Sie so viele Sätze wie möglich mit ficken, Fotze, Hass, töten (jaja, das alte Eros-Thanatos-Motiv aufbereitet für das neue Millennium…), kurzum beschäftigen Sie sich mit der duuuuhhhuuuunklen Seite der menschlichen Existenz – und Sie werden Erfolg ernten: Tausende von kleinen Gothic-Mädchen liegen Agnonoize zu Füßen. Und wir haben das unheimlich große Glück, die Dancefloor-Hits "Schaufensterpuppenarsch" und "Koprolalie" (ja genau, das mit dem "Fick mich" Refrain) zu hören zu bekommen. Bevor Sänger Chris L. sich mit seinem Mikrokabel fast autostranguliert und ihm die Seele aus dem Hintern entweicht, verlassen wir dann aber – amüsiert – die Halle.

Es warten wieder Klassiker auf uns: Nach Leæther Strip aus Dänemark kommen nun Covenant aus Schweden. Ziemlich relaxed und in Anzügen betreten Eskil, Joakim und der andere die Bühne und zuckeln los. Da ich sie das letzte Mal vor Ewigkeiten auf dem Zillo-Festival gesehen habe, bin ich doch ein wenig erstaunt, wie kraftlos diese Show heute ist. Charmant sind sie noch und Eskil ist sehr bemüht, aus sich herauszugehen, aber irgendwie ist alles ein wenig zu lasch. Auch das Publikum braucht ein wenig länger, um in Fahrt zu kommen. Bei "Stalker" tauen die ersten allmählich auf. Bei "I Stand Alone" geht es dann auch ein kleines bisschen ab. Neue Sachen aus dem bald erscheinenden Album gibt es auch (Eskil sagt, er sei nervös, was wiederum sehr süß ist) und dann ist das Ganze auch ziemlich unspektakulär zu Ende.

Schnell in die Halle, um Feindflug zu sehen, die ja auch schon zum zweiten Mal auf dem Amphi spielen. Irgendwie ist die Bühne ein wenig zu klein für so viele Menschen, aber die Show ist wie immer cool. Es gibt wenig Licht auf der Bühne, das wenige kommt von den alten schwarz-weißen Kriegsfilmen im Hintergrund. Ansonsten trommeln und rocken die Soldaten, was das Zeug hält und lassen ein brachiales Rhythmusgewitter auf uns herunterregnen. Leider kommt dabei – wie wir später erfahren – wohl auch ein wenig Putz von der Decke runter. Pech für Feindflug, die deswegen ein wenig früher aufhören müssen. Die Halle wird gesperrt. Die Laibach-Fans auf später vertröstet. Doof gelaufen!

Währenddessen spielen auf der Hauptbühne Fields of the Nephilim einen bunten Strauß an alten Hits. Es ist mittlerweile supervoll geworden, denn Fields sind nicht nur seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Gothic-Szene, sondern auch seltene Gäste. McCoy, der alte Sheriff, hat sich aber gut gehalten, besticht die ersten Reihen mit stahlblauen Kontaktlinsen, und scheinbar wälzt er sich vor Auftritten immer noch in Mehl herum (und ich finde ja immer noch, dass ein Rabe auf seiner Schulter fehlt…). Nun ja, sie haben das Amphi-Publikum auf jeden Fall im Griff und mit "Preacher Man", "Moonchild" und "Love Under Will" liefern sie die Hits für einen gelungenen Abend (also, für die anderen zumindest…).

Und da wir leider schon zu kaputt sind, warten wir nicht mehr, bis die Veranstalter das alte Theater für Laibach hergerichtet haben und treten den Nachhauseweg an. Die Slowenen spielten wohl gegen Viertel vor zwölf im Theater, das noch auf die Schnelle dafür hergerichtet wurde. Kompliment an die Veranstalter, dass sie so schnell reagiert haben!

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Newsletter abonieren! RSS Feed abonieren!
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
myMTVmobile