Amphi Festival

V. AMPHI Festival - The ORKUS Open Air 2009

19.07.2009 Tanzbrunnen / Köln

Von: Shirin K

Amphi Festival Köln

Tag 2:

Am Tag zwei sorgt die Deutsche Bahn erstmal für Adrenalinausschüttung bei mir. Wegen Bauarbeiten verzögert sich die Reise um 20 Minuten, weswegen ich ausgerechnet zu Diorama, der Band, die mich am meisten begeistert, zu spät komme. Blöderweise hat die Band auch noch ein wenig früher angefangen als geplant. So gibt es vom genialen Torben Wendt und seinen Mitstreitern nur noch die letzten vier Songs auf die Ohren, immerhin "The Girls" und "Synthetize Me" und ein neues Lied, das auf dem neuen Album sein wird (wann immer es auch erscheint…). Wendt hat auf jeden Fall seinen Spaß, geht auf das Publikum ein, post und zieht Fratzen und bedankt sich für den frenetischen Applaus in 1.000 Sprachen. Eine Zugabe ist leider nicht drin! Und hier das obligatorische Gemecker: Schon vor zwei Jahren haben Diorama am frühen Nachmittag auf dem Amphi gespielt und schon da war das unverständlich, warum eine so fantastische Band, zu deren Show sich zahlreiche Fans eingefunden hatten, so früh spielen muss! Geliebte Veranstalter, wacht endlich auf!!! Diorama regieren!!

Nach der herrlichen Elektro-Musik von Diorama gibt es dann auf der Hauptbühne Mittelalterrock von Saltatio Mortis. Die spielen alle möglichen doll aussehenden Instrumente zum Drehen und Zupfen und blasen in alles hinein, was vorne lang und hinten breit ist, aber letztendlich ist die Musik doch sehr gitarrenlastig. Der Sänger, Alea der Bescheidene, trägt eine Tokyo Hotel Frisur in Kurz und legt sich so richtig ins Zeug. Das Publikum dankt es ihm mit Gejohle, Geklatsche und "wohoho"-Rufen. Vergleiche mit Subway to Sally und auch ein bisschen Tote Hosen drängen sich auf, aber wat soll's! Wenn's glücklich macht! Solide ist die Show allemal.

Was jetzt kommt, ist wahrscheinlich das Abgefahrenste, was man auf dem Amphi Festival je zu sehen bekommen hat: Düstere Klänge, Totempfahl, tanzende und trommelnde Azteken mit überdimensioniertem Federschmuck und Räucherschalen mit dem benebelnden Geruch von exotischen Gewürzen. Will sagen Mexiko, will sagen Hocico! Für mich der Höhepunkt an diesem Tag! Sänger Erk Aicrag und der dünnlippige Keyboarder Racso Agroyam (ich war überzeugt, er sei eine Frau, aber so kann man sich irren…) sind seit vielen vielen Jahren eine feste Größe in der Elektro-Szene. Mit "Starving Children" eröffnen sie einen der brachialsten und dunkelsten Auftritte, die ich auf einem schwarzen Festival gesehen habe. Erk lässt sich während des Konzerts von zwei der Azteken mit Blut beschmieren, was den optischen Unterhaltungswert auch noch steigert. Top!

Mit Schlager geht es dann weiter: Unheilig sind fast Dauergäste auf dem Amphi, natürlich nicht grundlos, denn die Gothic-Szene liegt ihnen zu Füßen. Der "Graf" ist ja auch ein durchaus charismatischer und (zähneknirsch…) sympathischer Mensch. Nur die Musik, egal ob es die schnellen Elektro-Nummern oder die pathosbeladenen Balladen sind, geht in meinen Ohren gar nicht. Und die gefühlsduseligen Texte kommen bei mir erst recht nicht an. Aber – der Graf kann sich super verkaufen und geht sehr liebevoll auf sein Publikum ein. Mit soooo viel Liebe macht er das, dass ganz viele Frauen (und ein paar Kerle) an diesem Abend Tränen in den Augen haben. Wie er macht er das bloß??? Es gibt Rätsel, die werden nie gelöst werden können...

Bis dahin haben wir das Theater (aus Klaustrophobiegründen) gemieden – trotz des launischen Wetters - aber jetzt führt kein Weg mehr an ihm vorbei, weil KMFDM dran sind. Leider haben die Urgesteine des Elektrorocks eine Verspätung von einer halben Stunde (verursacht durch QNTAL, die im Stau gestanden haben). Das bedeutet für KMFDM allerdings auch, dass ihr Auftritt fast zeitgleich mit dem von Front 242 stattfindet. Das ist absolut ärgerlich und ziemlich viele Leute verlassen das Theater noch kurz vor Showbeginn, weil sie sich für Front entschieden haben. Die Show kann sich sehen lassen, Sascha Konietzko und Co. holen das Beste aus dem Auftritt heraus und lassen niemanden ruhig stehen. Ich würde sie mir dennoch gerne beizeiten irgendwo stressfrei ansehen wollen. Nach dem langen Tag ist bei mir nämlich die Luft raus und wir machen uns auf den Nachhauseweg.

Fazit: Ein super gelungenes Festival trotz Pannen, coole Bands, nette Veranstalter und Security. Das nächste Mal nur bitte mit Diorama um 20 Uhr und zwar an beiden Tagen ;-) Bis zum nächsten Mal!

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Newsletter abonieren! RSS Feed abonieren!
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Coldplay Tickets bei www.eventim.de