Amplifier

The Octopus Tour 2011 - Support: Mojo Fury

12.12.2011 The Fleece / Bristol

Von: Shirin K

Amplifier Bristol

Seit der Veröffentlichung des Meisterwerks "The Octopus" bin ich ein großer Fan der britischen Band Amplifier, und so machte ich mich im Dezember auf nach Großbritannien, um ihnen auf ein paar ihrer UK-Shows zu huldigen – und es war es wert! Hier also ein Bericht von der letzten UK-Show.

An diesem regnerischen Montagabend in Bristol ist es schwer, trockenen Fußes zum The Fleece zu kommen, wo die letzte Show der UK-Tour stattfindet. Das Publikum in Bristol scheint das miese Wetter aber gewöhnt zu sein, und so ist der Club schon beim Support-Act Mojo Fury gut voll. Die nordirische Band war für mich die große Überraschung auf dieser Tour, und ihr Debüt "Visting Hours Of A Travelling Circus" läuft schon seit dem ersten Gig in Nottingham pausenlos auf meinem MP3-Player. Das Album ist Anfang 2011 veröffentlicht worden, hat es aber leider noch nicht geschafft, außerhalb der Grenzen der Insel Gehör zu finden. Das wird sich hoffentlich bald ändern. Michael Mormecha und seine drei Mitmusiker sind bereits mit Bands wie Oceansize, And So I Watch You From Afar und Biffy Clyro getourt, sie liefern feinen postindustriellen Rock mit progressivem Einschlag, und sie versprühen soviel Energie und Hingabe auf der Bühne, dass man ihnen sofort verfällt. Mojo Fury sind ganz klar die große Entdeckung dieses Jahres – für mich wie auch für die vielen anderen, die sich auf dieser Tour an ihrem Stand mit CDs und T-Shirts versorgt haben.

Während Mojo Fury allerdings noch show-technisch wachsen und kleine Unsicherheiten abschütteln müssen, haben Amplifier die Stufe der Erhabenheit längst erreicht. Selten habe ich eine Band gesehen, die so souverän und gebieterisch die Bühne für sich beansprucht (und ich spreche nicht von den 5.000 Octopus-Symbolen, die die ganze Bühne zupflastern und auch nicht von den überdimensionierten Koffern mit Effekt-Pedalen, die jedes Mal Musikfans vor der Bühne ihre Handys zücken lassen). Wenn Sänger Sel Balamir, Bassist Neil Mahony, Gitarrist Steve Durose (Ex-Oceansize) und Drummer Matt Brobin in ihren schwarzen Uniformen die Bühne betreten, dann hat das etwas von einer Kampfansage. Diese Männer sind nicht gekommen, um zu spielen, sie sind da um zu rocken und arschzutreten und auch in Bristol bekommt das Publikum einen Sound um die Ohren gehauen, dass ihnen Hören und Sehen alles andere als vergeht.

Mit dem epischen "Forever And More" eröffnen die Jungs die Show des Abends und spielen sich durch neue und alte Hymnen wie "Motorhead", "The Wave" und "The Octopus". Ich freue mich vor allem über "Sick Rose" und "Golden Ratio", zwei phänomenale Songs aus dem neuen Album, die auf der Frühjahrstour leider nicht gespielt wurden. Und wie auf den Konzerten zuvor, lasse ich mich auch diesmal von der außergewöhnlichen Stimme des Obergurus Sel Balamir und dem mächtig-psychedelischen Sound der Amplifier-Maschinerie einlullen. Vielleicht liegt es daran, dass dies das letzte Konzert der ganzen Tour ist, aber die Band geht auf dieser Show noch mehr ab als auf den letzten (was schon etwas heißen will). Während Neil Mahony die abenteuerlichsten Verrenkungen macht und sich in alle Himmelsrichtungen streckt, lässt Durose gepflegt die Rocksau raus, und Sel Balamir tritt mit einem Elan in die Effektpedale, dass man jedes Mal das Gefühl hat, er starte damit gerade eine Rakete ins All. Mit dem letzten Song "Airborne" schweben wir alle noch mal gemeinsam durch Raum und Zeit und werden von einem Gefühl der Glückseligkeit überschwemmt, das keine Droge der Welt bewirken kann. Ich bin mir sicher, dass das nicht das letzte Amplifier-Konzert in meinem Leben sein wird. Im Frühling nächsten Jahres werden Amplifier nämlich als Support von Anathema durch Europa touren. Das wird ein Fest!

Setlist:

Forever And More
Motorhead
The Wave
Interglacial Spell
Strange Seas Of Thought
The Octopus
White Horses At Sea
Golden Ratio
Interstellar
The Sick Rose
One Great Summer
Airborne

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