And So I Watch You From Afar

Tour 2011

26.10.2011 Underground / Köln

Von: Thomas Welsch

And So I Watch You From Afar Köln

Wie lange sollte ein Konzert mindestens sein? Ist die reine Dauer überhaupt entscheidend? Ein Abend mit den Instrumentalrockern And So I Watch You From Afar kann für die Beantwortung solcher Fragen neue Impulse geben. Lediglich eine Stunde dauert deren Gastspiel im gut gefüllten Kölner Underground, aber diese 60 Minuten haben es in sich. Die vier Musiker aus Belfast verausgaben sich, sind in jeder Sekunde präsent und spielen am Limit.

Schon ihr Opener "BEAUTIFULUNIVERSEMASTERCHAMPION" bildet die ganze Bandbreite ihrer Musik ab: Wuchtige Riffs und wildes Gitarrenspiel, das den Zuhörer immer wieder an den Rand des Schwindels treibt. Zusammen mit "Gang (Starting Never Stopping)" und dem glänzenden "Search:Party:Animal" entspricht der Beginn des Konzertes dem ihres aktuellen Albums "Gangs". Wieder einmal zeigt sich, dass Instumentalbands den Freiraum bei der Namensfindung ihrer Songs voll ausschöpfen. Das aber nur am Rande, da die überbordende Kreativität der Vier ganz in ihre Musik fließt. Und die ist live noch viel beeindruckender als in den Studioversionen. Während "D Is For Django The Bastard" mit Jazzelementen glänzt, wird bei "S Is For Salamander" vor der Bühne kräftig gepoged. Das Publikum hat nicht lange gebraucht, um ganz in der Show zu sein. Viel Zeit bleibt ihnen für so etwas heute auch nicht.

Bei all dem zwirbeligen Mathrock, der dem recht jungen Publikum um die Ohren gebrezelt wird, ist Bassist Jonathan Adger so etwas wie ein Ruhepol. Eingerahmt von seinen hochagilen Gitarristen Rory Friers und Tony Wright bietet er Orientierung in akustischer wie visueller Hinsicht. Roter Bart, grünes Shirt, so sieht ein Ire aus. Dass man mit solchen Klischees bei AIWYFA nicht weiterkommt, zeigt Friers´ Wahl seines Shirts: Das Plattencover von Michaels Jackson´s "Thriller". Beim Thema Klischee kommt mir auch wieder der Support des Abends in den Kopf: Antlered Man´s Gitarrist ergänzte den Hinweis seines Sängers auf ihre spätere Präsenz am Merchandise-Stand mit dem Zusatz, dort könne man dann auch sein bestes Stück lutschen ("Suc* my dic*"). Yeah, Rock ´n Roll!

Ich zumindest halte den gesamten Abend größtmöglichen Sicherheitsabstand zum Merche. Diesen geben die Gitarristen des Hauptacts in der Zugabe völlig auf. Friers und Wright verlassen während "The Voiceless" die Bühne, begeben sich in die Mitte des Raumes und gehen in die Hocke. Alle Fans um sie herum tun es ihnen gleich, was ein richtig schönes Bild ergibt und ganz viele strahlende Gesichter hervorruft. Zu den letzten Feedbacks, bevor die Männer aus Belfast die Bühne endgültig verlassen, hängt Friers einem Fan in der ersten Reihe seine Gitarre um den Hals. An verbindenden Gesten hat es an diesem Abend nicht gemangelt. An Spielfreude auch nicht. Und an Spieldauer ebenfalls nicht. Denn 60 Minuten können verdammt viel bieten.

Setlist:

BEAUTIFULUNIVERSEMASTERCHAMPION
Gang (Starting Never Stopping)
Search:Party:Animal
A Little Bit Of Solidarity Goes A Long Way
7 Billion People All Alive At Once
D Is For Django The Bastard
S Is For Salamander
Don't Waste Time Doing Things You Hate
---------------
Set Guitars To Kill
The Voiceless

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