Tour 2009 - Support: Gringo Star
Dem an sich schon gelungenen jüngsten Werk derjenigen, die wir als Trail Of Dead kennen werden, liegt in der erweiterten Version eine Video-DVD mit dem Düsseldorfer Auftritt des Vorjahres bei. Diese hat meine Vorfreude auf ihr Stelldichein in Köln ganz ordentlich steigen lassen. Auch der WDR ist mit seinem Rockpalast-Team angerückt, um die Texaner in Bild und Ton einzufangen. Um dies lückenlos zu bewerkstelligen, sind mindestens fünf Kameras im Einsatz. Mitsamt den hierfür installierten Rampen nehmen sie einiges an Platz in der nicht ganz vollen Live Music Hall ein. Am 7. Juni werden dann einige Video- und HD-Recorder auf 0.30 Uhr programmiert sein. Die Fernsehcrew nimmt übrigens auch den Gig der Vorband Gringo Star auf.
Kurz vor halb zehn betreten die Musikanthropologen um Conrad Keely die Bühne. Intro und erster Song entsprechen dem Anfang des aktuellen Albums "The Century Of Self". Dieses Werk wird an diesem Abend mit drei Songs vertreten sein, die allesamt im ersten Drittel platziert sind. Den Anfang macht "The Far Pavilions", welches auch live seinen Reiz im gesanglichen Antagonismus Keelys und Reeces hat. "Isis Unveiled" entwickelt nicht ganz den Glanz, den die Studioversion dank wunderbarer Melodie verspricht. Vielleicht liegt dies auch an dem nicht perfekt abgemischten Sound. Vor allem Longorias Keyboard erreicht eine oft an die Schmerzgrenze reichende Lautstärke. Als würde er dies wissen, setzt er während des gesamten Konzerts ein äußerst angestrengtes Gesicht auf. Hoffentlich wird er nicht allzu häufig im Rockpalast-Bild sein. Auf der anderen Bühnenseite steht die Unbeteiligtheit in Person: Kevin Allen ist wirklich durch nichts aus der Ruhe zu bringen. So gesehen, bieten die beiden einen passenden Rahmen für die Rampensäue zwischen ihnen. Keely und Reece bringen den Bereich vor der Bühne zum Kochen. Da enden sogar Stage-Diving-Versuche in dem dann doch überraschend breiten Graben, was den Kameramann erschreckt hinter sich schauen lässt.
"Bells Of Creation", das sich auf der bereits erwähnten DVD besonders positiv hervorhebt, lässt mich überraschend kalt. Während "Will You Smile Again?" sinniere ich noch immer über den Grund hierfür. Vielleicht erwarte ich von einer Band, die abseits der Bühne so gut darin ist, Mythen um sich zu weben, einen Tick mehr Tiefe und Unergründlichkeit. Stattdessen gibt es was auf die Ohren und die meisten der Anwesenden scheinen das zu genießen. Die Stimmung ist sehr gut und Jason Reece lässt sich auf der Woge der Begeisterung während "Caterwaul" zu einem Ausflug ins Publikum hinreißen. Klingt nach spontaner Aktion, ist jedoch gut durch choreografiert. Während er über die Theke wandert, schleudert er das ihm kostenlos gereichte Bier in den Moshpit.
Trail Of Dead sind ja bekannt für eine aufwändige Orchestrierung ihrer Songs. Die optische Entsprechung besteht scheinbar in den gegen Ende des Konzerts immer häufiger eingesetzten grellen Lichtblitzen, die das Publikum übermäßig penetrieren. Trotz geschlossener Augen denke ich nur, wenn ich jetzt keinen epileptischen Anfall bekomme, dann wohl nie mehr. Bin ich eigentlich gewarnt worden? Wer ist für Spätfolgen haftbar zu machen?
Mit "Totally Natural", "Mistakes And Regrets" und "Perfect Teenhood" schließen drei wuchtige Songs aus dem 99er Album "Madonna" das 75-minütige Set ab. Dass andere Bands nach dieser Zeit erst richtig in einen Konzertabend einsteigen, sei mal wieder am Rande erwähnt. Eine weitere Zugabe nach "Perfect Teenhood" wäre angesichts des durch Reece in seine Einzelteile zerlegten zweiten Schlagzeugs eh schwierig geworden.
Setlist:
The Giants Causeway / The Far Pavilions
It Was There That I Saw You
Isis Unveiled
Homage
Bells Of Creation
Will You Smile Again?
Relative Ways
Caterwaul
Another Morning Stoner
Clair De Lune
Totally Natural
Mistakes And Regrets
Perfect Teenhood