Angus & Julia Stone

Down The Way-Tour 2010

26.04.2010 Gebäude9 / Köln

Von: Simon Baranowski

Angus & Julia Stone Köln

Die Bühne ist geschmackvoll dekoriert. Lichterketten, bunte Frühlingszweige und kleine Lampen stehen neben den üblichen Instrumenten auf der Bühne. Sagt man der Höflichkeit wegen nicht immer zuerst den Namen der Dame? Jedenfalls betreten Angus & Julia Stone nach einer schier endlos vorkommenden Wartezeit am späten Montagabend die Bühne im Kölner Gebäude 9. Die beiden Australier haben den weiten Weg aus Down Under nicht allein angetreten. Erst kürzlich erschien bei uns ihr zweites Album "Down The Way". Mit Live-Unterstützung aus New York, Matt Johnson am Schlagzeug und Rob Calder am Bass, präsentieren Angus & Julia Stone also am heutigen Abend ihren lieblichen Country-Folk-Pop, der mal in die Singer-/Songwriter Schiene abdriftet und durchaus auch mal etwas rockiger werden kann, schenkt man dem neuen Werk ein Ohr.

"Is there a remedy for waiting?" heißt es ironischerweise im Opener "All Of Me". Fühlt man sich jetzt auf den Arm genommen oder soll man wirklich Toleranz zeigen und abwarten was noch folgt an diesem Abend? Jedenfalls wirken beide Hauptakteure zu Beginn der Show äußerst distanziert und völlig unnahbar. Neben einer bezaubernden Fee in Gestalt von Julia Stone entpuppt sich ihr jüngerer Bruder Angus als Rübezahl, allerhöchstens als Ziegenpeter. Und das soll jetzt nicht herablassend gemeint sein. Der Junge sieht einfach nur so aus und scheint eine Reinkarnation des Christopher McCandless zu sein, der allerdings die Kurve noch gekriegt hat. Die anfangs etwas biedere Grundstimmung legt sich nach drei Songs. Vor allem Julia Stone wird von Lied zu Lied lockerer. Fleißig werden die Instrumente gewechselt. Uneinigkeit scheint zu herrschen auf der Bühne welcher Song wann im Set auftauchen soll. Letztendlich schaffen es nicht nur Songs aus den beiden veröffentlichten Alben "A Book Like These" (2007) und "Down The Way" (2010), sondern auch von den weniger bekannten EPs "Chocolates & Cigarettes" (2006) und "Heart Full Of Wine" (2007). Dabei wird "Private Lawns" unheimlich groovy dargeboten und zusätzlich von einem Trompetensolo Julia Stones getragen. "Mango Tree" und "Paper Aeroplane" schließen sich der Riege der EP-Tracks an.

Die zwischen Joanna Newsom und Jewel Kilcher wankende, ja leicht kindliche Stimme der Julia Stone wirkt live noch intensiver als auf Platte. Das anmutige "For You" treibt einem das Wasser in die Augen. Da muss sich selbst der große Kerl neben mir zusammenreißen! Bei "I'm Not Yours" scheint man einem Déjà-vu nicht zu entkommen und ist abermals den Tränen nah. Während viele Songs entzücken und das Herz stärker schlagen lassen, kommt es bei anderen Songs zu leicht groovigen Ergüssen. So sticht vor allem der siebeneinhalb Minuten Track "Yellow Brick Road" heraus. Mit Eleganz, Rhythmus und Leidenschaft verkörpert Julia Stone allein im Gitarren-Solo eine enorme Ausstrahlung. Zwischen Diva und Fee setzt sie sich deutlich ab von dem schüchtern und zurückhaltend wirkenden Angus. Das Geschwisterpaar wuchs in Sydney auf und dachte, dass die Beatles auf dem weißen Album die Songs ihres Vaters covern, bis sie schließlich herausfanden, dass es doch anders herum ablief. Das hinderte sie zum Glück nicht daran eigene Songs zu schreiben. Dennoch schlich sich ein Cover ein. Der Grease Hit "You’re The One That I Want" wird in eine Angus & Julia Stone passende Form gebracht und lässt alle Grease-Liebhaber strahlen.

Zugaben braucht eigentlich kein Mensch. Dennoch ist es auch bei Angus & Julia Stone so, dass die Bühne kurz verlassen und dann wieder betreten wird. "Just A Boy" ist der Einstieg in das zweite Set. Was mehr als ärgerlich ist, ist die Tatsache, dass ein Konzert an einem Wochentag sehr spät beginnt. So werden bedauernswerterweise die letzten Songs verpasst, weil man auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist. Haben die Turin Breaks letzte Woche an einem Wochenende sehr früh gespielt und mussten Platz machen für die anschließende Teenyparty, so muss man in der Woche seine Joggingeinheit auf nächtlichen Bahnhöfen abhalten. Schade drum, denn die drei Songs die wohl noch kamen, hätte man gerne mitgenommen.

Angus & Julia Stone waren musikalisch ein wahrer Genuss. Die Augen geschlossen, das Herz geöffnet. Normalerweise haben die äußeren Umstände nichts mit der Qualität der Musik zu tun, aber im Stehen herunterlaufende Schweißperlen aufgrund gewohnt fehlender Belüftung im Gebäude 9 plus Dauerknutscher rechts und links, machen den Abend trotz wundervoller Musik nicht unbedingt angenehmer. Die Welt ist ein Jammertal und ich steh mitten drin! Alle anderen zum Glück auch.

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