Down The Way-Tour 2010 - Support: Moddi
Der lässige Folk des Geschwisterpaares Angus & Julia Stone, der vereinzelt mit Popelementen versetzt ist, schaffte es innerhalb weniger Monate alle in ihren Bann zu ziehen. Dabei begann alles ganz harmlos. Lediglich um ein paar Dollar dazu zu verdienen, nahmen sie eine EP auf, um diese schließlich bei ihren gemeinsamen Konzerten zu verkaufen. Schon spielten die Radiosender ihre Songs rauf und runter, Booker und schließlich auch Chris Potter (The Verve, Richard Ashcroft) wurden auf das Duo aufmerksam. Mit ihrem Debütalbum "A Book Like This" erlangten sie bereits zahlreiche Nominierungen für so ziemlich alle möglichen ARIA-Preise. Ihr neuestes Werk "Down The Way" verschlug es in den Australischen Charts sofort auf Platz 1 und erntete zudem den ARIA Award für das beste Album 2010. Dem hypnotischen Charme der beiden kann sich wirklich niemand entziehen, vor allem live nicht, wenn das musikalische Potenzial von Angus und Julia Stone erst voll zur Geltung kommt. Und so wundert es auch nicht, dass ihre Konzerte stets ausverkauft sind. Das sieht auch bei ihrer aktuellen Deutschlandtour und auch heute im Hamburger Übel & Gefährlich nicht anders aus.
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ich früh dran bin, wenn ich eine halbe Stunde vor Konzertbeginn eintreffe. Doch weit gefehlt. Das Übel & Gefährlich ist schon seit Wochen ausverkauft und als ich im Club ankomme, ist er bereits brechend voll. Auf einen Platz in den vorderen Reihen hofft man jetzt nur noch vergeblich. Und es nimmt kein Ende: Immer mehr und mehr Menschen strömen in den Club, der entsetzte Gesichtsausdruck bei den Besuchern am Eingang ist immer derselbe. Das Publikum ist wunderbar gemischt. Alle Altersklassen und Stile sind vertreten, gemeinsam fiebert man einem fantastischen Konzertabend entgegen. Die Bühne ist liebevoll dekoriert und gleicht eher einem Wohnzimmer. An der Rückwand hängen Bilder, über die gesamte Bühne wurden Wohnzimmerlampen und beleuchtete Blumensträucher aufgestellt, die für ein gemütliches Licht und Ambiente sorgen.
Mit dem sympathischen Norweger Moddi beginnt der heutige Konzertabend. Bei den melancholischen Songs des 23-jährigen, die von herzzerreißender Geige und Akkordeon begleitet werden, kann man schon mal getrost die Augen schließen und sich in die richtige Stimmung versetzen lassen. Schwer kommt der fast schon schüchtern wirkende junge Mann gegen den Geräuschpegel aus dem Publikum an, findet aber wohl genau mit dieser charmanten Art großen Anklang bei diesem. Sichtlich gerührt von der positiven Resonanz erzählt er, dass er schon bald wieder kommen wird. Na, da freuen wir uns doch drauf.
Obwohl die Umbaupause nicht länger als sonst dauert, wird diese fast zur Geduldsprobe. Der ganze Raum ist mit einer Spannung gefüllt, der man sich nicht entziehen kann. Durch Klatschen, Zurufe und Pfiffe werden die Kanadier regelrecht auf die Bühne gefordert. Dementsprechend groß ist die Begeisterung als das Duo schließlich um ca. 22 Uhr die Bühne betritt. Sofort setzt ein Blitzlichtgewitter ein, gefühlt jeder hier versucht sich einen Schnappschuss des Geschwisterpaares zu ergattern. Kein bisschen beeindruckt oder gar irritiert davon legen die beiden dann auch schon mit "Santa Monica Dream" los und ernten sofort enthusiastischen Applaus von den Fans. Mit der Zeit werden die beiden immer redseliger, bringen uns mit ihren kleinen Anekdoten zum Lachen oder rühren uns zu Tränen. Mit ihrer charmanten Art und ihren süßen sowie melancholischen Songs spielen sie sich direkt in die Herzen der Zuschauer, ergreifen deren Seelen, laden zum fröhlichen Mitschunkeln ein oder regen zum Träumen an. Ein Konzert mit so zahlreichen Emotionsfeuerwerken erlebt man wirklich selten. Und dabei wirken die beiden so unbefangen und natürlich.
Sie präsentieren uns eine ausgezeichnete Auswahl aus dem Repertoire ihrer beiden Alben, aber auch Songs ihrer EP’s. Die Stimme von Julia kommt live noch gewaltiger zur Geltung als auf Platte, und überzieht den ganzen Körper durch und durch mit einer Gänsehaut. Es ist also wenig verwunderlich, dass hier um 23:35 Uhr noch keiner nach Hause gehen will und man die beiden nicht so einfach davon ziehen lässt. Und die Sympathieträger lassen sich auch nicht lange bitten, um uns noch zwei weitere Songs darzubieten. Die Stimmung ist wirklich atemberaubend und lässt wirklich keine Wünsche offen. Um 23:50 Uhr endet das Konzert schließlich. Bei dem bloßen Gedanken an diesen fantastischen Abend überkommen mich erneut die Emotionen und lassen es ganz warm werden ums Herz. Die beiden charmanten Kanadier scheinen demnach alles richtig gemacht zu haben.
Setlist:
Santa Monica Dream
Bella
For You
Hush
The One That I Want
Big Jet Plane
Private Lawns
Black Crow
And The Boys
Just A Boy
Hold On
Yellow Brick Road
Does The Love
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Babylon
All Of Me