„Das Spiel beginnt“ - Boheme - Tour 2005
Nach insgesamt eineinhalb Stunden verlässt sie die Bühne. Ich blicke nach rechts in das strahlende Gesicht meines Metal-Nachbarn und höre die Worte: „Hat mir echt gut gefallen, die Kleine. Toll gemacht“ und ein wenig später: „Ich glaub, ich hol mir die CD“. Was hat diese Metamorphose verursacht? Annett Louisan, ist die Antwort. Was war passiert?
Der Reihe nach.
Gegen halb Acht erreichen wir das Gelände des Colosseums in der Essener Innenstadt. Schon der erste Eindruck ist positiv. Versteckt hinter einem großen Kino steht der Bau aus alten Zechenzeiten. Im weiträumigen Foyer stehen Kartenabreißer im Livree. Theater- statt Konzerthallenambiente.
Ein Gong ertönt, wir gehen in den Saal und sind auf die Vorgruppe, Michel van Dyke aus Hamburg, gespannt. Das Licht verdunkelt sich, drei Herren betreten die Bühne und beginnen ihr Spiel. Mein Fazit ein Lied später: Ja, ne Vorgruppe war da.
Zwei Pils darauf sitzen wir wieder an unseren Plätzen und der Vorhang geht auf. Die Band, bestehend aus einem Schlagzeuger, einem Keyboarder und Cellisten, einem Bassisten und zwei Gitarristen ist bereits an ihren Plätzen. In der linken Ecke der Bühne steht eine Leinwand, auf die im Laufe des Abends zu den Liedern passende Bilder projiziert werden. In der rechten Ecke steht auf einer Empore ein rotes Sofa, über dem ein großes Gemälde hängt, sowie ein Kerzenleuchter. Das Licht bleibt gedämpft. Annett Louisan betritt mit ihren 1,52m, in einem dunklen Kostüm und Cowboystiefeln, die Bühne und begrüßt das Publikum im leider nicht ganz ausverkauften Saal. Ihr erstes Lied ist Die Lüge. Im Laufe des Abends wird sie fast das gesamte Programm ihrer CD, sowie einige neue Songs präsentieren. Charmant, wie Annett jedes ihrer Lieder mit einer kleinen Anmoderation eröffnet. Sie zitiert vor dem einen Lied Watzlawick´s „Die Prophezeiung“ und bei einem anderen aus „Warum Männer schlecht zuhören und Frauen nicht einparken können“. Viel Beifall erhält sie natürlich für Das Spiel, ihrem wohl bekanntesten Song. Das persönlich schönste fand ich jedoch ein nicht auf dem Album enthaltenes Lied. Meine Freundin Eve ist ein wortwitziger Titel, der von Publikum mit Lachern und viel Applaus bedacht wurde.
Die bunte Mixtur aus dem vielzitierten Lolita-Image, den leicht jazzigen Chansonliedern, einer exzellenten Band, der sie an vielen Stellen Platz für Soli lässt, die diese Zeit wiederum mehr als nur gekonnt ausnutzen, und das schöne Ambiente passen einfach fantastisch zueinander.
Beeindruckend, wie so viel Stimme aus so wenig Mensch hervorkommen kann. Gerade ihr Stimmvolumen, welches Sie vor allem in dem Song Der Blender präsentierte, überrascht. Live sogar noch mehr, als auf ihrer CD.
Auf einer Veröffentlichung las ich vor kurzem, sie hätte eine Elfenstimme, so nah am Gesicht, dass man den Atem spüren könne. Kokolores. Die Frau ist deutlich besser, als dass es eines solchen Bildes genüge oder bedürfe. Eine ernstzunehmende Künstlerin, die es für mindestens einen Abend schafft, die Besucher für ihre Geschichte zu begeistern und somit für eine hervorragende Unterhaltung sorgt. Hat Spaß gemacht!