Anoushka Shankar

The Anoushka Shankar Project 2010 - SUDAKSHINI

31.05.2010 Philharmonie / Köln

Von: Thomas Welsch

Anoushka Shankar Köln

Rot ist in Indien die Farbe des Glücks und der Freude. So gesehen ist es nur stimmig, dass Anoushka Shankar und ihre vier Mitstreiter komplett in dieser Farbe gekleidet sind und auch die Bühne meist in rotes Licht gehüllt ist. Sie könnte ihre gute Laune, selbst wenn sie wollte, nur schwer verbergen. Zu oft huscht ein ansteckendes Lächeln über ihr Gesicht, ausgelöst durch ein umwerfendes Solo eines ihrer musikalischen Begleiter oder Beifallsbekundungen des Publikums. Jenes ist bunt gemischt. Neben Krawatten sieht man Kapuzenpullis und traditionelle indische Saris. Kinder und Senioren lockern das Bild zusätzlich auf.

Der Auftritt der Tochter Ravi Shankars ist in zwei Sequenzen unterteilt. Nicht nur, um dem Philharmonie-Publikum die gewohnte Pause zu ermöglichen, sondern auch um den musikalischen Unterschieden gerecht zu werden. Während der erste Teil durch nordindische Einflüsse samt Kompositionen des berühmten Vaters geprägt ist, setzt sich Teil zwei aus südindischen Ragas in Kombination mit Elementen westlicher Stilrichtungen zusammen. Zusammenfassend könnte man sagen, die teils melancholische Virtuosität weicht nach der Pause grenzenloser Spielfreude. Oder anders betrachtet: Während sie zu Beginn in der Tradition ihres Vaters beweist, was für eine grandiose Schülerin sie ist und ihm dankbar Referenzen erweist, tritt Anoushka Shankar mit fortschreitender Dauer ihres Konzertes mehr und mehr aus seinem Schatten. Es sind ihre eigenen Kompositionen, die sie immer unbeschwerter aufspielen lassen.

Tanmoy Bose an der Tabla ist so etwas wie ihr Fixpunkt. Dabei ist in vielen Phasen gar nicht klar, ob sie ihm mit der Sitar folgt oder er sich an ihrem fantastischen Spiel orientiert. Immer wieder rennen eifrige Mitarbeiterinnen der Philharmonie die Treppen herunter, um die vielen Hobbyfotografen zu ermahnen, denen das sichtlich peinlich ist. Sie hätten wohl gerne ohne Blitz fotografiert, wenn ihr Enkel ihnen doch nur gezeigt hätte, wie sie diese Einstellung an ihrer neuen Digitalkamera hinbekommen. Die Musiker auf der Bühne lassen sich dadurch nicht stören und laufen vor allem im zweiten Teil zur Hochform auf. Hier und da lugt der Flamenco durch die indischen Klänge. Manchmal erreichen die Sitar und Ravichandra Kulurs Flöte ungeahnte Geschwindigkeiten und bleiben dabei so synchron wie zwei perfekt aufeinander abgestimmte Uhrwerke. Es gibt aber auch Sequenzen, in denen sie in einen Dialog der Instrumente treten und abwechselnd aufeinander eingehen. Apropos Dialog: Heiter wird´s als sich die beiden Perkussionisten ein Gesangsduell der besonderen Art liefern. Die Sprechgesänge erreichen eine irrwitzige Schnelligkeit und erheitern das Publikum. In den Solo-Parts darf fast jeder noch einmal zeigen wozu er in der Lage ist.

Auf einem Konzert Anoushka Shankars schwankt man immer wieder zwischen demütiger Hingabe der mystischen Atmosphäre und großer Bewunderung ihrer Fähigkeiten. Wer kann, vereint seine Eindrücke zu einem unvergleichlichen Gesamterlebnis.

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