Unplugged Tour 2005 Support: The Amber Light
Die folgenden Zeilen bitte ich vorab zu entschuldigen, der professionelle Teil folgt dann nach den folgenden beiden Eindrücken. Vorab sei gesagt, dass bei beiden Eindrücken keinerlei Drogen im Spiel waren, berauscht war man trotzdem.. aber dazu gleich mehr.
„Wuhu. Irgendwo anders hängen tu ich grad (?) haaaaaaach ich war grad aufm archive konzert (endlich! endlich!) und sie waren besser als ich es mir jemals hätte vorstellen können. wahnsinn. das war eine der schönsten reisen die ich jemals angetreten bin... mit so vielen schmerzen und qualen aber am ende mit hoffnung und freude... ach das hört sich so kitschig an, aber es war wirklich fantastisch. olala und die sängerin! geniaaaal! noch nie hat mich eine frauenstimme so sehr berührt. und der sänger meine güte. eine komische gestalt. aber mit so einer tollen stimme... so viel sagend, so einzigartig. ich fühl mich wie getreten, aber trotzdem gut. bekloppt, aber das konzert hat glaub ich ziemlich viel gelöst... in mir drin. öh? komisches zeugs was ich schreibe, aber ich bin noch etwas eingehüllt von einer anderen umgebung (?). NEHMT MICH EINFACH NICHT ERNST BÖH“.
„Julia hat ja sooooooooowas von Recht.. ich bin immer noch hin und weg und trau mich seit 2 Stunden keine Musik zu hören um nur nicht diese Stimmung zu verlieren. Es war ungelogen das SCHÖNSTE Konzert was ich jemals erlebt habe. Ich saß ganz vorne links die ganze Zeit auf dem Boden (naja.. außer die ersten 3 Lieder bei denen ich Fotos machen musste) und habe oft versucht die Augen so lange wie möglich geschlossen zu halten.. bis die Gänsehaut zu stark wurde und ich die Sänger wieder anschauen musste.
Die Vorband war ja schon sehr gut und hat mir ausgezeichnet gefallen... aber dass Archive um sooooviele Welten besser sind, unglaublich. Ich war ja zuerst skeptisch weil ich heute nochmal die Archive Unplugged CD gehört habe. Waren 10 Tracks, "Again"... DAS Lied von Archive fehlte und der Sänger hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme eine Erkältung... klang aber immer noch sehr gut.
Und was ist? Eine zusätzliche Sängerin mit am Start... 14 Lieder werden gespielt... 2 Mal kommen sie wieder auf die Bühne und "Again" wird Unplugged gespielt... für mich eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit aber sie haben das Unmögliche möglich gemacht... wow.
Ich fand es toll, dass so viele Leute auf dem Boden vorne saßen, das hat eine unbeschreibliche Atmosphäre gebildet. Oh mann... ich bin verliebt in die Band... hoffentlich kann ich nachher schlafen.
Achja... und die Stimme des Sängers und der Sängerin haben so derbe Spuren in meiner Seele hinterlassen... unglaublich 2 Keyboarder, 1 Sänger, 1 Sängerin und 1 Gitarrist = Der schönste Abend meines Lebens.
Nun beginnt der eigentliche Bericht:
Was war geschehen, dass zwei Menschen (Julia und ich) in so große Begeisterung ausbrechen und fast wie im Fieberwahn ihre Eindrücke schildern?
Das Ganze fing um 21 Uhr mit dem deutschen Support The Amber Light an. Louis Gabiani (Gesang + Gitarre) und Jan Sydow (Gitarre) gaben ein gut 40-minütiges Akustikset zum Besten. Überwiegend wurden Stücke der aktuellen EP "Stranger & Strangers" und des Debutalbums "Goodbye To Dusk, Farewell To Dawn" gespielt. Die ungeheuer intime Atmosphäre die von der Band ausgestrahlt wurde nahm man zum Anlass, um sich direkt vor die Bühne im Schneidersitz hinzusetzen und im Sitzen den Auftritt zu genießen. Leider war zu dem Zeitpunkt der Prime Club eher dürftig gefüllt was aber der Atmosphäre eher zugute kam. Nach einer kurzen Verstärkung durch eine befreundete Sängerin und Auftritt des Bassisten Rabin Dasgupta verliess dann die Band unter begeistertem Applaus die Bühne. Drummer Peter Ederer war leider nicht anwesend da es ja ein reines Unplugged Konzert war und die Band normalerweise starke elektronische Einflüsse in ihre Musik einfliessen lässt. Ich hoffe, dass auf dem nächsten Longplayer auch 2 bis 3 Akkustikstücke mit dabei sind, ein Gebiet auf dem sich diese Band wahrlich nicht verstecken braucht.
Nach einer sehr kurzen Umbaupause und der letzten Gelegenheit sich die Beine zu vertreten kam dann auch die Stunde für Archive. Der Laden war mittlerweile auch wesentlich besser besucht, wenn auch weit davon entfernt ausverkauft zu sein (zum Glück möchte ich fast sagen). Vielleicht hatte die Nachricht, dass Sänger Craig Walter aus persönlichen Gründen nicht an der Tour teilnehmen wird einige Fans abgeschreckt. Vielleicht war es auch einfach die Tatsache, dass Archive den Sprung von Trip-Hop zu Noise/Art Rock zwar erfolgreich gemeistert haben aber man ihnen einfach nicht zutraute auch ohne Elektronik überzeugen zu können.
Um Punkt 22 Uhr erlosch das Licht, einige der Anwesenden setzten sich wieder auf den Boden und eine Gänsehautstimmung machte sich breit, als fünf schemenhafte Gestalten in der Dunkelheit ihre Plätze auf der Bühne einnahmen. Dann ertönten die ersten Klänge des Songs "Finding It So Hard" und alle Skepsis die man hätte haben können wurde im Nu aus den Köpfen der Anwesenden geblasen.
Für Craig war ein Sänger namens Dave Penney eingesprungen der ihn mehr als würdig vertrat. Seine tiefe, leicht raue Stimme zog einen von der ersten Sekunde an in einen Strudel der Gefühle, aus dem man einfach nicht entkommen konnte. Der Song wurde von 17 Minuten auf gut 5 Minuten gekürzt und erntete verdienten Applaus. Dann eine kurze Pause, und Sängerin Maria Q übernahm für den nächsten Song "Pulse" das Ruder. Auf den letzten beiden Alben war sie schon spürbar vertreten aber live ertönte ihre Stimme in ungeahnten Dimensionen. Die Stimme schien direkt durch das Herz zu schneiden und egal ob hoher und süsser oder tiefer und rauchiger Ton... ihre Stimme arbeitete wie das Instrument eines Meisterchirurgen. In dem Song bekamen auch die beiden Herren am Keyboard wesentlich mehr zu tun, die zusammen mit dem Gitarristen für die perfekte Veredlung des Klangteppichs sorgten. Auch hier wieder begeisterter Applaus der nach jedem Song verdient folgte.
Meine persönlichen Highlights an dem Abend folgten später mit "Fuck U" und "Again", die schon beim ersten Ton für begeisterten Applaus vorab sorgten. "Fuck U", ein bitterböser Song des "Noise" Albums wurde mit einer seelenruhigen Stimme von Dave vorgetragen, nur um sich im Verlauf des Liedes in kraftvolle Wut zu verwandeln. Mit "Again" folgte dann, als letzter Song des regulären Sets wohl DER Archive Song schlechthin. Auf der "You All Look The Same To Me"-CD der Opener mit stolzen 16 Minuten Dauer wurde er Unplugged auf vielleicht 6 Minuten gekürzt. Das Ganze tat aber der emotionalen Wirkung des Songs keinerlei Abbruch und die Band arbeite wie ein Schweizer Uhrwerk. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass man diesen Song so perfekt in einem Akustikset untergebracht bekommt. Das Ganze wirkte wie pure Magie und dafür ein dickes Danke an die Band.
Danach verliessen Archive dann die Bühne aber das Publikum hatte noch lange nicht genug. Lauter Applaus und begeisterte Rufe lockten die Band wieder zurück und Sänger Dave bedankte sich schüchtern beim Publikum. Es folgten dann ein mir unbekannter Song bei dem Dave im Vorfeld ankündigte das dieser Song nicht Teil des Soundchecks war und bat um Nachsicht falls er den Song vergeigen würde (was er nicht tat). Das grandiose "Hate" brachte dann den Zugabenblock zum Abschluss und die Band verliess, nachdem man sich bedankt hatte, die Bühne. Die Fans liessen aber nicht so leicht locker und einen kurzen Moment später kam Sängerin Maria Q mit dem Gitarristen zurück auf die Bühne und bedankte sich überglücklich. Sie gab einen Cover-Song von Portishead zum Besten ("Roads") und bat ebenfalls um Entschuldigung, falls sie den Song nicht hinbekommt. Aber auch bei "Roads" gab es zu keinem Zeitpunkt Anlass zur Sorge und der Song brauchte sich hinter dem Original in keinster Weise zu versteckenÂ… und das soll was heissen.
"Get Out", von Dave Perrey vorgetragen, bildete dann das Schlusslicht dieses unglaublichen Abends. Man verneigte sich noch einmal vor dem Publikum und freute sich deutlich sichtbar über diesen Abend. Die Atmosphäre in dem Club war einfach wundervoll, dafür auch noch ein Dankeschön an all die lieben Leute die an dem Abend anwesend waren. Auch auf der technischen Seite gab es nichts zu maulen. Der Ton war erstklassig, die Bühnentechniker gewohnt fix und das Prime Club Personal wie üblich extrem freundlich und schnell. Für mich klar das schönste Konzert in meinem Leben und ich bin immer noch von der Musik berauscht.