Area4 Festival

6. AREA 4 Festival - 19.-21.08.2011 - mit Danko Jones, 30 Seconds To Mars, NoFX, Dropkick Murphys, White Lies, The Kooks, Deichkind u.v.a.

19.08.2011 Flugplatz Borkenberge / Lüdinghausen

Von: Maren Röcker

Area4 Festival Lüdinghausen

Zum sechsten Mal findet das Area4 Festival in Lüdinghausen statt und hat sich trotz seines recht jungen Alters mittlerweile fest im Kalender der westlichen Festivalbesucher etabliert. Zwanzigtausend Besucher um genau zu sein, haben sich das Erlebnis nicht entgehen lassen. Mit dem Line-Up kann das Festival seit jeher glänzen und auch viele Besucher aus den Niederlanden und Belgien von einem Besuch ihres Nachbarlandes überzeugen. Der Schauplatz, ein sehr ländlich gelegener Segelflugplatz in der Nähe von Coesfeld, bietet die optimalen Bedingungen für eine Open Air Veranstaltung. Die Bühne ist am Ende der Landebahn errichtet, während sich vor ihr das Festivalgelände, der Zelt- und Wohnmobilplatz erstrecken.

In diesem Jahr hat sich der Veranstalter zudem etwas ausgedacht, damit niemand nach drei Tagen in einem vermüllten Zeltplatz aufwachen muss, der es nicht will: Ein Extra-Bereich für die umweltbewussten Camper, in dem auf Sauberkeit und Lärmschutz geachtet wird. Und das Angebot wird gerne angenommen, so haben sich immerhin 2.500 Besucher für diese Alternative entschieden. Davon abgesehen ist die übrige Organisation gewohnt gut, so dass man unter anderem wieder zu humanen Preisen Bier und andere Lebensmittel direkt auf dem Campingplatz erwerben kann und wer es denn nötig hat kann sich zu einem ordentlichen Katerfrühstück mit belegten Brötchen, frischem Kaffee auch noch eine Portion Rührei dazubestellen. Wie auch immer, die meisten sind ja wegen der Musik hier.

Und die beginnt am Freitagnachmittag pünktlich um 15 Uhr mit Title Fight auf der Tent Stage. Dicht gefolgt von Veaera auf der Hauptbühne. Dass es der Freitag schon in sich hat mit seinem Line Up muss wohl niemand mehr bekräftigen: Turbostaat, Madsen, Danko Jones, Jimmy Eat World und dem Headliner: 30 Seconds To Mars. Positiv überraschen auf der Tent Stage Disco Ensemble, die bereits vor dem Auftritt schon den Eindruck machen, als hätte sie alleine die Anreise umgehauen, jedoch überzeugt die Band bereits nach den ersten drei Akkorden vom Gegenteil. Die musikalische Qualität stimmt ebenso wie das Talent der vier Finnen, Songs zu komponieren und die unglaublich ansteckende Energie der Jungs. Wer mit Ignite und Hot Water Music nicht auf seine Oldschool-Hardcore-Kosten kommt, dem kann auch nicht mehr geholfen werden. Die markante Stimme von Chuck Ragan (Hot Water Music) und das absolut sympathische Wesen von Zoli Teglas (Ignite) lassen beide Auftritte lange in Erinnerung bleiben. Und endlich ist mal wieder etwas Zeit für Sozialkritik, rührt Zoli mächtig die Werbetrommel für die Sea Shepard Conservation Society, eine Organisation, die gewaltfrei aber mit der leider notwendigen Aggression die Ausbeutung der Meere bekämpft. Der Freitag wird durch den Auftritt von Jared Leto und 30 Seconds To Mars abgerundet, inklusive Konfettikanone und allem Drum und Dran. Aber auch musikalisch überzeugt die Band und präsentiert sich entgegen einiger Klischees äußerst sympathisch und publikumsnah. Jetzt heißt es für alle zurück ins Camp oder ins Partyzelt und viele nehmen letzteres Angebot gerne an, wie ein Besuch bei der proppevollen und leider auch recht stickigen, aber dennoch gut gelaunten Partyarea zeigt. Hier lernt man immer wieder nette Menschen kennen und das ist ja teilweise ein guter Grund, dieses Festival zu besuchen.

Am nächsten Morgen zeigt sich der westdeutsche Sommer von seiner besten Seite, man sieht viel nackte Haut, noch mehr mittlerweile lauwarme alkoholische Getränke und ab 12 Uhr bereits Escapado auf der Hauptbühne, die einen guten Job aufs Parkett legen, auch wenn um diese Uhrzeit noch nicht viele Festivalbesucher einen guten Auftritt zu schätzen wissen. Heute ist wieder eine ganze Reihe guter Musik angesagt, wie ein Blick auf die Running Order verspricht: Bouncing Souls, No Use For A Name und NoFX. Zwischendurch die Deftones und Panteon Rococo, abschließend die Dropkick Murphys. Bunt gemischt von Ska bis Hardcore, allerdings nichts für Zartbesaitete. Aber wer sich auf einem Festival blicken lässt, weiß eh was auf ihn zukommt. Alle Bands machen eine sehr gute Figur auf der Bühne, besonders denkwürdig ist der Auftritt von NoFX. Frontmann und Kopf der Band, Fat Mike, kündigt gleich beim ersten Satz an, dass die Show wohl nicht so gut wird, da er immer noch einen derben Kater vom Vorabend hat. Aber er gibt sich viel Mühe, das muss man ihm anrechnen. Ein paar Rassistenwitze, nette wie auch beleidigende Kommentare zum Publikum und anderen Bands die auftreten, eine große Portion Gesellschaftskritik und eine Messerspitze Selbstliebe, das ganze dann im Pogo-Pit ordentlich durchschütteln, fertig ist der perfekte NoFX- Auftritt. Spaß macht er und das sehen viele so, der Auftritt ist gut besucht, man sieht viele Stage-Diver, zwischendurch wird sogar eine Mülltonne auf Händen getragen, samt 1-Mann Besatzung. Ein Riesenspektakel! Und jetzt steht die Wahl zwischen britischem Indie/Punk von Blood Red Shoes und Skull-Hardcore von den Dropkick Murphys. Toll, wie einem immer wieder passende Bezeichnungen für die unterschiedlichsten Musikgenres einfallen. Blood Red Shoes treten in ihrer gewohnten Zurückhaltung in der Tentstage auf und machen dabei eine äußerst gute Figur, während draußen der Whiskey- und Guinnesdurst ins Unermessliche zu steigen scheint. Getanzt wird bei beiden Bands und der Abend nimmt so oder so ein hervorragendes Ende.

Der dritte Tag wartet mit einer kleinen Enttäuschung auf, nichtsahnend dass es noch viel schlimmer werden würde: Jupiter Jones haben kurzfristig aufgrund eines verletzten Bandmitgliedes abgesagt. Bei dem Line Up nicht weiter schlimm eigentlich, denn mit Young Rebel Set, White Lies, The National, Face To Face, The Kooks und letztendlich Deichkind wartet am dritten Tag in Folge eine Menge Spaß. Soweit so gut, muss allerdings der Auftritt der Kooks kurzfristig aufgrund eines drohenden starken Unwetters abgebrochen werden, was viele enttäuscht, jedoch nicht auf Unverständnis trifft, vor allem im Hinblick auf den schlimmen Unfall in Belgien kurz zuvor. Nach Angaben des Veranstalters gelingt die Räumung des Geländes problemlos, ebenso wie die anschließende Prüfung der Technik und Konstruktion, so dass Deichkind schließlich doch noch zur Freude einiger unerschrockender Fans (in Zahlen: Ca. Zehntausend) auftreten können und dem Festival einen würdigen Abschluss bieten. Sehr gute Arbeit hat aber auch das gesamte Festivalteam geleistet! Vielen Dank dafür! Man darf sich also hoffentlich auf ein ebenso schönes Area4 im nächsten Hochsommer freuen!

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