Area4 Festival

5. AREA 4 Festival - 20.-22.08.2010 - mit Biffy Clyro, Queens Of The Stone Age, Placebo, Donots, Blink182, Wizo, The Gaslight Anthem, Billy Talent u.v.m.

20.08.2010 Flugplatz Borkenberge / Lüdinghausen

Von: Maren Röcker

Area4 Festival Lüdinghausen

Mit seinen fünf Jahren ist das Area4 noch eines der neueren Festivals, aber bereits bei einer Fangemeinde von 23.000 Besuchern ein fester Termin im Festivalkalender. Schon am Donnerstag sind viele Fans angereist und obwohl es zunächst nach Regen aussieht, können alle Besucher ganz entspannt das Camp aufbauen, denn pünktlich zum Beginn des Spektakels auf dem Segelflugplatz Borkenberge ist alles wieder trocken. Zwar ist das Festival im vorhinein nicht ausverkauft, die neu eingeführten und streng limitierten Wohnmobil-Tickets, die den Zugang zum Wohnmobilplatz ermöglichen, waren aber bereits lange vor dem Festival vergriffen. So kommt es zwar dazu, dass die Situation im motorisierten Camp etwas lockerer erscheint, vereinzelt aber der ein oder andere Festivalfan enttäuscht wieder die Rückreise antreten muss.

Dem Motto des Area4, "der Westen rockt", wird auf jeden Fall wieder alle Ehre gemacht, das verspricht schon der Bandplan. Der WDR-Rockpalast ist als einer der Sponsoren auch beteiligt. Wer also nicht am Festival teilgenommen hat, kann sich später im Fernsehen dann alles in Ruhe anschauen. Nicht nur die Besucherzahlen wachsen von Jahr zu Jahr, auch das Gelände und die Ausstattung, so scheint es zumindest. Und wenn man sich die Zelt- und Campingplätze mal genau ansieht, bekommt man den Eindruck, dass auch der Müll jedes Jahr mehr wird. Das Area4 etabliert sich und folgt damit der Parallelveranstaltung "Highfield" im Osten der Republik. Kein Wunder, ist es so ziemlich das Größte was der Westen zu bieten hat. Auch viele niederländische Festivalfans kommen dank der unkomplizierten Anreise immer gerne zum Area4.

Steht das Camp erstmal, beginnt die Vorfreude auf die Bands und das erste Festivalbier. Und wo wir gerade beim Festivalbier sind: Da jeder Festivalbesucher im Durchschnitt 5 Kg Müll hinterlässt, hat sich die Festivalleitung dieses Mal etwas ganz Besonderes ausgedacht: Jeder, der ohne Pfandmarke einen entsprechend gefüllten Müllsack abgibt, bekommt eine Dose Bier geschenkt. Bier statt Müll, warum kommen unsere Politiker nicht auf solche Ideen? Vermutlich würde es helfen, den Planeten ein Stück weit sauberer zu halten. Auf dem Festival scheinen sich die Menschen erst daran gewöhnen zu müssen, denn ein Blick über den Campingplatz lässt zumindest vermuten, dass die Fans lieber beim festivaleigenen Supermarkt zuschlagen als sich die Mühe zu machen einen Müllsack abzugeben. Trotzdem eine gute Idee, vielleicht funktioniert es ja in Zukunft besser.

Freitag: Das Festival eröffnet Alain Johannes, der sich als Solomusiker im Musikbusiness einen Namen gemacht hat. Mit den Festivalauftritten betritt er persönliches Neuland, scheint sich jedoch auch hier wohl zu fühlen. Gegenüber Biffy Clyro gibt es viele Erwartungen, die Indie- beziehungsweise Progressiv Rock-Musik bedient hier viele Geschmäcker. Zwar gibt es die Band seit circa 15 Jahren, so richtig durchgesetzt hat sie sich jedoch erst in den letzten Jahren. Die stetige Weiterentwicklung kommt auch beim Festivalvolk gut an. Weiter geht es mit Bela B. Man hat langsam den Eindruck, dass die Ärzte es nicht wirklich lassen können, sich auf Festivals blicken zu lassen und wenn nicht als ganze Band, dann wenigstens einzeln. Klar, die Klassiker vom drei Jahre alten Album sind natürlich dabei, ansonsten bleibt nur die gute musikalische Darbietung zu loben. Die Editors ziehen da schon mehr Fans an, hauptsächlich aus der Indie-Szene, wobei ihre neuen, elektronischen Klänge ein wenig polarisieren, vor allem wenn man sich durch die Festivalbesucher fragt: von "muss man gesehen haben" bis "muss man nicht noch mal sehen" ist fast alles dabei, aber so richtig zu bereuen scheint es niemand, der sie sich angesehen hat. Ähnlich ist es bei den Queens Of The Stone Age: Viele mögen zwar die Musik von CD, bei der Live-Darbietung scheiden sich die Geister. Kein schlechter Auftritt zwar, aber auch nichts was einen vom Hocker hauen würde, sagt man sich hier. Das sieht bei Placebo schon anders aus. Der Freitagsheadliner bietet eine gute Show. Die ganze Band ist in weiß gekleidet, inklusive Instrumente, die Bühne größtenteils in rotes Licht getaucht. Das macht schon was her, und die musikalische Darbietung stimmt auch. Mittlerweile sind fast alle Festivalbesucher vor der Bühne versammelt und lassen sich begeistern. Das Trio rund um Sänger Brian Molko geht in diesem Jahr noch auf eine von den Fans lang ersehnte Welttournee, und gibt hier auf dem Area4 einen gewissen Vorgeschmack. Geht man nach der Reaktion der Fans, wird die Tour auf jeden Fall ein Erfolg. Ein guter Abschluss des ersten Festivaltages, da ist man sich einig.

Samstag: Nebenbei gibt es übrigens eine Dauerbeschallung durch den festivaleigenen Radiosender, der extra für diese vier Tage im Jahr eingerichtet wurde und direkt vom und über das Festival berichtet. So auch am Samstag, der Tag mit den wohl größten Erwartungen, was die Bands angeht. Diskutiert wird schon im Vorfeld ausgelassen über WIZO oder Blink182, zwei Bands die nach fünf Jahren ihre Reunion feiern und feiern lassen wollen. Los geht es aber bereits um 12 Uhr, eine Zeit, bei der man es keiner Schnapsleiche vom Vorabend verübeln kann wenn sie es nicht schafft, pünktlich vor der Bühne aufzuschlagen. Trotzdem schaffen es scheinbar ein paar Leute, sich zum Aufstehen zu zwingen um sich die erste Band des Tages, Kylesa, anzusehen. The Ocean haben kurzfristig abgesagt, wobei aber Long Distance Calling ebenso kurzfristig zugesagt haben um den Fans eine allzu große Zeitlücke im Timetable zu ersparen. Geheimtipps am Samstag sind Minus The Bear und Frank Turner, wobei gerade letzterer sichtlich viel Spaß an den Fans und an seiner Musik hat. Musikalisch gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil, der Sound ist echt gut. Ebenso wie das Wetter, zum Glück, welches immer mehr Fans vor die Bühne lockt. Es folgen All Time Low aus den USA, die bereits seit einiger Zeit mit den Jungs von Blink182 auf Tour sind, so auch hier auf dem Area4. Sie wissen ebenfalls, wie sie das Publikum anheizen müssen. Musikalisch zwar eher im guten Mittelfeld einzuteilen, wissen sie aber, wie am besten Stimmung aufkommt. Hauptsache, die Fans sind begeistert.

Es folgen die Donots aus Ibbenbüren, die nach eigenen Angaben den wohl kürzesten Anreiseweg zum Festival hatten. Nebenbei ist es auch der letzte Festivalauftritt des Sommers für die fünf Jungs. Man sieht ihnen regelrecht an, wie sehr sie sich auf diesen Auftritt freuen. Ganz im Sinne der Tour zum aktuellen Album sind auch das Banner und die Setliste ausgesucht. Nach der Menge der Fans zu urteilen könnten die Donots ebenso Headliner sein. Auf jeden Fall verhalten sie sich so, die Stimmung ist sehr gut. Die Band gibt Vollgas, wovon einige unter den Festivalbesuchern positiv überrascht scheinen. Jede Menge Lob über die Stimmung und die Fans kommt von der Bühne und wird durch Klatschen und Begeisterung erwidert. Am Ende gibt es noch eine Autogrammstunde am Stand von Visions, bei der sich die Band noch einmal persönlich bei den Fans bedankt. Weiter geht es mit The Sounds und Monster Magnet, bei denen das komplette Publikum scheinbar einmal gewechselt hat. Bei WIZO ist das ganze Festival gespannt, wie sich die Band in den fünf Jahren der kreativen Pause die Zeit vertrieben hat. Unter anderem mit der Suche nach einem neuen Bassisten und einem zweiten Gitarristen, stehen die nunmehr vier Jungs jetzt wieder auf den Bühnen dieser Welt und haben sich, sehr zur Begeisterung der Fans, kaum verändert. Politisch motiviert, mit der nötigen Portion Rotze natürlich, wissen sie, was das Publikum verlangt: Weder in den Songs noch in den Ansagen ein Blatt vor den Mund zu nehmen und auch mal Sachen anzusprechen, wo sich andere, so genannte politisch motivierte Bands nicht mehr trauen, sobald der große Erfolg kommt. So werden auch die aktuellen politischen Situationen in Berlin oder der aktuelle Eklat der katholischen Kirche aufs Korn genommen und besungen. Neben ein oder zwei neuen Songs haben natürlich die typischen WIZO-Songs wie "Quadrat Im Kreis" oder "Raum Der Zeit" jede Menge Platz. Als Abschluss dient einmal mehr "Die Letzte Sau", bevor Blink182 voller Erwartungen die Bühne übernehmen. Und so kommt es dann auch um halb zwölf in der Nacht. Die Band kennt hier jeder und die Songs sind nicht zuletzt durch verschiedene amerikanische Teeniefilme und provokante Musikvideos bekannt geworden. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Bei den ersten Geräuschen, die dann aber aus dem Stimmorgan von Leadsänger Mark herausschallen, fängt die Verwirrung an, die bei vielen Fans nach den ersten drei Songs in Enttäuschung umschlägt. Die Songs sind teilweise nur am Refrain zu erkennen, böse Zungen behaupten, dass selbst die Gitarre nicht ganz zu dem passt, was Mark da auf der Bühne präsentiert. Das große Kapital der Band liegt eindeutig in Drummer Travis Barker, der seinerseits mittlerweile zur Ikone geworden ist. Für ihn wurde eigens eine Vorrichtung angefertigt, um als Zugabe eine 360° Drehung während des Schlagzeugspielens zu vollführen. Eine interessante Inszenierung die man nicht alle Tage sieht, kommt vom Rest doch nicht mehr als hin und wieder eine langweilige Beleidigung des Publikums. Die Stimmung unter den meisten Fans ist mies, positiv gesehen könnte man bei dem Auftritt von einem extrem guten, eineinhalb Stunden dauernden Drumsolo mit nervender Begleitung schreiben.

Der Frust ist groß, aber die Partystimmung lässt sich nicht trüben, weshalb der ein oder andere sogar noch in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages den Weg zu seinem Zelt oder Wohnwagen sucht. Schade, dass der Discohangar aus den letzten Jahren in ein Discozelt umfunktioniert wurde, hatte er doch irgendwie etwas Besonderes. Trotzdem ist das Zelt zwischendurch gut besucht.

Sonntag: Als den perfekten Wachmacher kann man Parkway Drive nun nicht bezeichnen, trotzdem kommt die dritte Band des letzten Festivaltags beim Publikum gut an. Vielleicht haben sich die Fans hier den Frust des Vorabends aus der Seele gesungen oder geschrien, aber Hauptsache die Stimmung ist gut. Noch ist es das Wetter auch, was sich aber schon bald ändern soll. Nach Caliban gibt es mit Black Rebel Motorcycle Club eine Wende in der Musikrichtung, auch das Wetter schlägt um. Viele Fans fliehen vor dem Wetter, und die, die noch vor der Bühne ausharren machen das Beste daraus, indem sie im Schlamm rutschen und tanzen. So richtig sauber ist niemand mehr. Bei The Gaslight Anthem hat sich das Wetter zwar nicht wirklich gebessert, aber etwas mehr Fans haben sich vor die Bühne getraut. Der Auftritt steht ganz im Zeichen des neuen Albums "American Slang", und die Band hat extra Gute Laune, nicht zuletzt weil das Area4 das erste Festival von The Gaslight Anthem in Europa war und sie sich nach eigenen Aussagen immer noch gerne an den Auftritt erinnern. Danach, direkt zur Primetime um 20:15 betreten Gogol Bordello die Bühne. Die ständig wechselnden Musiker rund um Frontman Eugene Hütz machen mit ihrer eigenen Interpretation von Folk und Punk sehr gute Stimmung und mittlerweile ist das Wetter längst vergessen. Wer nicht mitsingen kann, singt hier trotzdem mit, denn die Texte versteht ohnehin niemand und man hat ein wenig den Eindruck, dass manchmal noch nicht einmal die Band weiß, was sie da singt. Den perfekten Festivalabschluss bieten Billy Talent mit einer unglaublichen Darbietung. Viele sind auf der Flucht vor dem Regen oder aus Angst, am Montag nicht pünktlich in der Schule oder bei der Arbeit zu sein, bereits abgereist und die übrigen stehen jetzt vor der Bühne und genießen die Show. Das soll nicht heißen, dass es ruhig zugeht, im Gegenteil. Die Band hat mittlerweile ihr drittes Album veröffentlicht und gehört auf dem Area4 auch zu den alten Hasen. Die Jungs aus Kanada wissen einfach, wie man die westdeutschen Fans in Stimmung bringt. Musikalisch unschlagbar wie immer, haben sie außerdem einen guten Draht zum Publikum, welches nicht zu knapp in die Songs mit eingebunden wird. Niemand geht hier enttäuscht nach Hause und das ist ein gutes Gefühl.

Zum Schluss dürfen natürlich die Mitarbeiter nicht vergessen werden. Im Großen und Ganzen hat das Festival einen guten und friedlichen Eindruck hinterlassen. Zwar war hier und da auch mal ein Blaulicht zu sehen, was aber keine gewalttätigen Hintergründe zu haben schien. Alles perfekt also! Mit dem Area4 geht für viele Fans auch der Festivalsommer zu Ende, aber an diesen Abschluss erinnert man sich gerne wieder. Das sechste Area 4 Festival findet vom 19.-21. August 2011 an gleicher Stelle statt. Bis dahin!

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