Area4 Festival

Area4 Festival 2005 Feat. Nine Inch Nails, System of a Down, Beatsteaks, Motörhead, Madsen, Finch, Boss Martians

25.06.2005 Open Air Gelände / Oberhausen

Von: Norman Teichmann

Area4 Festival Oberhausen

Mit dem Area 4 Festival hat NRW endlich sein eigenes, grosses Festival bekommen. Dieses Jahr sollte in Oberhausen Premiere für das Area 4 werden und anfangs sah es nicht wirklich nach einem Optimalen Start aus.

Zum einen sagten im Vorfeld die White Stripes ab, woraufhin der Ticket Preis auf extrem faire 39 Euro reduziert wurde. Dann 2 Tage vor Beginn des Festivals die absage von The Mars Volta, eigentlicher Headliner der Tentstage. Auch da reagierte der Veranstalter sehr schnell und setzte mit Golden Horse einen weiteren Act auf den Spielplan und Kettcar nahmen den Headliner Spot im grossen Zirkus Zelt ein.

Zu guter letzt wollte dann auch das Wetter die Festival Besucher ärgern, ausgerechnet am Tag des Festivals gab es nur grauen Himmel und vereinzelt Regen, zum Glück blieb aber das angekündigte Gewitter aus und die Regengüsse hielten sich noch so im Ramen.

Um 11:30 Uhr am Festival Gelände angelangt (das übrigens vorbildlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden konnte), bildete sich bereits eine erste Menschenschlange vor dem Eingang. Einige der Besucher mussten allerdings erst eine kleine Kabine aufsuchen die für die Gästeliste Plätze zuständig war. Dort erhielten diejenigen Besucher ihr Geld zurück, die sich anfangs ihre Karte noch für 50 Euro zugelegt hatten. Das ganze nahm zwar anfangs einiges an Warterei in Anspruch, allerdings war die Rückerstattung auch eher eine Festival Untypische Aktion und so war ein bisschen Warterei durchaus verschmerzbar.

Um kurz nach 12 betraten wir dann das Festival Gelände und schauten uns neugierig ein wenig um. Die Tentstage in Form eines grossen Zirkus Zeltes viel Optisch sofort ins Auge. Überall prangerte der Banner der Becks Brauerei die als Hauptsponsor für das Festival fungierten und das neue Green Lemon von Becks fand sichtlich gutes Absatz bei den Besuchern. Nachdem ich mir die obligatorischen Fressbuden, Merchandise Läden und den Visions Stand etwas genauer angeschaut hatte, lockte auch schon der Auftritt von Tamoto auf der Mainstage.

Die Mainstage machte einen sehr stattlichen Eindruck und die Area 4 Banner auf beiden Seiten der Bühne machten einen sehr stylischen Eindruck. Eine feine Menschentraube wurde dann auch von Tamoto angelockt und nur in der Mitte blieb der Platz aufgrund einer riesigen Pfütze frei. Die Jungs von Tamoto hiessen dann auch direkt herzlich willkommen zum Area 4 und legten mit einem sehr stattlichen, rockigen Sound los.

Die Jungs hatten sichtlich ihren Spass auf der Bühne und auch kleine Pannen wurden mit Humor genommen (als zb. der Akku eines Micros leer war). Dennis, ehemaliger Drummer der aufgelösten Guano Apes, wirbelte wie ein Irrer über die Bühne und heizte die Menge zusätzlich an. Besonders „Beware“ und „Make a Move“ sorgten beim Publikum für Begeisterung und trotz der frühen Uhrzeit gab es schon einiges an Bewegung in der Menge, sieht man auch nicht auf jedem Festival.

Nach dem gelungenen Auftritt von Tamoto, füllte sich das Gelände stetig und ich erblickte bei meinem 2 Rundgang einen Kran, von dem aus interessierte Besucher Bungee Sprünge machen konnten. Im Becks Bereich wurden derweil Gitarren zum Aufblasen unter die Leute gebracht.

Der Himmel zog sich noch ein wenig grauer zu, aber mit 25 grad war die Temperatur zumindest die Temperatur ideal für das Festival und dem jetzt folgenden Auftritt von Madsen auf der Mainstage. Um Madsen kommt man ja momentan nicht rum, egal ob Musikzeitung oder Musiksender, irgendwie sind die Jungs momentan gross im kommen. Der Live Auftritt von Madsen wusste dann auch sehr zu begeistern und Madsen heizte die menge gut an. Man machte sich über das schlechte Wetter lustig und auch als mitten in der Show der Regen ansetzte gab es keinen Stimmungsabruch. Im Gegenteil, die anfangs angesprochene grosse Pfütze wurde direkt als Spielwiese für eine zünftige Schlammschlacht genutzt und eine menge gut gelaunter Jungs und Mädel sprang in das Wasser und schleuderte mit der Schlammbrühe um sich.

Das gab der Stimmung noch einen gewaltigen Kick nach oben und als Madsen als Letzten Song „Die Perfektion“ zum besten gab war spätestens alles vorbei und der Schlussapplaus schallte begeistert über das Festival Gelände.

Nach dem ebenfalls geglückten Auftritt von Madsen war mir nu auch der graue Himmel schnurz und ich zog mich für 50 Minuten zum verschnaufen ins VIP Zelt zurück um schon mal Kraft für die nächsten Auftritte zu tanken. Sowohl Helmet als auch Golden Horse reizten mich nicht zu einem „besuch“ und so zog ich um 15:50 Uhr ins grosse Zelt um mir mal anzuschauen was die Boss Martians so zu bieten haben.

Wie sich schnell herausstellte hatten sie so einiges zu bieten, sehr straighten, gute Laune Rock und begeistertes Publikum das schon nach den ersten 2 Liedern in den ersten reihen ausgelassen Tanzte. Die fette Sonnenbrille des Sängers verpasste der Band noch einen gewissen coolness Faktor und Hits wie „I Am Your Radio“ und „I Wanna Be Your Addiction“ nahmen einem dann jegliche Kontrolle über die Tanzmuskeln und ab ging die Party.

Kurz vor Ende des Auftritts eilte ich dann schnell rüber zur Mainstage um zu schauen wie sich Finch Live schlagen würden, nachdem die kurze Deutschland Tour der Jungs ja für sehr gemischte Gefühle sorgte. Da ich die Boss Martians diese Woche in Köln noch mal genauer unter die Lupe nehmen werde konnte ich mit gutem Gewissen das Zelt verlassen.

Bei Finch gab es dann eine Verzögerung bis man loslegte..ein umstand der später bei allen Bands der Mainstage eintrat und für Verspätungen bis zu 30 Minuten führte, für mich ein positiver Umstand aber dazu später mehr.

Finch legten sich deutlich Intensiver ins Zeug als zuletzt in Köln. Der Sänger warf sich bei einem grossteil der Songs fast mit aller Kraft auf den Boden, brüllte in die Menge und auch die Bandmitglieder zeigten wesentlich mehr Elan. Keine Ahnung woran das lag, vielleicht Krankheit auf der letzten Tour..vielleicht hatte man auch einfach mehr Lust ein Open Air Konzert zu geben, jedenfalls wusste der Auftritt zu überzeugen.

Es gab eine sehr gute Mischung der beiden Alben zu hören und die 40 Minuten Spieldauer wurden dann wieder vom grandiosen „What it is to Burn“ abgeschlossen indem sich der Finch Sänger noch einmal die Seele aus dem Leib brüllte. Leider gingen die Jungs dann oder sich zu verabschieden, das gab dann leichte Abzüge in einem ansonst guten Auftritt.

Aber keine Zeit zu verlieren, sofort hiess es wieder ab in die Tent Stage und den Auftritt von Aereogramme bewundern, deren diesjährige Deutschland Tour ja leider aufgrund Erkrankung des Sängers abgesagt werden musste.

Kleine Anmerkung am Rande, der Abstand von Tentstage und Mainstage waren perfekt platziert. Ich hatte anfangs ein wenig Angst das die beiden Bühnen zu nah beieinander standen und der Lärm von der Mainstage bis ins Zelt dringen würde, dem war aber nicht so. Nur gute 3-4 Minuten Fussweg brauchte man von der einen Bühne zur anderen und der Sound wurde auf beiden Stages nicht vom Lärm der Nachbarbühne getrübt, genial und ganz grosses Daumen hoch an den Veranstalter.

Aber nun wieder zu Aereogramme, im Zelt angelangt musste ich mich erstmal um einen guten Platz bemühen, es war voller als ich erwartet hatte und die Schotten waren schon eifrig dabei ihren grandiosen Klangteppich über das Publikum zu werfen.

Unglaublich wie gut der Sound im Zelt rüberkam und das so viele Menschen verträumt den Sphärischen klängen der Band lauschten. Nach nur 3 Songs bekam ich erstmal einen kleinen Schock als angekündigt wurde, das nun der letzte Song folgen sollte. Der hatte es aber auch mit gut 15 Minuten Spieldauer in sich und die Band hat Live locker an ihre grandiosen Studio qualitäten angeknüpft. Ganz grosse Musik die dort drüben in Schottland entsteht, man darf auf das nächste Album gespannt sein.

Nachdem sich Aereogramme begeistert vom Publikum verabschiedeten und die Drumsticks in die menge geworfen wurden, machte ich es mir sitzend im grossen Zelt bequem, um für den folgenden Auftritt von Slut einen besseren Platz zu bekommen.

Slut rockten dann auch direkt von der ersten Minute an das Zelt und mit ihrer Charmanten Art hatten sie das Publikum im nu um den Finger gewickelt. Geboten wurde ein sehr guter querschnitt durch die Bandgeschichte. Ganz besonders angetan war ich von Staggered&Torn, einer meiner absoluten Slut Favoriten. Aber auch „Time is not a Remedy und Wasted gingen runter wie Öl. Schwachpunkte gab es in der guten Stunde Spielzeit keinen einzigen und auch die Mischung aus treibenden, rockigen Nummern und langsamen Songs passte Perfekt.

Hier merkte man der Band deutlich ihre immense Live Erfahrung an. Auch sehr schön wie man später dem Publikum Beifall klatschte und sicht verneigte, man fühlte sich als guter Freund oder als teil der Familie und nicht einfach nur als Fan. Ich ärger mich immer noch tierisch das ich die aktuelle Tour der Ingolstädter verpasst habe.

Nach diesem genialen Auftritt war meine Kondition erstmal hinüber und ich bin erstmal zurück zum Vip Zelt um auszuspannen. Die Beatsteaks hätten eigentlich zu der Zeit auf der Mainstage schon fast fertig sein müssen, aber so brachte die Verspätung auf der Mainstage mir das Vergnügen die Jungs komplett zu erleben.

Als Intro erklang die Melodie von Bittersweet Symphonie von The Verve und eine Rap Einlage hiess das Area 4 Publikum willkommen und sorgte direkt für ausgeflipptes Publikum..das dann kein halten mehr fand als sich die Band kurz darauf auf der Bühne einfand.

Direkt von anfang an ging man in den Turbomodus über und Atomic Love liess die Menge brodeln. Sänger Arnim tanzte Energiegeladen wie immer über die Bühne und heizte dem Publikum mit markigen sprüchen wie zb. „Nicht klatschen, durchdrehen“ höllisch ein.

Neben den Hits der Beatsteaks wie zb. Hello Joe, Hand in Hand und I don’t care wurden auch wieder einige Cover Versionen zum besten gegeben von bands wie Velvet Underground und den Misfits. Das coolste Cover überhaupt war aber zweifelsohne Sabotage von den Beastie Boys, unglaublich wie die Leute dort abgegangen sind. Mit Let me in ging dann das einstündige Set zuende und unter tosendem Applaus machten die Beatsteaks die Bühne frei für Nine Inch Nails.

Ich sicherte mir vorsorglich im vorderen drittel der Bühne schon einmal einen Platz und harrte der gut 30 minütigen Umbaupause geduldig aus. Die Bühne ähnelte mittlerweile eher einem Sci-Fi Setting als die ganzen Lichtanlagen ausgepackt wurden für die folgende Show.

Dann war es endlich soweit und Trent Reznor samt Band betrat die Bühne und eröffnete nach dem Intro mit „Wish“ ein musikalisches Feuerwerk. Die Zusammenstellung der Setlist war ein Traum für jeden NiN Fan und alle die es nach dem heutigen Abend werden sollten. Ohne Pause folgten direkt „Sin“ und „Marsh of the Pigs“ und die Band bündelte ihre ganze Energie in diesen Auftritt. Ein Gitarrist wirbelte mit seiner Gitarre herum als wenn er eine Axt in den händen hielt und riss alles ab was nicht niet und nagelfest war. Trent selbst begoss den Keyboarder mitten in der Performance mit Wasser und kippte dann das restliche Wasser über dessen Keyboard..ein Alptraum für jeden Bühnentechniker die ständig über die Bühne schwirrten.

Von der neuen With Teeth Scheibe folgten dann auch Songs wie „The Hand That Feeds“ und „You Know What You Are“. Mit „Head Like A Hole“ schloss Trent den 70 minütigen Auftritt ab und die menge tickte noch mal völlig aus und der Gitarrist zerschmetterte seine Gitarre zum abschluss Stilvoll.

Nach dem Auftritt von NiN war mein Gleichgewichtssinn dann auch total hinüber und ich hatte mühe an den vielen Pfützen vorbeizulaufen, doch ein wenig zu energisch den Kopf geschüttelt. Kleine Ironie am rande, zu Nine Inch Nails liess sich zum ersten mal die Sonne blicken, das Wetter hatte einen seltsamen Humor an diesem Tag.

Danach folgte eine längere Umbaupause für System of a Down als abschluss Highlight des Festivals auf der Tentstage. Ein gewaltiger Banner mit dem Motiv der aktuellen Mezmerize CD blockierte dem neugierigen Zuschauer die Sicht und um 23 Uhr ertönte dann endlich das Intro auf der Bühne..der Banner wurde gelüftet und machte den blick frei auf eine Lightshow der superlative. Zu B.Y.O.B. erstrahlte die gesamte Bühne in gleissendem Licht der Platz vor der Bühne war rappelvoll und es gab für die Fans kein halten mehr.

Das geniale Revenga folgte und liess der Menge keine Zeit mehr zum verschnaufen. Die Band mit ihrer gelungenen Musikalischen Mixtur aus Genie und Wahnsinn hatte die Massen in der Hand und war nicht bereit loszulassen. Leider musste ich mich nach nur 3 Liedern auf den Heimweg machen da ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war und ich SOAD bereits kurz vorher in Köln Live gesehen habe.

So ging dann nach einer längeren, stressigen Bahnfahrt der gelungene Festival Tag zuende und ich brech immer noch in Begeisterung aus wenn ich an den 25.06 denke. Nun noch ein kleines Fazit zum Abschluss:

Mit dem Area 4 feierte das Ruhrgebiet seinen durchwegs gelungenen Festival Einstand. Trotz 2 Band absagen, schlechtem Wetter und grossem Andrang bei der Geldrückgabe hat man die Feuerprobe mit Bravur bestanden und auf alle Umstände schnell reagiert.

2 Kritikpunkte gibt es aber zum Schluss dennoch. Zum einen war das Gelände übersäht mit lockeren Steinen die einem beim abfeiern schon ziemlich fies aufgestossen sind. Ausserdem kann man so etwas leicht zum Werfen missbrauchen, eher suboptimal.

Der andere Misstand war die Plastikflaschen Regelung. Es wurde verboten Plastikflaschen mit auf das Gelände zu nehmen, aber an den Becks Ständen auf dem Gelände wurde das Becks unter anderem in Plastik Flaschen verkauft. Das führte dazu das zb. beim NiN Konzert die ein oder andere Flasche ins Publikum geworfen wurde und auch ein Mädel verletzt wurde. Ich weiss nicht was in den Menschen vorgeht die so etwas abziehen, aber solche Deppen gehören sofort der Security gemeldet.

Alles in allem aber ein sehr guter Einstand und nach den angaben der Area 4 Seite ist das Festival auch für nächstes Jahr vorgesehen, dann allerdings auf einem anderem Gelände, mehrtägig und mit Zeltmöglichkeiten. Darauf freu ich mich schon jetzt extrem und ich bin gespannt was die Zukunft bringen wird.

Alle Leute die am Samstag nicht anwesend waren haben aufjedenfall ein wirklich schönes Ereignis verpasst, macht den Fehler nächstes Jahr nicht noch einmal. ;-)

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Joe Cocker Tickets bei www.eventim.de