Avenged Sevenfold

Tour 2010 - Support: Hyproglow

11.11.2010 Live Music Hall / Köln

Von: Shirin K

Avenged Sevenfold Köln

Die fünfte Jahreszeit ist angebrochen und im Rheinland sind die Jecken los, draußen toben orkanartige Winde. Darauf wird aber in Köln keine Rücksicht genommen, hier ist nämlich so richtig die Hölle los. Die amerikanischen Erfolgsmetaller Avenged Sevenfold, von Fans auch einfach A7X genannt, geben sich die Ehre und haben die Halle innerhalb von kurzer Zeit ausverkauft. In Amerika ist die Band schon längst etabliert, hierzulande haben sie erst in den letzten zwei Jahren Furore gemacht. Einer der Gründe dafür ist gleichzeitig ein Ärgernis für viele Prog-Fans: Nachdem Ende 2009 Schlagzeuger Jimmy Owen Sullivan starb, stieg Mike Portnoy, seinerzeit noch der Überschlagzeuger und für viele auch die treibende Kraft von Dream Theater, für diesen ein. Im September 2010 dann der Schock für DT-Fans: Portnoy verließ DT endgültig, um sich anderen Aufgaben zu widmen, u.a. auch um bei A7X als festes Mitglied einzusteigen.

Portnoy ist natürlich nicht der hauptsächliche Grund dafür, dass die Live Music Hall an diesem Abend aus allen Nähten platzt, zumal das überwiegend sehr junge Publikum nicht unbedingt mit Dream Theater aufgewachsen sein dürfte. Einer der Gründe könnte aber sein, dass es insgesamt nur drei Shows in Deutschland gibt. Wie auch immer, A7X haben sich in den letzten Jahren mit energiegeladenen Shows einen Namen als sehenwerter Live-Act gemacht. Und das müssen sie heute dem geneigten Publikum beweisen. Vorher aber gibt es den Support von Hyproglow aus Deutschland. Sie machen irgendwas zwischen Metal und Hardcore und tun ihren Job, so wie es sich gehört: Das Publikum schon mal vorwärmen. Dieses steht auch schon dicht gedrängt in der mittlerweile schon dampfenden Halle.

Nach einer längeren Pause, in der die "Se-ven-fold"-Rufe zunehmen und die Bühne mit Podesten zugestellt wird, kommt die Band auf die Bühne und legt direkt mit dem – sogar mir – bekannten "Nightmare" los, dem Titeltrack ihres gleichnamigen aktuellen Albums. Es folgt eine kurze, aber intensive Show, in der die fünf Jungs alles geben, was so eine ordentliche Metalband hinkriegen kann, und ich meine wirklich alles: Satte Melodien, rasende Gitarren, atemberaubende Soli, schwülstige Balladen, Doublebass-Gewitter (Portnoy, du geiles Ding!), Bombast bis zum Abwinken, eine ordentliche Portion Dreck, Shouts, sogar Growls, epischer Gesang, Rock’n’Roll Attitüden und Superposing.

Eine Augenweide ist übrigens Gitarrist "Synyster Gates", der sich vor weiblichen Zurufen und Liebesbekundungen nicht retten kann – aber das nur nebenher bemerkt, ehem. Frontmann M. Shadows, stilecht mit Kopftuch und getönter Brille, ist eine Rampensau vor dem Herrn, macht und tut, bringt die Leute zum Klatschen und Mitsingen, während auch die restliche Band keine Scheu vor Interaktion mit dem Publikum hat. Zwischendurch wird dem verstorbenen Drummer zu Ehren ein Song gespielt ("So Far Away") und Shadows proklamiert, dass Jimmy wahrscheinlich dort oben irgendwo sitzt und herunterschaut. Gleichzeitig wird Portnoy mehrmals gefeiert und man merkt, wie stolz die Band auf den Neuzugang ist. Diesen erkennt man kaum wieder, denn er hat sichtlich mehr Spaß bei A7X als bei Dream Theater und lässt während der Show ordentlich die Sau raus. Das Publikum geht wie nicht anders erwartet ab und ist mehr als begeistert. Die letzte Zugabe "Unholy Confessions" gibt ihm noch den letzten Rest – nein, man möchte nicht vorne in der dicht gedrängten moshenden Menge stehen. Für die Band ist dieser Abend auf jeden Fall ein Riesenerfolg!

Ich muss ja gestehen, dass ich zwar alles, was ich da vorne sehe, höchst unterhaltsam finde, aber eine Sache irritiert mich doch ungemein (und da scheine ich nicht alleine dazustehen): Jeder einzelne Song erinnert mich an irgendeinen anderen x-mal gehörten Song von – mal Metallica, mal Pantera, mal Anthrax, mal Guns’n’Roses, mal sogar Slayer, und ich frage mich zu oft: Und wann kommen jetzt Avenged Sevenfold?? Ob das nun eine Stärke der Band ist, dass sie das Beste aus allen Welten zusammenbringen können (daran, dass alle professionelle Musiker sind, die wissen, was sie tun, kann man nicht zweifeln), oder ob man es ihnen ankreiden sollte, dass sie keinen eigenständigen Sound besitzen – ich weiß es nicht. Letztendlich geben die unzähligen Fans, die an diesem Abend die Band frenetisch feiern, dem Konzept Recht. So soll es also sein, kopieren sollt ihr, und zwar gut! Ich für meinen Fall bleibe dann doch lieber bei den Originalen und sage nur: Hut ab vor einer absolut perfekten Show und der geballten musikalischen Kompetenz. Und seid nett zu Portnoy, wer weiß, wofür wir ihn noch brauchen...

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