Aviv Geffen

Tour 2009 - Support: Enno Bunger

05.11.2009 Luxor / Köln

Von: Shirin K

Aviv Geffen Köln

Anfang des Jahres schon hatte Aviv Geffen das Luxor beehrt, da allerdings in Begleitung von Porcupine Tree-Mastermind Steve Wilson, mit dem ihn das Projekt Blackfield verbindet. In Deutschland noch relativ unbekannt, ist Geffen in Israel ein Kultstar bekannt für seinen Hang zu Provokation und Renitenz. Sein Make-Up, die extrovertierte Art, aber auch seine Kritik an Israels Palästina-Politik sorgen in seinem Heimatland immer wieder für Eklats. Hierzulande aber locken seine Attitüden niemanden hinterm Ofen hervor, umso wichtiger ist es für Geffen, mit seiner Musik zu punkten. So ist im August sein erstes englischsprachiges Solo-Album herausgekommen. Es sieht allerdings so aus, als sei die Promo-Maschinerie nicht wirklich gut angelaufen, denn an diesem kalt-feuchten Abend in Köln haben sich gerade mal hundert Leute im Luxor zusammengefunden, um Geffen zu sehen.

Doch zunächst gibt sich die ostfriesische Band Enno Bunger die Ehre: drei junge Männer bestehend aus Sänger Enno, der auch das Stagepiano bedient, Drummer Nils und Bassist Bernd. Musikalisch gibt es eine Mischung aus leisen, elegischen Piano-Balladen mit sparsam eingesetzten Rock-Arrangements und deutschen Texten. Trotz schwülstig klingenden Titeln wie "Wahre Freundschaft" und "Herzschlag" (ein klasse Song übrigens!) kommt die Musik von Enno Bunger doch recht authentisch und unaffektiert rüber. Eine Fülle von Melodien zum Träumen lassen einen an lange Herbstspaziergänge an der Nordsee denken – Assoziationen wie Coldplay und Keane bleiben natürlich nicht aus. Aber Enno Bunger haben dennoch einen sehr unverwechselbaren Klang, nicht zuletzt aufgrund der netten Stimme des Sängers, der zwischen den Songs mit einigen Sprüchen für Amüsement sorgt. Spätestens nachdem er einen Tribut an den berühmtesten Sohn seiner Heimatstadt Leer gezollt hat, ist auch das Eis gebrochen: einige leise-leidende Piano-Töne gefolgt von einem todtraurig dahingeseufzten… "Hyper hyper"! Ja, H. P. Baxxter, der Sänger von Scooter, ist ein Original-Leerer (oder so). Sehr schöner Gag!

Nach dem kurzen aber beeindruckenden Auftritt von Enno Bunger dauert es nur noch eine halbe Stunde, bis Aviv und seine Mitmusiker die Bühne betreten. Vor der Bühne ist viel Platz und die Leute stehen ziemlich locker herum. Alle klatschen höflich, als die Band die Bühne betritt. Geffen, mit geschminkten Augen, gegeltem Haar, schicken schwarzen Lackschühchen und modischem Military-Jäckchen wirkt irgendwie viel kleiner als auf dem letzten Konzert, abgesehen davon, dass er von seinem 100 Meter großen Gitarristen sowieso gedwarft wird. Aber man weiß ja: Kleine Männer haben es meist faustdick hinter den Ohren. Wie auch immer, als Einstieg in den Abend gibt es den Opener des neuen Albums "Black And White", eine schöne melancholische Pop-Ballade, der Geffen mit seiner näselnden, aber doch eindringlichen Stimme seinen Stempel verpasst und damit den Ton für den gesamten Abend vorgibt: Popmusik mir schönen Melodien steht auf dem Plan – nicht mehr, nicht weniger.

Die Setlist besteht aus dem kompletten neuen Album und einigen Blackfield-Klassikern wie "Pain", "Glow", "Cloudy Now" und dem göttlich-pathetischen "End Of The World", bei dem das ganze Publikum mitsingt. Man fragt sich, ob es für die Band ein bisschen frustrierend ist, dass es den meisten Applaus für die Blackfield-Songs gibt. Zwischendurch sieht man ihr zumindest die Enttäuschung über den zurückhaltenden Andrang an – so stehen die Musiker teilweise etwas verloren auf der Bühne herum, vor allem da, wo Geffen sich hinter sein Piano setzt und seine Klagelieder loslässt, sieht die Bühne richtig leer aus. Ansonsten ist die ganze Zeit Geffen der Mittelpunkt der Show, ob er nun wild gestikuliert, theatralisch Augen und Mund aufreißt oder sich selbst wild streichelt. Und noch eine Sache erspart er dem Publikum nicht: Wie schon auf dem Frühjahrskonzert zieht er sich irgendwann das T-Shirt aus und wieder möchte man instinktiv mit einer Wolldecke bewaffnet die Bühne stürmen und die zarte Hühnerbrust, die sich einem entgegenstreckt, darunter verbergen. Aviv, MUSS das denn sein?? Was sagt denn Deine Mutter dazu??

Nun ja, abgesehen von der etwas peinlichen Strip-Einlage ist der Abend allerdings ganz nett. Die Band spielt meine Lieblingslieder "The One" und "Berlin" und mit dem eben erwähnten "The End Of The World" sind meine Erwartungen auch weitestgehend erfüllt. Es hätte die Band vielleicht mehr motiviert, wenn noch mehr Leute gekommen wären, aber Geffen muss nun mal klein anfangen in Europa. Bleibt ihm zu wünschen, dass es schnell bergauf geht – ich zumindest freue mich schon auf die nächste Show, gerne ohne intime Einblicke in magere Brustlandschaften…

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