Avril Lavigne

Bonze-Tour 2005

13.06.2005 Museumsmeile / Bonn

Von: Thomas Kröll

Avril Lavigne Bonn

Als Musikredakteur muss man flexibel sein. Am Vorabend noch U2 in Gelsenkirchen, heute Avril Lavigne in Bonn. Immerhin könnte die 20jährige Kanadierin inzwischen locker als die Tochter von Bono & Co. durchgehen. Mein akuter Schlafmangel macht die Sache nicht einfacher. Dazu frühsommerliche Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke und ein kühles Pilsbier – ich bin ernsthaft geneigt, auf einer der sattgrünen Wiesen rund um den Museumsplatz meine müden Gliedmaßen auszustrecken und die Augen zuzumachen. Aber schließlich haben wir hier für euch einen Job zu erledigen!

Zumal Avril Lavigne meine diesjährige Open-Air-Premiere darstellt und die Bonner Museumsmeile mit ihrem gepflegt-gemütlichen Ambiente sicherlich zu den stimmungsvollsten Locations in Deutschland zählt. Da ich Avril Lavigne durchaus als authentische Musikerin einstufe, beschließe ich den Abend ganz einfach zu genießen.

Das sehen geschätzte 2.499 andere Menschen offensichtlich ähnlich. Ungefähr die Hälfte von ihnen ist mit ihren Eltern gekommen, unter den Armen selbstgebastelte Papptafeln auf denen Sachen wie „Avril for ever“ stehen. Für viele wird es wohl das erste Rockkonzert ihres Lebens sein. Während Mama und Papa also entspannt im improvisierten Biergarten abseits der Bühne Platz nehmen, dürfen die Kids mal so richtig abrocken. Wunderbar!

Entsprechend hoch ist der Kreischpegel als Avril Lavigne um kurz nach 20 Uhr mit „Losing Grip“ loslegt. Sie trägt Jeans, T-Shirt und Chucks und hat auch live eine wirklich starke Stimme, zudem eine handwerklich perfekte Band hinter sich. Wie ein Flummi hüpft sie über die Bühne und lässt „Unwanted“ folgen. Danach ihr Erfolgshit „Happy Ending“.

Der Sound ist klar wie Kloßbrühe und bis in die letzte Reihe wird ausgiebig getanzt und geklatscht. Sogar die Elternfraktion wagt sich schrittweise nach vorne. Aus so manchem Sprössling wird nun auf den Schultern des Vaters urplötzlich ein Riese. Wobei dankenswerterweise beide Videoscreens im Einsatz sind und somit gute Sicht auf allen Plätzen garantiert ist.

Auch Avril hat sichtlich Spass an dem Ganzen. Erster Höhepunkt ist das sehr schöne „I`m With You“, bei dem die Fans ihr teilweise den Gesangspart abnehmen. Zwischendurch stellt sie unter Beweis, dass sie nicht nur prima singen, sondern auch noch gut Gitarre spielen kann. Wie groß so eine Gitarre in ihren Händen doch wirkt...

Anschließend das erste Cover: „American Idiot“ von Green Day. Auch das Stück der kalifornischen Punkkapelle wird frenetisch abgefeiert. Aha, man schaut also über den Tellerrand hinaus. Gut so! Dabei hat Avril Lavigne doch erst kürzlich gesagt: „Punk ist alt, ich bin jung“. Nun ja, halten wir ihr zugute, dass insbesondere letzteres zutrifft.

Es folgt ein etwas ruhigerer Block. Bei „Together“ und „Forgotten“ spielt Avril Lavigne Piano. Bei „Tomorrow“ wird sie nur von der Akkustikgitarre begleitet und bei „Nobody`s Home“ steht sie schlussendlich alleine mit ihrer Gitarre da. Ich kämpfe derweil tapfer mit meinem Schlafbedürfnis, was die musikalische Darbietung jedoch in keinster Weise schmälern soll.

Nach „Don`t Tell Me“ und „Sk8ter Boi“ ist das reguläre Set dann auch schon zu Ende. Aber natürlich gibt es Zugaben, genaugenommen Zwei. Zunächst erneut ein Cover, diesmal „Song#2s“ von Blur. Avril trommelt jetzt sogar und der Gitarrist singt. Respekt! Gibt es eigentlich ein Instrument, das die Frau nicht beherrscht? Den Abschluss bildet „Complicated“.

19 Songs oder anderthalb Stunden hat die ganze Aktion damit gedauert. Für einen Ticketpreis von 40 € etwas dürftig, aber schließlich müssen wir ja alle morgen früh wieder in die Schule. Wenn ich in die strahlenden Gesichter um mich herum schaue, dann weiß ich, dass es dort eine Menge zu erzählen geben wird. Womit der Abend seinen guten Zweck auch voll erfüllt hat!

Auf dem Heimweg muss ich daran denken, dass ich in gut zwei Wochen mit meiner eigenen 9jährigen Tochter zu Faiz Mangat (BroSis) gehe. Das wird dann das erste Konzert ihres Lebens werden. Ich freu mich jetzt schon darauf!

Losing Grip
Unwanted
Happy Ending
I Always Get
Mobile
Things I`ll
Who knows
I`m With You
Take Me Away
He Wasn`t
American Idiot (Green Day)
Together
Forgotten
Tomorrow
Nobody`s Home
Don`t Tell Me
Sk8ter Boi
Song#2s (Blur)
Complicated

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