Backstreet Boys

Unbreakable Tour 2008, Support: George, Stanfour

02.05.2008 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Tina Nitsche

Backstreet Boys Oberhausen

Ungefähr zehn Jahre in meine Jugend zurück bringt mich der Abend in der Oberhausener Arena - Grund dafür sind die Backstreet Boys, die ausgerechnet ohne meinen Liebling Kevin Richardson als Quartett ihr neues Album "Unbreakable" auf der Welttournee vorstellen möchten und für einige Konzerte Halt in Deutschland machen und in Oberhausen ihr letztes Deutschland Konzert dieser Tour geben.

Kurze Grobpeilung der Arena: die erste Reihe scheint fast komplett in den Händen von niederländischen Fans zu sein – "Oranje" wo ich nur hinschaue, sonst im Innenraum überwiegend bis maximal 20jährige. Die "ältere" Generation, die mit den Backstreet Boys aufgewachsen ist, auch Pärchen, scheint es auf die Tribüne verschlagen zu haben.

Der 22jährige Kanadier George Nozuka steht bereits alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne und säuselt Eric Claptons "Tears in Heaven" ins Mikro. Ob den jungen Mädels klar ist, welch Weltklassiker da gerade performt wird? An der Bühnenseite beobachtet niemand Geringeres als Howie von den Backstreet Boys als Manager seinen Schützling. Als Multitalent beweist sich George auch am Piano und präsentiert neben "Lie To Me" seinen Hit "Talk To Me" (wie passend...), den er kurzerhand Fan Jennifer widmet. Noch etwas benommen sitzt sie neben ihm und lauscht seiner R&B Stimme. Dass George auch die Hüften schwingen kann, stellt er noch mit einer kurzen Tanzeinlage unter Beweis, scheint jedoch schnell außer Atem. Hier ein Küsschen in die Menge geworfen, dort ein Wink zu den Mädels – das R&B/Pop-Gemisch scheint in den vorderen Reihen, mit denen George mächtig schäkert, zu gefallen. Sonst wird George vom Publikum eher als nette Pausenmusik wahrgenommen.

Anders werden da schon die Jungs von Stanfour empfangen. Die vier Norddeutschen werden von zwei Livemusikern am Bass und Schlagzeug unterstützt und sind durch den Ohrwurm "For All Lovers", bekannt aus Film, Fernsehen und Radio, für das Publikum keine Fremden mehr. Solide Semi-Hard-Rocksongs mit einem Touch Ami-Land, gemischt mit der tollen Bühnenpräsenz des charismatischen Sängers Konstantin gefallen und ergeben Hitpotential auch für die Zukunft. Der Titeltrack des Debütalbums "Wild Life" kommt wohlgelaunt rüber und ihre zweite Single "Do It All" rockt gut. Nun dürfen sich die Jungs nur nicht in die Kategorie der Boyband einordnen lassen lassen, sondern müssen den Absprung in Richtung Bands wie Matchbox Twenty schaffen.

Umbaupause für den Hauptact – dafür werden schwarze Vorhänge vorgezogen, um die Roadies in Ruhe walten zu lassen. Ungeduldig werden die vier Herzensbrecher erwartet – Schlag 21 Uhr lösen sich einige La-Ola-Wellen im Publikum bis 10 Minuten später die Sicht auf die Bühne freigemacht wird und nach und nach die Backstreet Boys unter dem ohrenbetäubenden Gekreische der Fans und der Einzugshymne "Eye Of The Tiger" in den vorbereiteten Boxring gerufen werden. Nun wird beginnend mit "Larger Than Life" rastlos durchgepowert, um die Mädels 110 Minuten lang mit einem Querschnitt durch ihre Alben bei Laune zu halten. Raus aus den Satinmänteln und dynamisch abgetanzt in Lederkluft zu "Everyone" – die Jungs stehen nicht still und machen den Fotografen das Leben schwer.

Die Bühne ist schlicht in schwarz gehalten, rechts und links ist jeweils eine Tribüne für die Live-Musiker angeordnet. Das, was an Bühnendeko fehlt, besteht bei den Backstreet Boys aus Outfits, Show und Choreographie. Und das haben sie drauf – da werden Stühle zu "Unmistakable" eingesetzt, eine Pokerrunde zu "Show Me The Meaning" inszeniert oder fingerschnippend und herzzerreißend auf Barhockern "More Than That" performt. Ihre Stärke liegt eindeutig in diesen Balladen, wenn sie sich ins Mikro singend zeitgleich zur Seite lehnen und mit wenigen Bewegungen, aber tollen Stimmen Gänsehaut erzeugen. Im Acoustic Set geben sie auch die aktuelle Single "Helpless When She Smiles" zum Besten.

Sympathieträger und heimlicher Schwarm des Abends scheint AJ zu sein; vor allem seine deutschen Kommentare wie 'Ich möchte dich küssen' lösen Begeisterungsstürme aus, auch wenn diese den Jungs längst nicht mehr in den Tonlagen wie vor 10 Jahren entgegengeschmettert werden. Statt Kuscheltiere fliegen nun einige Luftballons auf die Bühne, statt Plakaten werden Fotohandys und Digitalkameras hochgehalten.

Mittlerweile alle mit einer Solokarriere versorgt, präsentieren die vier jungen Männer im Laufe der Show ihre eigenen Stücke – auch nach den Backstreet Boys muss es ein Leben als Künstler geben und da ist für jeden Fan etwas dabei: der Latino-Style mit Mamboschritten wird von Howie vertreten, der Fußstampfer-Rock mit anzüglichen Bewegungen wird von AJ perfekt verkörpert, Brian macht mit seiner Akustikgitarre einen auf romantischen Country-Star und Nick trommelt sich mit funkigen Drums als Justin Timberlake-Nachfolger und mit lässig-rockigen Gitarrenakkorden à la Bryan Adams in die Herzen der Mädels.

Verändert haben sich die Vier kaum – Brian winkt nach wie vor ständig den Mädels zu, nimmt sich und Nick wie zu alten Zeiten mit Quietschstimme auf die Schippe und macht einen auf Komiker. Howie ist weiterhin der ruhige Gentlemen, AJ der mittlerweile "saubere" Troublemaker – nur aus Nick ist eine richtige "Rampensau" geworden, der lieber auf der Bühne ausrastet und über die Bretter rockt als die Balladen zum Besten zu bringen.

Verändert haben sich hier und da auch die Songs, die mit modernen Disco-Sounds gemischt werden wie "The One". Sicherlich eine gute Idee, um dem Alter der Bandmitglieder gerecht zu werden, doch was wird in wenigen Jahren aus den Tanzeinlagen? Lange können wir den Jungs die Show nicht mehr abkaufen - auch sie kommen ins Alter und die bis jetzt noch nett anzusehenden Choreographien sind in Kürze nur noch zu belächeln...

Der im Glitterregen endende Song "Shape Of My Heart" ist kurz vor 23 Uhr Höhepunkt der Show, zu dem ich mich auf die Tribüne begebe und in ein Meer von Armen blicke. Wohl kaum eine Kehle, die diesen Song nicht auswendig und inbrünstig mitsingen kann... Und da sag mal einer, die Backstreet Boys hätten die besten Jahre bereits hinter sich... passender wäre an einigen Stellen die Band in "Backstreet Gentlemen" umzubenennen, doch das wäre der mit Tanz und Rhythmus vollgepackten anderen Hälfte der Show nicht gerecht geworden. Wir dürfen gespannt sein wie die vier jungen Männer mit der Zeit gehen werden, um nicht ewig als Boyband abgestempelt zu werden!

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