Bad Religion

Tour 2005

18.08.2005 Live Music Hall / Köln

Von: Thomas Kröll

Bad Religion Köln

Welch ein grosser Tag für Köln! Erst der Auftritt von Benedikt XVI., der sich vom Flughafen über den Rhein bis in den Dom von Hunderttausenden feiern und die Stadt dabei im Verkehrschaos versinken lässt. Am Abend dann mit Bad Religion die Punkkapelle schlechthin zu Gast. Die spielen zwar nicht im Dom, sondern in der Live Music Hall, aber auch ihr Auftritt ist komplett ausverkauft. Womit die Gemeinsamkeiten zwischen den Oberhäuptern des Punkrocks und dem der katholischen Kirche allerdings auch aufhören.

Es ist also bereits gerammelt voll in der Live Music Hall, als wir trotz Dauerstau um kurz nach 20 Uhr einlaufen. Ich kann mir nicht helfen, aber das Teil versprüht für mich immer noch den verhassten Charme einer Schulturnhalle. Sei`s drum! Wir schenken uns die Vorgruppe (ZSK) und entspannen stattdessen im Biergarten vor der Halle bei Pommes und Pils. Pilger sind ausnahmsweise mal keine in Sicht. Dabei hätte es mich nicht wirklich gewundert, wenn einige von ihnen, angesichts der zahlreichen organisatorischen Pannen beim Weltjugendtag, das Konzert von Bad Religion für eine spirituelle Diskussionsveranstaltung gehalten hätten.

So ist es aber wahrscheinlich besser. Denn als die Band um 21.45 Uhr endlich die Bühne betritt, ist die Luft in der Halle so dick, dass man förmlich glaubt gegen eine Wand zu laufen. Doch auch angesichts des akuten Sauerstoffmangels ist die Menge sofort in Stimmung, als Greg Graffin & Co. mit „Sinister Rouge“ loslegen. Der Sound ist wunderbar fett und das eben noch kalte Bier in meiner Hand verwandelt sich in Sekundenbruchteilen in eine lauwarme Brühe. Danach mit „21st Century Digital Boy“ der erste Klassiker. Und so geht es Schlag auf Schlag weiter, wie man es von Bad Religion kennt und liebt!

Irgendwann gebe ich es auf mir die Setlist mitzuschreiben. Das sieht dann hier zwar etwas lückenhaft aus, aber erstens habe ich kaum genug Platz für mich, geschweige denn für meinen Kugelschreiber. Und zweitens genug Arbeit damit, auf den Füßen zu bleiben. Nach „Supersonic“ und „Sorrow“ (das Graffin stilecht dem Heiligen Vater himself widmet!) beschließe ich, mich in den hinteren Teil der Halle zu verdrücken.

Von dort aus sehe ich zwar nicht mehr viel, aber Bad Religion brennen jetzt ein Punk-Feuerwerk vom Allerfeinsten ab. Natürlich darf der „Punk Rock Song“ dabei nicht fehlen. Und „No Control“. Und “Suffer”. Und “Generator”. Einfach grossartig! Die Stimmung übersteigt den Siedepunkt (falls das überhaupt noch möglich ist) und mein T-Shirt ist bis auf die Knochen durchgeschwitzt. Ich will nicht wissen, was in den vorderen Reihen abgeht, kann es mir aber in etwa vorstellen. Mit zunehmender Dauer kommen nämlich immer mehr Leute vorbei, die verdächtig nach Kreislaufkollaps aussehen.

Anderthalb Stunden dauert die Party, dann beschließen Bad Religion mit „Infected“ und „American Jesus“ das Set. Was soll ich sagen? Wir werden alle nicht jünger? Nein! Es war ein Fest! 90 Minuten Gröhlen, Klatschen und Tanzen! Was uns wiederum zurück zum Weltjugendtag bringt, denn dort ist es ähnlich. Nur ohne Punk! Und leider auch ohne Bad Religion! Ich finde, den Versuch wäre es mal wert, die Kollegen Pilger wissen ja sonst gar nicht, was sie da alles verpassen!

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