Bad Religion

30 Years-Tour 2010 - Support: Eternal Tango

26.07.2010 Live Music Hall / Köln

Von: Thomas Kröll

Bad Religion Köln

"1980-2010: 30 Years Of Fuckin Punk Rock" - unter diesem Motto sind Bad Religion zur Zeit auf Jubiläumstour. Seit 30 Jahren also prägt das Sextett aus Los Angeles nun schon die Geschicke dieses Musikstils entscheidend mit. In all der Zeit sind sich Bad Religion nie untreu geworden. Ihre 2-Minuten-Punkkracher haben sie längst in den Kultstatus erhoben und auch wenn einige Bandmitglieder inzwischen stramm auf die 50 zugehen, haben sich die Werte, die sie in vielen ihrer Texte transportieren, nicht verändert. Es geht um Nächstenliebe, Achtung vor dem Leben und das Bewusstmachen der eigenen Existenz. Eine perfekte Verbindung zwischen Spass und der Anregung wichtiger Gedanken. Kein Wunder, dass ihre letzten zehn Alben hierzulande allesamt in die Top 40 der Charts stiegen. 2010 ist für Bad Religion das Jahr der Rückschau und des Feierns. Und wie feiert es sich am besten? Richtig, mit guten Freunden.

Heute abend sind 1.800 von ihnen in die Live Music Hall gekommen. Das Konzert ist komplett ausverkauft und ich habe selten so viele Kartensuchende vor der Location in Köln-Ehrenfeld gesehen wie diesmal. Drinnen sieht man einige waschechte Punks, überwiegend aber "Normalos" jeder Altersklasse von geschätzten 14 bis 50 Jahren. Am Gebäude der Live Music Hall hängt noch immer eine überdimensionale Deutschland-Fahne als letztes Überbleibsel der Fussball-WM. Die Fans kommen aus allen Teilen Deutschlands, aus Holland, aus England... ich selbst habe Bad Religion 2005 das bisher letzte Mal an gleicher Stelle live gesehen. Damals war auch der Papst zu Gast in der Domstadt, doch auf den müssen wir heute verzichten.

Stattdessen wird der Abend von Eternal Tango eröffnet. Das Quintett aus Luxemburg spielt eine Mischung aus Alternative, Rock und Pop, darunter Songs ihrer aktuellen Scheibe "Welcome To The Golden City" und glänzt mit einem gelungenen Cover des Queen-Hits "Don`t Stop Me Now". Allerdings sind sie mit ihren permanenten Publikumsanimationen auf Dauer eher nervig als witzig, auch wenn sie musikalisch durchaus überzeugen. Nach 40 Minuten werden Eternal Tango schließlich mit freundlichem Geklatsche verabschiedet. Wer möchte, kann sich die Jungs übrigens ab September bei zehn eigenen Headliner-Shows anschauen. Es folgt eine quälende, 35 Minuten lange Umbaupause. Die Live Music Hall ist mittlerweile knüppelvoll und braucht sich hinter den Temperaturen in einer finnischen Sauna nicht zu verstecken. Auch wenn der Vergleich an dieser Stelle natürlich hinkt, muss ich unwillkürlich an die Love Parade in Duisburg denken. Und ich schätze, anderen geht es genauso...

Um 21.15 Uhr hat dann aber alle Grübelei vorerst ein Ende. Zu den Klängen der "Royal Fanfare" betreten Bad Religion die Bühne. Sofort fliegen die ersten (leeren wie vollen) Bierbecher quer durch die Halle. Im Hintergrund prangt das grosse Bad Religion-Logo mit dem durchgestrichenen Kreuz. Auf den vorhergehenden Stationen ihrer Europatour haben Greg Graffin & Co. die Setlisten kaum variiert. Das ist schade, gilt es doch 30 Jahre Punkrockgeschichte aufzuarbeiten, aber auch heute ist das leider nicht anders. Den Anfang macht "Do What You Want" und dann geht es quasi Schlag auf Schlag weiter. Zwischendurch erinnert Graffin an den legendären Rose Club, in dem die Band 1989 und 1990 ihre ersten Kölner Konzerte absolvierte. Ansonsten lässt er die Musik für sich sprechen. Und er tut gut daran, angesichts solcher Klassiker wie "Sinister Rouge", "Recipe For Hate", "No Control", "Atomic Garden", "Suffer", "Generator", "Punk Rock Song" und und und. Der Sound ist angenehm und perfekt abgemischt und die Stimmung in der Halle nicht nur äußerlich schnell auf dem Siedepunkt. Ich kann die vorderen Reihen zwar nicht sehen, nehme aber stark an, dass dort fleißig gepogt wird. Eben so wie es sich für eine Geburtstagsparty mit Bad Religion gehört. So lassen es sich die Fans auch nicht nehmen, ein kurzes "Happy Birthday" zu singen, was Greg Graffin mit den Worten "Don`t clap for old people" kommentiert. Auch auf der Bühne herrscht sichtlich Spass und gute Laune. Anderthalb Stunden dauert die schweißtreibende Reise durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Punkrocks. Dann entlassen die Urväter ihre Gefolgschaft mit dem letzten von 28 frenetisch abgefeierten Songs zum T-Shirt-Auswringen nach draussen.

Die Gesichter, in die man dort schaut, sprechen Bände. Man kann in ihnen vor allem eines lesen: Restlose Begeisterung. Über Bad Religion sowieso, das Konzert und vielleicht auch ein wenig über die Tatsache, dass man es in den letzten Stunden tatsächlich irgendwie geschafft hat nicht zu verdampfen. Bad Religion jedenfalls haben heute einmal mehr bewiesen, wie wichtig und einzigartig sie selbst nach drei Jahrzehnten immer noch sind. Am 03.08. könnt ihr euch davon im Dortmunder FZW ein weiteres Mal überzeugen. Aber auch dieses Konzert ist natürlich bereits restlos ausverkauft...

Setlist:

Do What You Want
Overture
Sinister Rouge
We're Only Gonna Die
Recipe For Hate
Flat Earth Society
Before You Die
A Walk
How Much Is Enough?
No Control
Requiem For Dissent
Sanity
Atomic Garden
New Dark Ages
Man With A Mission
Suffer
Germs Of Perfection
No Direction
Los Angeles Is Burning
I Want To Conquer The World
Along The Way
Fuck Armageddon... This Is Hell
Generator
Infected
American Jesus
---------------
21st Century (Digital Boy)
Sorrow
Punk Rock Song

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